Autor Thema: LVB-Fahrzeugbeschaffung  (Gelesen 479932 mal)

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Offline Radler

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1575 am: 03.08.2018, 11:53:20 »
es stimmt zwar, dass Investitionen langfristig zu betrachten sind, doch 320k für einen Testbetrieb, der als normaler Bus mit Betriebskosten je Kurs von rund 250k / Jahr zu Buche schlägt, klingt nicht nach Ersparnis. Schade!

Offline Marcel Dreiling

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1576 am: 03.08.2018, 12:13:00 »
Doch dieses Einsatzgebiet sollten eher die Siedlungsgebiete am Stadtrand sein, welche mit Einkaufszentren und Knotenpunkten 24/7 verknüpft werden müssen. Das senkt den PKW-Besitz eher im Vergleich zum heutigen Stundentakt oder der Sonntagsruhe vieler Linien.

Da kommt mir doch glatt die 87 in den Sinn.
Eine bessere und öftere Anbindung an  /SL.016 und Bahnhof Messe wäre mit dem System bestimmt machbar.

Offline Radler

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1577 am: 03.08.2018, 12:19:13 »
zum Beispiel... oder bei kleineren "Gefäßgrößen" Gebiete wie Rückmarsdorf usw.  wo doofe weite Fußwege und magere dünne Takte umwegiger Linien dem PKW-Besitz Tür und Tor öffnen.


Offline Linie 22

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1578 am: 04.08.2018, 08:30:43 »
@Tino: Die 960000 € die die LVB in den 3 Jahren des Testbetriebes da reinstecken wollen sind REINES LVB-VERMÖGEN, also theoretisch FREI VERFÜGBAR für andere Maßnahmen. Mit den 40% Förderung dann also 1,6 Mio.
Die LVB sind in erster Linie für ÖPNV-Daseinsfürsorge zuständig und nicht für Grundlagenforschung und Testprojekte der Automobilindustrie!

@Radler: Wenn alle Akteure die anvisierten 23 Mio in den 3 Jahren investieren, also rund 7,66 Mio im Jahr, für eine etwa 7 km lange Strecke und ein gerade einmal 8 Personen fassendes Fahrzeug, sieht man wie weit das autonome Fahren von der Wirtschaftlichkeit entfernt ist und erstmal Feldversuch mit geringem Nutzen für die LVB-Fahrgäste. Die Zukunft kenne ich zwar auch nicht, aber nach dem Aufwand der jetzt betrieben werden muss, sehe ich eine autonome 24/7 Erschließung von Rückmarsdorf, Lindenaundorf,   etc.  selbst bei nach Meinung der Beteiligten erfolgreichen Testbetrieb (,und was anderes wird man sich dann selbst kaum eingestehen können,)  wohl noch in weiter Ferne.  Selbst ein Rufbusnetz 24/7 mit Fahrer ist bisher dann noch die beste, weil im Vergleich kostengünstigere Erschließungsform für diese Siedlungen.

Offline Linie 22

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1579 am: 05.08.2018, 13:37:54 »
Gestern ist noch ein Artikel zum Autonomen Testbetrieb zwischen Messe und BMW- Werk bei der Leipziger Internet-Zeitung erschienen und es werden für den Anteil der Stadt Leipzig wieder andere Zahlen in den Raum gestellt: " Für die Kommune besteht eine 100-prozentige Förderquote. Das Gesamt-Fördervolumen beträgt 1,9105 Millionen Euro in den Jahren 2019 bis 2021."
Dagegen Bild Leipzig: "Die Stadt Leipzig kostet das Projekt 2,4 Mio. Euro, die zu 100 % gefördert werden. Die LVB investiert laut Vorlage für den Stadtrat 1,6 Mio. Euro (40 % Förderung)."

Über den Eigenanteil den die LVB da reinstecken will ist hier nichts zu lesen, hoffentlich kommt bald mal eine ordentliche Presseerklärung von Stadt und LVB zu dem Projekt.

Offline Thomas L.E.

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1580 am: 21.11.2018, 18:18:00 »
Ich habe leider keine passenden Thread gefunden. Daher möchte ich hier mal eine technische Frage loswerden: Wie hoch ist eigentlich die Spannung, welche heutzutage an der Fahrleitung der LVB anliegt? Ich kann mich noch erinnern, dass es zu DDR-Zeiten 600V waren. An den Unterwerken der LVB steht an den Türen, hinter welchen sich der Trafo befindet "Gleichrichtertrafo 10/0,8kV". Diese Angabe ist für mich etwas unverständlich, da bei einem Trafo im Normalfall sowohl primärseitig als auch sekundärseitig immer der Effektivwert der Wechselspannung angegeben wird. Bei 600V Gleichspannung muß der Trafo auf der Sekundärseite 425V Wechselspannung abgeben, da nach der Gleichrichtung der Spitzenwert der Wechselspannung, also 600V erreicht werden. Meine Vermutung wäre jetzt, dass es sich bei den Trafos in den Unterwerken um eine komplette Einheit handelt, in welcher die Gleichrichter mit untergebracht sind. Liegen jetzt tatsächlich 800V an der Fahrleitung an, oder ist die Angabe nur grob gerundet?
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Offline Laany Toke

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1581 am: 21.11.2018, 19:41:52 »
Theoretisch sind es 600V, praktisch liegen (ohne Verbraucher und Rückspeisungen) 690V an. Mit Rückspeisungen geht es auch mal bis 880V hoch. Spitzen mal nicht mitgerechnet.

Die Unterwerke sind umschaltbar, ein Großteil der Unterwerke ist schon auf die höhere Netzspannung von 750V umgebaut, bzw modernisiert. D.h. am Ausgang des Trafos, bzw der Gleichrichtung muss die Spannung von 750V möglich sein. Also 800V, wenn man Reserven mitrechnet.
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Offline Tino

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1582 am: 21.11.2018, 21:12:26 »
Die Umstellung von 600 auf 750V läuft noch.
Aktuell liegen normal 600V an.
Der Umbau aller Unterwerke muss erst abgeschlossen sein.
https://ted.europa.eu/TED/notice/udl?uri=TED:NOTICE:440078-2018:TEXT:DE:HTML

Offline Thomas L.E.

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1583 am: 24.11.2018, 18:04:02 »
Theoretisch sind es 600V, praktisch liegen (ohne Verbraucher und Rückspeisungen) 690V an. Mit Rückspeisungen geht es auch mal bis 880V hoch. Spitzen mal nicht mitgerechnet.

Das sind ja schon ziemlich heftige Toleranzen. Moderne Fahrzeuge sind sicher dafür ausgelegt, aber wie kommen die historischen Fahrzeuge damit zurecht?
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Offline Laany Toke

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1584 am: 24.11.2018, 19:33:35 »
Du musst bedenken, dass der Höchstwert immer nur kurze Zeit anliegt, im Moment der Rückspeisung von anderen Fahrzeugen.
Moderne Fahrzeuge hätten mit Über- oder Unterspannung wesentlich mehr Probleme, da dort die Eingangsspannungen überwacht werden und irgendwann zum Schutz abgeschalten wird. Bei den Altwagen gibt es diese Überwachung nicht und auch keine Komponenten, die dadurch Schaden nehmen könnten. Die Isolation der Hochspannungsverbraucher sollte ja dafür ausgelegt werden, die Leistungen (Verlustleistung an Widerständen zum Beispiel) entsprechend der Toleranzen dimensioniert. Nur sah man auch schön beim letzten Öffnungstag in Möckern, mögen die Leuchtmittel die höheren Spannungen nicht. Diese unterliegen einem höheren Verschleiß und geben dann recht frühzeitig schon den Geist auf.
Anders sieht es dann wieder aus, wenn das Netz auf die höhere Spannung von 750V umgestellt wird, das ist eine ganze Spannungsebene höher, da sind auch die Toleranzen wie auch Rückspeisespannungen größer, bzw höher. Hier muss man sich etwas einfallen lassen, um auch die historischen Fahrzeuge anzupassen. Gibt es da im Museum schon Ansätze, wie man das elegant bei den relevanten Wagen löst? In Rostock hat man dem G4 einen unpassenden Kasten auf dem A-Teil spendiert...
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Offline Thomas L.E.

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1585 am: 25.11.2018, 09:59:21 »
Du musst bedenken, dass der Höchstwert immer nur kurze Zeit anliegt, im Moment der Rückspeisung von anderen Fahrzeugen.
Moderne Fahrzeuge hätten mit Über- oder Unterspannung wesentlich mehr Probleme, da dort die Eingangsspannungen überwacht werden und irgendwann zum Schutz abgeschalten wird.

Dieser kurze Moment reicht aber oftmals schon aus, um elektrische Bauteile zu zerstören. Am anfälligsten sind hierfür bekanntermaßen Glühlampen. Wie wird eigentlich in den alten Bahnen wie z.B. den Pullmann- oder Gotha-Triebwagen die Kleinspannung erzeugt? Beim Tatra gab es ja hierfür einen rotierenden Umformer. Dieser dürfte wohl das größte Problem bei einer höheren Versorgungsspannung sein. Die Fahrmotoren der Pullmann-Wagen in Parallelschaltung könnte ebenfalls Probleme bereiten. Bei modernen Fahrzeugen gehe ich jedoch von einer elektronischen Spannungsstabilisierung mittels Z-Dioden oder StepUp/StepDown-Konvertern aus, wo die entsprechenden Minimal- und Maximalwerte einkalkuliert sind.

Hier muss man sich etwas einfallen lassen, um auch die historischen Fahrzeuge anzupassen. Gibt es da im Museum schon Ansätze, wie man das elegant bei den relevanten Wagen löst?

Die eleganteste aber auch die teuerste Lösung wäre es, die Motoren mit neuen Wicklungen zu versehen. Die Isolationsmessung wird sowohl bei 600V als auch bei 750V mit 1000V durchgeführt. Somit gibt es zumindest hier keine Probleme.
« Letzte Änderung: 25.11.2018, 10:40:00 von Thomas L.E. »
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Offline Q-terra

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1586 am: 25.11.2018, 10:55:06 »
Die eleganteste aber auch die teuerste Lösung wäre es, die Motoren mit neuen Wicklungen zu versehen.

So wird es auch seit einiger Zeit in Möckern und künftig in Eutritzsch gemacht.

Offline Laany Toke

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Re: LVB-Fahrzeugbeschaffung
« Antwort #1587 am: 25.11.2018, 19:23:12 »
Wie wird eigentlich in den alten Bahnen wie z.B. den Pullmann- oder Gotha-Triebwagen die Kleinspannung erzeugt? Beim Tatra gab es ja hierfür einen rotierenden Umformer. Dieser dürfte wohl das größte Problem bei einer höheren Versorgungsspannung sein. Die Fahrmotoren der Pullmann-Wagen in Parallelschaltung könnte ebenfalls Probleme bereiten. Bei modernen Fahrzeugen gehe ich jedoch von einer elektronischen Spannungsstabilisierung mittels Z-Dioden oder StepUp/StepDown-Konvertern aus, wo die entsprechenden Minimal- und Maximalwerte einkalkuliert sind.
Den Umformer gab es auch bei den (modernisierten)Pullmannwagen und den Gothas. Waren nur wesentlich leiser, da dort keine Lüfter angeschlossen waren. Aber auch die hatten schon entsprechende Laderegler, dass, egal was vorne reinkommt, hinter dem Laderegler die Spannung recht konstant war.
Du musst wieder unterscheiden zwischen dem Hochspannungsteil und dem Niederspannungsteil im Fahrzeug. Der Hochspannungsteil arbeitet immer mit der vollen Eingangsspannung (in den eingestellten Toleranzen). Der Bordnetzumrichter (unterschied zum Umformer, dieser rotiert, ein Umrichter richtet die Spannung elektronisch) ist für die Ladung der Batterie und der Versorgung des 24V-Bordnetzes verantwortlich. Entscheidend für die Ausgangsspannung ist allerdings nicht der Eingang, sondern die Verbraucher, die hinten dran hängen. Also wie voll ist die Batterie, wie muss diese geladen werden (Batterieladekennlinie Strom/Spannung), wie hoch ist der Stromverbrauch im Fahrzeug, welcher Strom muss dafür bereitgestellt werden usw usf.
Der Antrieb sieht wieder anders aus, die elektronischen Antriebsstromrichter arbeiten im Grunde nur noch über Frequenzmodulation. Das heißt die Spannung, die vorne reinkommt, kommt in änderbarer Frequenz am Motor an. Ob das nun Gleichspannung wie beim modernisierten Tatra oder Dreiphasig als Drehstrom bei allen anderen Wagen ist, ist erstmal egal, das Prinzip ist das gleiche. Das ganze wird so bereitgestellt und moduliert, dass am Ende die benötigte/geforderte Leistung am Motor ankommt.

Das so im Groben.
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