Autor Thema: Tarifrunde Öffentlicher Dienst 2020- Auswirkungen auf den Nahverkehr  (Gelesen 5694 mal)

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Fahrer

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Ist zwar noch ein wenig hin, aber trotzdem interessant Möglicherweise steht uns ein "spannender" Spätsommer und Herbst voraus. Die kommende Tarifrunde wird unter sehr gegensätzlichen Ausgangspunkten stattfinden. Bei den Gewerkschaften wird versucht werden, die  Gehälter der "Alltagshelden" stark anzuheben, fast immer ist das auch begrüßenswert. Auf der anderen Seite stehen die Verkehrsunternehmen, die oft zumindest mittelbar von Städten und Kommunen und kommunalen Arbeitgeber, die massive EInnahmeverluste haben und durch die ganzen Hilfen versuchen wollen, die Mehrausgaben möglichst in Grenzen zu halten. Aus eigener Kraft werden z.B. die LVB die Probleme nicht stemmen können.

Eine vor einiger Zeit angesetzte  und gescheiterte Sondierungsrunde zeigt, wie sehr man auseinander lag. Die Gewerkschaften wollten eine EInmahlzahlung für eine Übergangszeit von September-März von 1500 € erreichen und dann ab März die prozentualen Entgelte verhandeln. Wenn man jetzt für die Beschäftigten imLeipziger ÖPNV (wenn siekomplett davon profitiert hätten) mal sehr optimistisch mit  Brutto knapp 2000 €  schätzen würde - man kann mich da auch gerne korrigieren - wäre man bei 250€ Zahlung (die Einmalzahlung auf die  6 Monate gestreckt) bei Steigerungen von 12,5 %, was schon eine deutliche Steigerung ist. Wenn die Prozentuale Forderungen ähnlich hoch sind, würde das auf harte Verhandlungen, wahrscheinlich mit massiven Streiks hindeuten. Im August werden wir wissen, was passiert. Die Arbeitgeber hätten wohl Laufzeiten der Verträge von 2,5-4 Jahre und Erhöhungen auf Inflationsniveau angeboten.

Gerade durch die Coronakrise werden viele Kommunen wohl eher weniger "spendabel" sein, da werden wir sehen, was passiert

https://oeffentlicher-dienst.info/tvoed/tr/2020/

Offline Laany Toke

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Wenn ich das richtig überblicke ist da der ÖPNV soweit ausgenommen. Für diesen gibt es einen extra Tarifvertrag TV-N Sachsen (in dem auch die LVB zu großen Teilen drinhängen), der separat verhandelt wird.
Das Schönste an Dresden: Das Ortsausgangsschild.

Fahrer

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Soviel ich weiß besteht diese Trennung fast nur auf dem Papier. Letztes Mal gab es gemeinsame Aktionen Öffentlicher Dienst und Nahverkehr. Siehe auch 13.04.18, wo einen halben Tag gestreikt wurde.

https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2018/05/Nochmaliger-Streik-bei-der-LVB-Tarifverhandlungen-fuer-Nahverkehrsbetriebe-in-Sachsen-vorerst-abgeschlossen-215992

Hier wird geschrieben, dass die Tarifverträge gleichzeitig auslaufen

https://www.l-iz.de/wirtschaft/metropolregion/2018/04/Tarifabschluss-im-oeffentlichen-Dienst-Nach-dem-Streik-die-Ernuechterung-213738

Lt. diesem Artikel wurden die Ergebnisse des öffentlichen Dienstes übetragen. Ich gehe davon aus, dass gemeinsame Aktionen möglich sind, ob gemeinsam verhandelt wird, keine Ahnung.


Offline Passagier

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Was mich gerade etwas stört bei Streiks im Öffentlichen Dienst, im Nahverkehr... sie sind in der Position, das tun zu können. Und es gibt Berufsgruppen, über die seit März zwar geredet wird, für die geklatscht wird, denen Prämien versprochen wurde, die aber auch nur zum Teil tatsächlich ausgezahlt werden, aber sie können das eben nicht tun, was die Bediensteten des ÖPNV tun. Ich würde mir wünschen, wenn aus Solidarität diese Berufsgruppen auch aus Solidarität für die betroffene Berufsgruppe mit streiken. Aber das wird wohl rechtlich nicht gehen.

Ich finde die Forderungen insbesondere der ÖPNV-Bediensteten berechtigt, nicht falsch verstehen.

Fahrer

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Ich habe lange üer die Tarifrunde nachgedacht, da ich zwar in leipzg nicht aber bei den LVB oder einem Tochterunternehmen arbeite, stellt sich die Frage des Streiks für mich zum Glück nicht. Grundsätzlich finde ich auch, dass etwas mehr Geld sicherlich nicht schlecht wäre, andererseits hänge ich persönlich auch an meinem Arbeitsplatz, da ich für jeden Euro, den ich bekomme einfach eine Verwendung habe. Und  auf Hartz IV zurück zu fallen wäre für mich schon ziemlich bitter. Selbst wenn es nur ein paar Hundert Euro mehr wären, wie gesagt, ich möchte jeden Cent.  Eines muss man sich klar machen: Jeder EUro mehr wird natürlich auch  auf die Fahrgäste umgelegt werden. Wenn nach dem Ablauf des Tarifmoratorium sich die Preisspirale immer weiter dreht,  gleichzeitig die Wirtschaft aber nicht  wieder in Schwung kommt, kann es auch ganz schnell eine saftige  Realpreissteigerung geben, was  die ohnehin zur Zeit geringe Zahl der Fahrgäste sicherlich nicht erhöhen dürfte. Wozu dass  führt, haben wir ja leider in diesem Sommer gesehen...  Und bei längeren / massiveren Angebotseinschränkungen  möchte ich nicht für jeden Kollegen meine Hand ins Feuer legen.

Offline sfn

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Na, so schlimm ist es nicht mit dem Zusammenhang zwischen Arbeitslohn für das Fahrpersonal und den Fahrpreisen bestellt.

Höhere Personalkosten schlagen sich nicht 1:1 auf die Fahrpreise durch. Es sind grob 150 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

Man kann sowieso nicht kaufmännisch rechnen; denn ÖPNV wird immer bezuschusst werden müssen. Die Fahrpreise sind keine "wahren" Preise, die sich quasi BWLmäßig aus den Betriebskosten plus bisschen Gewinnmarge ergeben, sondern weitgehend politisch gebildet.

Das "Totschlagargument", dass bei Lohnerhöhungen auch die Fahrpreise höher werden, wird nach meinem Eindruck selbst von der Arbeitgeberseite auch nicht gebracht.

Die Steigerungen der Fahrpreise im MDV sind u.a. den eingefrorenen oder sogar reduzierten Zuschüssen aus öffentlicher Hand geschuldet.

Ja, am Dienstag werde ich versuchen, mit der S-Bahn von A-C nach Leutzsch zu kommen. Mühsam. Wenn weder  /TRAM noch  /BUS  fahren, hat man die länglichen Fußwege zu und von der S-Bahn... jetzt, wo's so kalt geworden ist... :-\
Im LVB-Netz gibt es nur Große oder keine Anschlüsse.

Sinnvollaktion: Bestellung E-Busse
Sinnlosaktionen: Betriebsausfall 2h lang und tote FKA zur Jahreswende, Hst.-Umbenennungen in plumpe Namen, Werbeansagen, gekaufte Hst.-Namen, Vorneinstieg (gelbe Flecken schon weg), Sitztest (mit vorgeplantem "Ergebnis"),...
Sinnlosmarketing: Fahrzeugtaufen
Dümmliches aus Antwortmails: DFI+IBIS können um Minuten voneinander abweichen; Lösen von mehr als 3 Zonen an den mobilen FKA softwareseitig nicht möglich,...

28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Fahrer

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Es ist auf keinen Fall 1:1 aber im gewisser Weise ist zumindest eine geringe Abhängigkeit vorhanden. Die öffentliche Hand will in dieser Situation, wo man einen Haufen (evtl. fauler) Kredite sitzt auch nicht so viel versprechen und bei steigenden  Kosten bleibt dann nur ein "Dummer" übrig. Vor 2 Jahren zu Zeiten von 1,5-2% Inflation und guter Finanzlage  fand ich den Abschluss eher mager, als fett. Seit März bin  ich anderer Ansicht. Ich befürchte sogar, dass bei steigenden Infektionszahlen die S-Bahn zum Superspreader werden könnte.

Offline sfn

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Es ist auf keinen Fall 1:1 aber im gewisser Weise ist zumindest eine geringe Abhängigkeit vorhanden. Die öffentliche Hand will in dieser Situation, wo man einen Haufen (evtl. fauler) Kredite sitzt auch nicht so viel versprechen und bei steigenden  Kosten bleibt dann nur ein "Dummer" übrig. Vor 2 Jahren zu Zeiten von 1,5-2% Inflation und guter Finanzlage  fand ich den Abschluss eher mager, als fett.
Fette Abschlüsse wird es nicht mehr geben, ohne dass bei Streiks es mittlerweile fast zu Todesfällen kommen muss. Die Arbeitgeber haben sich seit dem Boomjahr 2000 ("Dot-Com") darauf verlegt, es auf härteste Bandagen ankommen zu lassen, egal in welchen Branchen. In puncto Eisenbahn hat man das überdeutlich am Arbeitskampf Deutsche Bahn vs GDL (Jahr 2007) mit Herrn Schell als markantestem "Arbeiterführer" gemerkt. Und medial heftig gebrandmarkt wurde auch der Ärztestreik vor wenigen Jahren - dabei wurde durchgehend ein medizinischer Notbetrieb aufrechterhalten. Man darf den Massenmedien in puncto "Arbeitskampf" (warum gibt es nur dieses heftige Wort?) nicht über den Weg trauen, da wird viel Krawall geschlagen.

Zitat
Ich befürchte sogar, dass bei steigenden Infektionszahlen die S-Bahn zum Superspreader werden könnte.
Da hilft nur Abstand halten sowie die Nasenbären (m/w/d) weiträumig zu umschiffen, wenn schon keine Maskenkontrollen stattfinden. Anderswo werden stehenden Fußes 50 Euro abkassiert, hier sind den Polizeibehörden und Sicherheitskräften alle Übeltäter egal, solange sie keine grünen Haare haben.

« Letzte Änderung: 28.09.2020, 14:44:29 von sfn »
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28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline Passagier

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Da hilft nur Abstand halten sowie die Nasenbären (m/w/d) weiträumig zu umschiffen, wenn schon keine Maskenkontrollen stattfinden.
Finden statt. Mit Ordnungsamt.

Fahrer

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@sfn:
Ich finde, in der Vergangenen Runde hätte es ruhig mehr Aktionen geben können, jetzt bin ich da wenig optimistisch und realistisch. Und sorry, aber wie stellst du dir Abstand halten in einer S-Bahn, die auch noch Straßenbahn und Bus aufnehmen soll vor???

« Letzte Änderung: 28.09.2020, 21:53:49 von Fahrer »

Offline sfn

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@sfn:
Und sorry, aber wie stellst du dir Abstand halten in einer S-Bahn, die auch noch Straßenbahn und Bus aufnehmen soll vor???
Ach, bei ÖP(N)V-Streiks ist das Gejammer immer riesengroß. Und dann haben alle plötzlich ein Auto zur Verfügung. Ich gebe da nichts mehr drauf.

Beim letzten Streik bin ich zu Fuß die Dresdner Straße zum Zentrum lang gegangen, das geht noch einigermaßen. Nach Leutzsch laufe ich morgen allerdings dann doch nicht. *gg

Die S-Bahnen werden morgen früh sicher ein paar Hansel mehr aufnehmen müssen, aber knackevoller werden sie nicht werden, wenn sie es sowieso nicht schon wären (etwa im Berufsverkehr).

Und, ja, beim Ausweichen vor den Nasenbären bin ich immer in Bewegung: ich setze mich um oder stelle mich woanders hin. (Ich mache aber keine Show draus.)
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28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline sfn

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Bin wieder daheim. *puh*

Die S-Bahnen waren nicht voller oder leerer als sonst, auch unten im Hbf sah es nicht nach "Streik" aus.

Fahren die LVB jetzt wieder? l.de sagt: 12 Uhr, in den Newstickern war von "bis Mitternacht" die Rede.

Gutes Gelingen für das Fahrpersonal! :-)

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28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline Tilman

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Fahren die LVB jetzt wieder? l.de sagt: 12 Uhr, in den Newstickern war von "bis Mitternacht" die Rede.

Soeben rollt der Verkehr wieder an. Am Goerdelerring passieren zur Minute die ersten Bahnen.

Offline Willy d. Baubieber

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Es wird hinter vorgehaltener Hand gesprochen, dass wieder gestreikt wird.
Neuer Termin soll wohl am kommenden Donnerstag sein, von Betriebsbeginn bis 19:00 Uhr.