Autor Thema: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w  (Gelesen 6357 mal)

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #60 am: 10.09.2020, 22:53:55 »
Also an meinem Anliegen geht dein Geschriebenes vorbei, sfn. Ich frage danach, wer warum was macht. Ich kann weder beurteilen, was oder wer mit welcher Qualität bei den LVB oder der Stadtverwaltung vorhanden ist. Wenn du das kannst? Darauf deutet gerade nichts hin. Ich will deshalb auch keine Vergleiche mit anderswo, weil das die Frage nicht beanwortet: liegt es an fehlendem Willen bestimmter Kräfte oder am Unvermögen von Leuten in den relevanten Ämtern oder Unternehmen?

Erkenntnisse dahingehend bekomme ich nicht von deiner ewig gleichen Schallplatte: Alle unfähig.

Offline Tilman

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #61 am: 11.09.2020, 09:30:27 »
Hast Du Dir eigentlich den Nahverkehrsplan (Zweite Fortschreibung) mal angeguckt? Durchgelesen gar oder zumindestens die zentralen Dinge erfasst? Bist Du auch in anderen Stadtverkehren unterwegs, auch im sächsischen Ausland? Dann kannst Du bitte selbst einschätzen, wieviel Expertise zum ÖPNV in der Stadt Leipzig vorhanden ist.

Ja. Ja. Ja. Ja.
Ich sag ja nicht, dass alles in Butter ist. Aber wer behauptet, dass alle unfähig sind außer wir Foristen hier, macht es sich zu einfach.
Der NVP ist mir auch zu wenig ambitioniert. In meiner Wahrnehmung haben den eher die LVB ausgebremst im Sinne von: "Auf keinen Fall wollen wir gezwungen werden, mehr zu fahren, sondern wollen darüber eigenmächtig entscheiden" Nur ist da eben die Politik in der Verantwortung, die beschließen das Ding. Die Politik ist auf anständige Zuarbeit aus der Verwaltung angewiesen und die wiederum soll das mit der LVB abstimmen. So können sich alle im Kreis herum die Schuld zuschieben, aber das verbessert nix. Druck aus der Politik hilft aber, wie man am Maßnahmenplan zur Mobilitätsstrategie durchaus erkennt.
Dazu gehört dann aber auch, politisch zu beschließen, dass die Verwaltung mit qualifiziertem und zahlenmäßig ausreichendem Personal an den richtigen Stellen versorgt wird. Da geht es z.B. dem Radverkehr nicht besser. Toll, wir haben einen Radverkehrsbeauftragten. Aber wie soll der alleine alle Themen des Radverkehrs in einer 600.000-Einwohner-Stadt stemmen? Klar, dass da Themen hinten runter fallen... Dem kann man dafür gar keinen Vorwurf machen.
Aus meiner Sicht sind die Personalressourcen der Verwaltung recht ungleich verteilt. Es gibt Bereiche, die hoffnungslos "überausgestattet" sind (da wird sich aber keiner freiwillig melden) und andere wo Personalnot herrscht. Müsste halt mal jemand den Mut haben, umzustrukturieren... Dafür liegt der Ball beim OBM.

Ich könnte ewig so weiterschreiben, aber ich lass es jetzt.

Offline Passagier

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #62 am: 11.09.2020, 11:54:25 »
@Tilman:

Du beschreibst genau das, was ich gern versuchen möchte herauszufinden.

1.) Die personelle Absicherung größerer Planungsleistungen seitens Stadtplanungsamt oder auch VTA steht stets in den Beschlussvorlagen für den Stadtrat. D.h., die notwendige Anzahl an Personalstellen ist abzusichern, zur Not auch durch Aufstockung.

2.) Wer bremst? Und warum? Bremsen die betreffenden Amtsleiter, Sachbearbeiter, LVB-Mitarbeiter, die LVB-Geschäftsführung von sich heraus? Oder, weil dies die Direktive von "ganz oben", dem Oberbürgermeister, ist? Ist genug fachliche Expertise da, darf aber nicht? Oder ist diese Expertise nicht da?

3.) "Die Politik" ist ein weites Feld. Zur "Politik" gehört auch die Ratsversammlung, also die Stadträte. Und die können auf und nieder hüpfen und die Staftverwaltung bei allen möglichen Dingen, auch beim ÖPNV, per Beschluss zu bestimmten Dingen zwingen. Theoretisch. Praktisch aber gibt's seitens der Stadtverwaltung oft ein "uns doch egal". Entweder, weil die fachliche Expertise fehlt oder der Wille seitens Dezernenten, Bürgermeister oder Oberbürgermeister. Vielleicht auch von Sachbearbeitern, die an Verwaltungsstandpunkten arbeiten und in die ihre politische Meinung oder aber die (mangelnde?) fachliche Experzise einfließt. Oder, weil tatsächlich das nötige Personal fehlt. Stadtplanungsamt und VTA müssen ja auch bspw. Schul- und Kitabau koordinieren und planen. Und die Verwaltung überfordert ist.

Und analog dann auch bei den LVB. Mangelnder Wille, mangelndes Können? Vielleicht dürfen die bei den LVB ja auch nicht. Auch nicht die Geschäftsführer. Ich weiß es nicht. Und sfn weiß es auch nicht. Aber ich möchte dies alles zu Bedenken geben. Und vielleicht gibt es hier jemanden, der etwas mehr im Thema steckt.


Offline Sven

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #63 am: 11.09.2020, 12:06:24 »
Ich sag ja nicht, dass alles in Butter ist. Aber wer behauptet, dass alle unfähig sind außer wir Foristen hier, macht es sich zu einfach.

Ich würde das Wort eher auf untätig ändern. Genau die Unfähigkeit Maßnahmen umzusetzen zeigt sich in der gesammelten Untätigkeit. Von fehlenden Visionen ganz zu schweigen. Wenn Radler nicht mal ein Foto von einer Strategieveranstaltung hier gezeigt hätte, wüssten wir gar nichts, was die LVB und Verwaltung hier planen.

Generell ist in Sachsen die Geheimniskrämerei wie bei der Stasi ausgeprägt. Man vergleiche nur mal die Diskussionen um die Fahrpläne in Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Sachsen. Da liegen Welten dazwischen.


Der NVP ist mir auch zu wenig ambitioniert. In meiner Wahrnehmung haben den eher die LVB ausgebremst im Sinne von: "Auf keinen Fall wollen wir gezwungen werden, mehr zu fahren, sondern wollen darüber eigenmächtig entscheiden"

Der NVP weist doch viele gute Dinge auf. Was fehlt ist ein konkreter Zeitplan, wie die Dinge in die Realität umgesetzt werden. Ein erstes Achtungszeicvhen ist jetzt mit der Weiterentwicklung des Straßenbahnnetzes gesetzt.
Das die LVB bremsen sieht man allen Stellen in dieser Stadt. Wo bleibt zum Beispiel das neu versprochene Busnetz?


Nur ist da eben die Politik in der Verantwortung, die beschließen das Ding. Die Politik ist auf anständige Zuarbeit aus der Verwaltung angewiesen und die wiederum soll das mit der LVB abstimmen. So können sich alle im Kreis herum die Schuld zuschieben, aber das verbessert nix. Druck aus der Politik hilft aber, wie man am Maßnahmenplan zur Mobilitätsstrategie durchaus erkennt.

Was will denn der Stadtrat bei einer untätigen Verwaltung machen? Schaue dir bitte die Livestreams dazu an. Bei fast jeder Vorlage kommt der Hinweis: " Haben wir schon vor Jahren beschlossen, es ist immer noch nichts passiert"

So what?


Aus meiner Sicht sind die Personalressourcen der Verwaltung recht ungleich verteilt. Es gibt Bereiche, die hoffnungslos "überausgestattet" sind (da wird sich aber keiner freiwillig melden) und andere wo Personalnot herrscht. Müsste halt mal jemand den Mut haben, umzustrukturieren... Dafür liegt der Ball beim OBM.

Ja, man kann nur hoffen das dem OBM jetzt von Grünen und Linken ordentlich auf die Finger gehauen wird und er endlich aus dem Mustopf kommt.

Grüße
Sven

Offline Tilman

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #64 am: 11.09.2020, 12:08:59 »
Ich fürchte, darauf gibt es keine einfachen Antworten, keine "große Verschwörung" und auch kein "Befehl von ganz oben". Eher haben halt alle Beteiligten so ihre (durchaus auch legitimen) Interessen, persönliche Befindlichkeiten, eingefahrene Arbeitsweisen, natürlich auch Trägheit einzelner Bearbeiter usw., zwischen denen dann die Inhalte mitunter zerredet und zermahlen werden. Und doch ja, Druck aus der Politik würde helfen, Beispiele dafür gibt es: https://www.l-iz.de/wirtschaft/mobilitaet/2020/06/Ausschuss-Verkehr-und-Mobilitaet-nagelt-den-OBM-auf-knallharten-Lieferplaenen-zur-Mobilitaetsstrategie-2030-fest-337581

Offline Andreas_W

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #65 am: 11.09.2020, 14:43:18 »
Zum Thema Personalkapazitäten im VTA schreibt die LIZ heute: "Das Personal fehlt: Untersuchung zur Radverbindung Lindenau-Innenstadt wird es 2020 nicht mehr geben", https://www.l-iz.de/politik/brennpunkt/2020/09/Das-Personal-fehlt-Untersuchung-zur-Radverbindung-Lindenau-Innenstadt-wird-es-2020-nicht-mehr-geben-348105

Offline sfn

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #66 am: 12.09.2020, 23:26:51 »
Sven hat schon einiges ergänzt und verschärft.

Zum Satz
So können sich alle im Kreis herum die Schuld zuschieben, aber das verbessert nix.
schreibe ich noch: Immer, wenn die Angelegenheit im Kreis gerade bei den LVB vorbeikommt, nehmen sie da etwas weg: die komplette alte 13, /SL.014 Nordast und /SL.009 Südast - jedesmal durch Täuschen von Stadtverwaltung und Stadtrat. Soviel zum Thema Sachkenntnis im Neuen Rathaus.

Es war nur einer Gruppierung von Stadträten (angeblich sogar parteiübergreifend) zu verdanken, dass die LVB die /SL.014 nicht gänzlich abmurksen konnten, sondern zu einer "Kulturtram" mit Ringrunde (statt vormals Wendeschleife hinterm Hauptbahnhof) ausbauen mussten - wofür m.W. zusätzliche Mittel bewilligt wurden.

Später, bei der Süd- /SL.009 waren dann wiederum der Autokrat und die Grünen heftigst hinterher, dass dieser Ast mal endlich wegkam. In den Folgemonaten wurde dann demontiert, was das Zeug hielt (Gleiskreuzung, Fahrdraht). Es war scheinbar ein Fetisch der LVB, diesen Abschnitt zu vernichten - das war nicht mehr feierlich.
Eine Reaktivierung der Strecke ist angeblich jetzt sehr schwierig umzusetzen, da sie durch ein Naturschutzgebiet führt und es ja keinen Bestandsschutz mehr gibt.

Also, ich weiß ja nicht, ob es nur Unfähigkeit war. Ich würde zumindestens für die Nullerjahre auch ein gerüttelt Maß an Absicht unterstellen, im Straßenbahnnetz so dermaßen zu vandalieren. Vor einigen Wochen war hierzuforum die Rede davon, dass ein Busfetischist aus Berlin sich hier in Leipzig niederließ und Unheil bewirkte...
Im LVB-Netz gibt es nur Große oder keine Anschlüsse.

Sinnvollaktion: Bestellung E-Busse
Sinnlosaktionen: Betriebsausfall 2h lang und tote FKA zur Jahreswende, Hst.-Umbenennungen in plumpe Namen, Werbeansagen, gekaufte Hst.-Namen, Vorneinstieg (gelbe Flecken schon weg), Sitztest (mit vorgeplantem "Ergebnis"),...
Sinnlosmarketing: Fahrzeugtaufen
Dümmliches aus Antwortmails: DFI+IBIS können um Minuten voneinander abweichen; Lösen von mehr als 3 Zonen an den mobilen FKA softwareseitig nicht möglich,...

28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline Radler

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #67 am: 13.09.2020, 00:29:12 »
es ist interessant zu lesen, wie sich ein jeder die Ursachen vorstellt.

als Axiom, also feststehend allgemeingültig lässt sich ja konstatieren:
- die LVB könnte mehr Marktanteile haben (statt 17% für die LVB wären gut und gern deutlich über 20% drin)
- Grundlage ist das bereits flächendeckende dichte Netz für Tram / Bus
- Die S-Bahn beginnt ihre Potenziale auszuspielen, hat immerhin auch ca. 1 bis 1,5% Marktanteil (am gesamten) und kann noch mehr verkraften
- Dieses S-Bahn-Netz braucht noch mehr Investitionen und Strecken und Fahrzeuge (ganz unabhängig welche genau)
- Verwaltung ist per se NICHT für den SPNV zuständig, folglich "denkt" sie diesen auch nicht mit
- Umsteigen SPNV / ÖPNV ist überall noch unterentwickelt
- je dichter die Taktung ist, desto größer ist die abschöpfbare Nachfrage (Formel: Halber Takt = doppelte Nachfrage)
- je kürzer die Fußwege zu Stationen sind, desto größer ist die Nachfrage (ab ca. 250m Fußweg sackt die erzielbare Nachfrage drastisch ab)
- die LVB plant ihre Anlagen und Strecken selbst, muss sich mit allen anderen und der Verwaltung koordinieren
- die Stadtverwaltung hat Beschlüsse des Stadtrats umzusetzen
- der Nahverkehrsplan wird von einem externen Ing-Büro erstellt, welcher von den Akteuren Zuarbeiten bekommt und auch in der Abwägungsphase an Konferenzen teilnimmt

Folglich gilt es die Zuständigkeiten und Beeinflussbarkeiten sauberer zu sortieren:
- Bahnanlagen plant die LVB
- Straßenanlagen plant das VTA (also alles für Busverkehre)
- abgestimmt werden (und wurden auch!) die großen Umbauten in Straßen mit allen Leitungsbetreibern.
- Ampeln genehmigen die Straßenverkehrsbehörde und die Landesaufsichtsbehörde für Bahnen (TAB), Planungen machen Ing-Büros, weil das doch recht aufwändig ist. Abstimmungen dazu finden längst statt. Bei der objektiv fehlenden tatsächlichen Bevorrechtigung des ÖPNV hat offenbar die LVB selbst "unzureichend" stark ihre Argumente durchsetzen können. Das VTA muss hier Bundesförderrichtlinien folgen, welche ausschließlich die MIV-Verkehrsqualität als Maß haben. Pech für den gesamten Umweltverbund
- die echte Vernetzung der ÖPNV-Verkehre liegt in niemandem Interesse, denn Fahrgäste sitzen nicht an den Koodinierungstischen. Der MDV ist nur der overhead, die LVB interessiert sich einen Scheiß um die S-Bahn, der ZVNL geht davon aus, dass der ÖPNV das schon macht und die EVU sitzen nicht in den Runden, das VTA kennt die Eisenbahn deshalb gar nicht und der Nahverkehrsplan hat diese nur informativ zum Inhalt.

Denkmalnachfazit:
- der ZVNL (=SPNV) plant zukünftig auch den Straßen(bahn)ÖPNV mit?
- die LVB (Straßenbahn-ÖV) plant zukünftig auch den SPNV mit?
- keiner von denen plant, sondern im VTA sitzen dann die Fachleute für Schienenverkehr nach BOStrab und EBO?

Ansonsten:
- die Strukturen können sein wie sie wollen, es kommt meiner Meinung nach auf die Leute an die handeln müssen.
- Dieter Ludwig hat als DB und später DB AG Mann das Karlsruher Modell erfunden, da wusste niemand dass in Bälde eine Regionalisierung alle Strukturen über den Haufen wirft. Doch der Mann, kürzlich verstorben, hatte schöpferische Kräfte.
- Im Gegenzug gibt es Manage und Spitzenleute, die finden einen Zustand x vor und verwalten den einfach nur. Das sind Substanzverzehrer. Beides ist nicht mal von Fach(tiefen)wissen abhängig, sondern eine Frage der Werkzeuge des Handeln, und der Auffassung.

Was braucht Leipzig?

Gruß
der Radler

Offline sfn

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #68 am: 13.09.2020, 13:09:07 »
Es ist interessant zu lesen, wie sich ein jeder die Ursachen vorstellt.
Dass Spekulationen überschießen, ist auch der Geheimniskrämerei auf seiten der Entscheider zuzurechnen. Allein schon, dass die Fahrgastzahlen in der  /S-Bahn -Bahn von "Beobachtern" noch einmal erhoben werden.

Ich weiß nicht, was an einem ÖPNV so militärisch bedeutsam ist, dass sich so bedeckt gehalten wird. Das für mich noch bodenständig Naheliegendste ist... genau: das eigene Versagen und die eigene Unfähigkeit nicht zutage treten zu lassen.

Vielleicht gibt es von den diversen grauen Eminenzen immer irgendwelche Mütter, die an potentiellen Straßenbahnstrecken wohnen und damit also vom Krach verschont werden müssen. (Mir ist von anderswo genau so ein Beispiel bekannt - die Tramverlängerung, geographisch noch mehr ins Auge stechend als hier nach Wolks ist nach mehr als zwanzig Jahren bis heute nicht erfolgt.)

Zitat
als Axiom, also feststehend allgemeingültig lässt sich ja konstatieren:
Mit dem "allgemeingültig" hapert es schon.

Zitat
- die LVB könnte mehr Marktanteile haben (statt 17% für die LVB wären gut und gern deutlich über 20% drin)
- Grundlage ist das bereits flächendeckende dichte Netz für Tram / Bus
Das Netz für Tram/Bus ist definitiv nicht flächendeckend. Haben wir mit Deiner Beteiligung hier schon mehrfach durchgekaut. Zwei Stichpunkte nur: ganze Gebiete schlecht erschlossen, zu lange Zuwegungen zu den Haltestellen. Man vergleiche einfach mal das Netz im Nahverkehrsplan mit den diversen T-Kurven mit dem Bestandsnetz.

Zitat
- Die S-Bahn beginnt ihre Potenziale auszuspielen, hat immerhin auch ca. 1 bis 1,5% Marktanteil (am gesamten) und kann noch mehr verkraften
- Dieses S-Bahn-Netz braucht noch mehr Investitionen und Strecken und Fahrzeuge (ganz unabhängig welche genau)
Ja, sehe ich auch so. In Leipzig sind die  /S-Bahn -Stationen gut übers Stadtgebiet verstreut, das hat man in anderen Städten nicht so. Im Prinzip kann man aus der Region erstmal gut "überall" in Leipzig hinkommen, ehe man dann sich in einen Feinverteilfahrzeug (Tram/Bus) reinsetzt.

Aber das /S-Bahn -Netz ist eher eine Erschließung auf regionaler Ebene. Als Schnelltaxi taugt die /S-Bahn -Bahn nur auf einzelnen Paradestrecken, wie Gohlis-Markt.

Zitat
- je dichter die Taktung ist, desto größer ist die abschöpfbare Nachfrage (Formel: Halber Takt = doppelte Nachfrage)
- je kürzer die Fußwege zu Stationen sind, desto größer ist die Nachfrage (ab ca. 250m Fußweg sackt die erzielbare Nachfrage drastisch ab)
Bezieht sich das noch auf den SPNV oder auf den "ÖPNV", also auf den öffentlichen Stadtverkehr? (Begrifflich gehört der SPNV auch zum ÖPNV.)

Im öffentlichen Stadtverkehr wären diese Formeln mit Taktung und Fußwegen (halber Takt..., 250 m) noch dringend umzusetzen.

Zitat
- die LVB plant ihre Anlagen und Strecken selbst, muss sich mit allen anderen und der Verwaltung koordinieren
Was fehlt, dass die LVB ihr Fahrplanangebot planen. Das macht sonst niemand.

Von zivilisierterten Gegenden kenne ich es so, dass Zweckverbände das Fahrtangebot gefühlt fahrtenweise (also "uhrzeitgenau") bestellen. Hier scheinen die LVB irgendeinen Trott fortzuschreiben und ihn dem Stadtrat hinzuwerfen mit dem Spruch "Mehr geht nicht Punkt".

Zitat
- die Stadtverwaltung hat Beschlüsse des Stadtrats umzusetzen
Macht sie aber nicht. Ist ja schon längst ein Politikum geworden.

Zitat
- der Nahverkehrsplan wird von einem externen Ing-Büro erstellt, welcher von den Akteuren Zuarbeiten bekommt und auch in der Abwägungsphase an Konferenzen teilnimmt
Vielen Dank für diese Info. In der Online-Version fehlt das Impressum, und ich habe schon anderswo herumgesucht.

Aber welche Stelle war stadtseitig federführend? Ich schwankte zwischen Stadtplanungsamt und VTA, aber es könnte genauso gut eine eigene Arbeitsgruppe im Dezernat von Frau Dubrau gewesen sein.

Zitat
Folglich gilt es die Zuständigkeiten und Beeinflussbarkeiten sauberer zu sortieren:
(...)
- Bei der objektiv fehlenden tatsächlichen Bevorrechtigung des ÖPNV hat offenbar die LVB selbst "unzureichend" stark ihre Argumente durchsetzen können.
Vielleicht einfach Desinteresse? Dem Laden traue ich mittlerweile alles zu.

Zitat
Das VTA muss hier Bundesförderrichtlinien folgen, welche ausschließlich die MIV-Verkehrsqualität als Maß haben. Pech für den gesamten Umweltverbund
Mir ist bekannt, dass im VTA autogeile Planer sitzen, aber trotzdem leben sie nicht hinter dem Mond.
Es gibt Ermessensspielräume, die auch ausgenutzt werden könnten. Wenn die LVB mal nicht hier und da den Finger heben, wird auch nichts umprogrammiert.

Zitat
- die echte Vernetzung der ÖPNV-Verkehre liegt in niemandem Interesse, denn Fahrgäste sitzen nicht an den Koodinierungstischen.
Genau das ist das Problem in Leipzig. Die Leute, die an den Koordinierungstischen sitzen, müssen selbst persönliche Erfahrungen im öffentlichen Stadtverkehr haben.

Anderswo wird wesentlich professioneller über öffentlichen Stadtverkehr gesprochen, die Berichtserstattung ist viel genauer, in Trams und Bussen sitzen auch Schlipsträger. In Interviews glänzen die Entscheider mit Detailkenntnissen.

Und hier? Vor Kommunalwahlen erscheinen regelmäßig Statements der Parteien im Stadtrat. Das, was zum Nahverkehr gesagt wird, ist voller Platitüden und zum Davonlaufen. Der öffentliche Stadtverkehr wird in Leipzig nur für Schüler, Freizeitler und zu Stoßzeiten für normale 8-17-Uhr-Pendler (wo es aber schon mächtig hapert) und arme Leute gesehen. In Sachsen fährt man in Leipzig am prekärsten, selbst Chemnitz ist schicker.^^

Zitat
die LVB interessiert sich einen Scheiß um die S-Bahn,
Sogar einen Scheiß um einen Verbund.

Zitat
Denkmalnachfazit:
- der ZVNL (=SPNV) plant zukünftig auch den Straßen(bahn)ÖPNV mit?
Wundert mich, dass das nicht schon trivial der Fall ist (s.o.).

Zitat
- die LVB (Straßenbahn-ÖV) plant zukünftig auch den SPNV mit?
Bloß nicht.  :o

Zitat
- keiner von denen plant
Doch schon...
Zitat
, sondern im VTA sitzen dann die Fachleute für Schienenverkehr nach BOStrab und EBO?
Die LVB müssen ja ihre betrieblichen Kenntnisse einbringen. Ganz ohne Kooperation wirds nicht gehen.
Aber es muss ein Fachwissen geben, das nicht von Betrieblern ausgeht.

Betriebler sagen zu allem, was sie nicht eh' schon machen: "Geht nicht." Das ist eine Menschheitserfahrung.

Zitat
Ansonsten:
- die Strukturen können sein wie sie wollen, es kommt meiner Meinung nach auf die Leute an die handeln müssen.
Aber hallo! Hätte der Autokrat den ÖPNV zu seiner Agenda gemacht, sähe es hier schon längst anderst aus.

Politik wird immer nur von Menschen gemacht. Hinter einem Projekt muss sich jemand ganz persönlich klemmen, der intern andere Leute mitnimmt. Es entsteht nichts nur schon deswegen, weil ein Stadtrat etwas "beschließt". Aus einer reinen Struktur kommt nichts.

Es müssen konkrete Menschen gewesen sein, die die Ringrunde der /SL.014 erzwungen haben. 

Deshalb ist es so wichtig, für Anliegen konkrete Stadträte oder Abgeordnete anzusprechen. Es nützt nichts, als einfacher Einwohner eine Behörde anzuschreiben. Statt wie einst eine "Eingabe" zu machen, schreibe man einen Stadtrat an, der sich dann - vielleicht - selbst dahinterklemmt. Eigene Erfahrung. Traurig, ist aber so.



Zitat
- Dieter Ludwig hat als DB und später DB AG Mann das Karlsruher Modell erfunden, da wusste niemand dass in Bälde eine Regionalisierung alle Strukturen über den Haufen wirft. Doch der Mann, kürzlich verstorben, hatte schöpferische Kräfte.
- Im Gegenzug gibt es Manage und Spitzenleute, die finden einen Zustand x vor und verwalten den einfach nur. Das sind Substanzverzehrer. Beides ist nicht mal von Fach(tiefen)wissen abhängig, sondern eine Frage der Werkzeuge des Handeln, und der Auffassung.

Was braucht Leipzig?
Entscheider, die selbst nutzen.
Im LVB-Netz gibt es nur Große oder keine Anschlüsse.

Sinnvollaktion: Bestellung E-Busse
Sinnlosaktionen: Betriebsausfall 2h lang und tote FKA zur Jahreswende, Hst.-Umbenennungen in plumpe Namen, Werbeansagen, gekaufte Hst.-Namen, Vorneinstieg (gelbe Flecken schon weg), Sitztest (mit vorgeplantem "Ergebnis"),...
Sinnlosmarketing: Fahrzeugtaufen
Dümmliches aus Antwortmails: DFI+IBIS können um Minuten voneinander abweichen; Lösen von mehr als 3 Zonen an den mobilen FKA softwareseitig nicht möglich,...

28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline MD 612

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« Antwort #69 am: 13.09.2020, 14:31:24 »
Auch wenn es völlig OT ist:

Dieter Ludwig hat als DB und später DB AG Mann das Karlsruher Modell erfunden, da wusste niemand dass in Bälde eine Regionalisierung alle Strukturen über den Haufen wirft.

Dieter Ludwig war (abgesehen von einem kurzzeitigem Referendariat nach seinem Studium) nie bei der Bundesbahn und schon gar nicht bei der DBAG angestellt. Er übernahm frühzeitig Führungsrollen, später auch recht schnell Geschäftsführeraufgaben bei der AVG und den VBK. In dieser Rolle entwickelte er das Karlsruher Modell (Straßenbahnen wechseln aus der Innenstadt heraus kommend auf Eisenbahnstrecken und erschließen so das Umland, am Ende sogar recht weiträumig) und setzte es mit Beharrlichkeit (und auch in Zusammenarbeit mit Bundesbahn und DBAG) erfolgreich in die Realität um. Um das zu schaffen, verstand er es die Verantwortlichen im Bund, im Land, in den beteiligten Städten und Landkreisen ebenso wie bei der Bundesbahn und später bei der DBAG von seiner Idee zu begeistern und sie mitzunehmen. Und das geht mittlerweile soweit, dass man mit der Stadtbahn von den Straßenbahnstrecken aus der Karlsruher Innenstadt heraus auf Eisenbahngleisen bis in die Heilbronner Innenstadt fahren kann, die die Stadtbahn wieder als Straßenbahn durchquert.

Mit der Regionalisierung wurde das Modell keineswegs über den Haufen geworfen. Was jetzt "nur" passiert, ist die Begrenzung der unvermeidlich mit dem Erfolg des Modells zusammenhängenden Ausschweifungen einzudämmen. Langlaufende "Eilzuglinien", die im Karlsruher Hbf enden bzw. beginnen, nur auf Eisenbahngleisen rollen und die einst zur Entlastung der erfolgreichen Stadtbahnlinien Richtung Innenstadt eingerichtet wurden, werden aus dem Netz herausgenommen und zukünftig mit reinen EBO-Fahrzeugen gefahren. Damit können diese Linien beschleunigt werden (die Stadtbahnen dürfen auf EBO-Strecken maximal 100km/h schnell fahren) und gleichzeitig steigt der Fahrkomfort auf den langlaufenden Linien, bis hin zum Vorhandensein von Toiletten im Zug. Das eigentliche Stadtbahnnetz mit den Linien durch die Karlsruher und Heilbronner Innenstadt bleibt nach einer erneuten Direktvergabe in der Hand der AVG.

Doch der Mann, kürzlich verstorben, hatte schöpferische Kräfte.
Ihm zu Ehren fuhren, obwohl er schon seit 14 Jahren im Ruhestand war, am Tag seiner Beisetzung die Straßenbahnen und Stadtbahnen der VBK und AVG mit Trauerflor geschmückt. Ich vermute mal, so viel Ehre hat sich wohl kein LVB-Boss erarbeitet...

Gruß Peter
« Letzte Änderung: 13.09.2020, 17:42:48 von MD 612 »
Menschen ohne Rückgrat sind anfällig fürs Gehen krummer Wege.
Ernst Ferstl, österreichischer Schriftsteller

Offline Andreas_W

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #70 am: 21.09.2020, 20:19:42 »
Zitat
Leipzig prüft neue Straßenbahnlinie im Süden
Die LVZ berichtet davon, dass von der Stadtverwaltung eine Studie zum Ausbau einer Verbindung zwischen dem Westen und Osten (die "Südsehne") in Auftrag gegeben wurde https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Leipzig-prueft-neue-Strassenbahnlinie-im-Sueden.
Zitat
Laut Stadt hat auch der Freistaat Sachsen das Projekt empfohlen. Das Ergebnis der Studie soll bis Ende des Jahres 2021 vorliegen. Wie viel die Untersuchung kosten soll, ist nicht bekannt.
Die Schüßler-Plan Industriegesellschaft mbH soll die Untersuchung durchführen.

Offline RoSchoLe

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #71 am: 21.09.2020, 21:09:32 »
Naja eine Studie ist noch ungefährlich. Die kann ja auch negativ ausfallen oder im Schubkasten verschwinden.

Offline Sven

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Re: (geplante) Investitionen der LVB von 2020 bis 2030 und w
« Antwort #72 am: 21.09.2020, 21:13:43 »
Naja eine Studie ist noch ungefährlich. Die kann ja auch negativ ausfallen oder im Schubkasten verschwinden.

Wohl wahr. Nur irgendwann muss man mal ran an die Themen. Bei einer Studie können sich die Entwickler mal eine Platte zu verschiedenen Szenarien machen, bevor es teuer in der Planung wird.

Es gibt ja einige kritische Eckpunkte:

- unabhängiger Bahnkörper
- Baumreihe Kurt-Eisner-Str.
- Brücken
- Haltestellen (überfahrbare Kaps oder Inseln)

Ich freue mich erst einmal auf die holländischen E-Busse bei der  /BL.074  ;D

Grüße
Sven