Autor Thema: Nahverkehr in den Zeiten der Corona  (Gelesen 61927 mal)

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Offline MD 612

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #495 am: 08.01.2021, 22:13:03 »
Was erwartest du denn bei Corona vom OBM?
Dass er da ist für seine Bürger, Präsenz zeigt, für seiner Stadt Verantwortung übernimmt. Hilpert in Dresden, Wiegand in Halle, Trümper in Magdeburg, Ntzsche in Jena, Frau Ludwig in Chemnitz, die alle waren da. Die haben vielleicht nicht immer alles richtig gemacht, aber sie haben überhaupt was gemacht. Jung dagegen lässt noch großkotzig ein hochriskantes CL-Spiel stattfinden, wo europaweit solche Veranstaltungen längst abgesagt wurden, und taucht dann ab, war dauerhafte Fehlanzeige. Der groß versprochene "Weihnachtsschmuck" in der Innenstadt war eine blanke Blamage, die Pleite mit der Querdenkerdemo war nur noch die Spitze des Eisberges. Und komme jetzt keiner, das OVG in Bautzen wäre daran Schuld. Gerichte entscheiden anhand von Argumenten, die beide Seiten vorbringen. Bremen hat vier Wochen später gezeigt, wie das geht...

Gruß Peter
« Letzte Änderung: 08.01.2021, 22:23:03 von MD 612 »
Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen.
Walt Whitman (1819-1892), amerikanischer Dichter

Offline Laany Toke

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #496 am: 09.01.2021, 09:52:13 »
Hallo

Ja, voll die krassen Wahnsinnsverluste bei LVB.

Bei dem bisschen Fahrangebot der LVB käme mir eher umgekehrt die Frage, ob diese Firma denn soviel einsparen würde, stellte sie den Verkehr gleich ganz ein.

Die Deutsche Bahn fährt nach wie vor nach (nahezu) Regelfahrplan. Und hat aber keinen Stadtrat gehabt, der ihr schon mit etwas Geld ausgeholfen hätte.
Hast du auch nur irgendeine Ahnung welche Gelder durch was fließen, wie die Finanzierung von Nahverkehr funktioniert? Also manchmal fragt man sich echt. Der Fahrplan wird ja nicht zum Spaß reduziert. Letztes Jahr gab es "nur" rund 100Mio Fahrgäste, entsprechend weniger Einnahmen, während aber die Ausgleichszahlungen gleich blieben. Dieses Jahr wird das nicht anders aussehen.
Bei der großen Bahn im Nahverkehr wird der Verkehr bestellt und vom Aufgabenträger bezahlt.
Das Schönste an Dresden: Das Ortsausgangsschild.

Offline MD 612

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #497 am: 09.01.2021, 20:42:31 »
Letztes Jahr gab es "nur" rund 100Mio Fahrgäste, entsprechend weniger Einnahmen, während aber die Ausgleichszahlungen gleich blieben.
Das mit dem ÖPNV-Rettungsschirm und dem hundertprozentigen Verlustausgleich in meinem letzten Beitrag hattest Du aber gelesen??

Gruß Peter
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Offline Laany Toke

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #498 am: 10.01.2021, 19:16:49 »
Hallo Peter

Das hab ich schon gelesen und es diente nur dem Vergleich, da das neue Jahr so beginnt, wie das Alte endete. Den Verlustausgleich gab es für das Jahr 2020, in diesem Jahr werden die Karten neu gemischt.
Das Schönste an Dresden: Das Ortsausgangsschild.

Offline MD 612

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #499 am: 10.01.2021, 19:54:18 »
Das hab ich schon gelesen und es diente nur dem Vergleich, da das neue Jahr so beginnt, wie das Alte endete. Den Verlustausgleich gab es für das Jahr 2020, in diesem Jahr werden die Karten neu gemischt.
Den Verlustausgleich wird es sicher auch für 2021 geben. Und abgesehen davon galt bei LVB's trotz vollem Verlustausgleich für 2020 schon die Ausrede hoher Defizite, um den Fahrplan fast den gesamten Sommer auszudünnen, obwohl die Fahrgastzahlen deutlich höher waren als jetzt. Aber in Ausreden war der Laden ja nie verlegen...

Gültige Aushangfahrpläne sind an vielen Haltestellen übrigens immer noch Fehlanzeige.

Gruß Peter
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Offline Radler

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #500 am: 10.01.2021, 20:23:44 »
Die Einnahmesituation im Moment ist recht komplex. Da fehlen auch offizielle Angaben zu den einzelnen Sparten.

Bei der großen Eisenbahn liegt der Kostendeckungsgrad so bei ca. 25%, der Rest sind die Bestellentgelte, welche der Bund via Länder via Zweckverbände ausreicht. Da die Bahnen zu ca. 80% ausgelastet sind, seit Dezember etwas geringer, ist der Finanzeinbruch vorhanden, doch nicht so dramatisch. Es gibt dazu nur ganz wenige Abo-Kündigungen. Das heißt, es wird pauschal Geld eingenommen, die Leistung jedoch vermindert in Anspruch genommen. Was fehlt ist Nachschub bei Abo-Neuabschlüssen, welche die übliche Fluktuation ausgleichen.

Beim Straßen-ÖV fließen keine Reg-Mittel des Bundes, sondern i.d.R. kommunale Verlustausgleiche, in Leipzig die Quersubvention aus Stadtwerke-Wasserwerke-Gewinnen. Diese werden vertraglich als Zuschuss gewährt, die Höhe wird aktuell immer im Stadtrat thematisiert und steigt nach Jahren des Absinkens wieder an.

Die Fahrgeldeinnahmen verhalten sich ähnlich wie bei der Eisenbahn. Abo-Nutzer zahlen weiterhin die Raten, fahren jedoch i.d.R. seltener mit (ich habe es auch nicht gekündigt, trotz fast 1 Jahr homeoffice). Weggebrochen sind Einzeltickets und alles aus touristischen Einnahmen. Eintritts-Fahrgeld-Kombinationen (Stadionverkehr) fehlen auch. Dafür fließen Semeterticketbeiträge voll zu, egal ob und wie studiert wird. Fazit: Die Fahrgastzahl lässt nicht wie sonst üblich auf die Ticketerlöse schließen. Üblich waren Erlöse von ca. 95 Cent je Fahrgast und für die LVB verblieben nach Einnahmeaufteilung im MDV im Stadtgebiet ca. 65 Cent je Fahrgast. Der 2020er Wert wird davon abweichen.

Die Kosten laufen fast identisch weiter, Anlagegüter und Personalkosten ändern sich nicht. Geringer ist allenfalls der rechnerische Verschleiß (weniger Laufkilometer bis zur nächsten HU) und ein leicht geringerer Abnutzungsgrad der Trassen (ob der finanziell bemessen werden kann, sei mal dahin gestellt). Verbrauchsmittel wie Energie fallen auch leicht niedriger aus, dafür steigt der Organisationsaufwand für Sonderzustände und Reinigungsaufwand an. Alles in allem sollte das bei der Gesamtumsatzgröße in den Nachkommastellen versanden. Die Kosten bleiben nahezu gleich.

Umso wichtiger ist, dass die Pandemiezahlen endlich wirksam sinken, damit baldmöglich wieder ein normales gesellschaftliches Leben möglich ist.

Gruß
der Radler

Offline MD 612

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #501 am: 10.01.2021, 20:50:40 »
^ Deine Ausführungen sind zwar soweit nachvollziehbar. Aber auch Du unterschlägst die Tatsache des vollen Verlustausgleich über den ÖPNV-Rettungsschirm in Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Der spannt sich über den kommunalen ÖPNV (Bus, Straßenbahn) genauso wie über den SPNV.

Bei der großen Eisenbahn liegt der Kostendeckungsgrad so bei ca. 25%, der Rest sind die Bestellentgelte, welche der Bund via Länder via Zweckverbände ausreicht.
Da die meisten Netze in Bruttoverträgen gefahren werden, fallen die Fahrgeldverluste in diesen Netzen nicht bei den Unternehmen, sondern bei den Bestellerorganisationen (NASA, ZVNL etc.) an.

Da die Bahnen zu ca. 80% ausgelastet sind, seit Dezember etwas geringer
Die Fahrgastzahlen gingen im SPNV während des ersten Lockdowns hier in der Region auf ca. 25% zurück, stiegen bis Oktober stetig auf rund 85% und liegen derzeit bei etwa 50% jeweils des Vorjahresniveau. Nichts also mit den von Dir schon andernorts behaupteten "kaum geringer" bzw. "rund 80%" derzeit. Andere Regionen traf und trifft es hier nach wie vor härter, NRW kam nach 20% während des ersten Lockdowns bspw. selbst im August / September nicht über 65% des Vorjahresniveaus.

Die Kosten laufen fast identisch weiter, Anlagegüter und Personalkosten ändern sich nicht.
M.W. gab es bei den LVB bis Ende August noch Kurzarbeit, wenn auch mit abnehmendem Anteil. Ob das derzeit wieder so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Bei Kurzarbeit fallen je nach Höhe der betrieblichen Ausgleichszahlungen 70-100% der Personalkosten des reduzierten Anteils weg. "Fast identisch" stimmt da also nicht.

Verbrauchsmittel wie Energie fallen auch leicht niedriger aus
Rechnerisch fallen für knapp 70% Verkehr wie derzeit auch nur 70% Energieaufwand an...

Gruß Peter
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Offline Radler

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #502 am: 12.01.2021, 09:38:41 »
^

bitte nicht nur die Bruchstücke heraus suchen! Bei 70% Fahrleistung verbrauchen die Fahrzeuge die fahren nur 70% Energie. Die übrigen Verbräuche (der Immobilien, in Werkstätten, Testfahrten usw. sind auch noch da so dass der Gesamtverbrauch nicht sooo stark absinkt wie das gefahrene Fahrplanleistungsvolumen .

Auch die Kurzarbeit trifft eher auf Fahrbelegschaft zu, der gesamte Personalbestand sinkt weitaus geringer ab, so dass die Einsparungen nicht so stark durchschlagen.

Meine Werte und Beobachtungen betreffen den Leipziger Raum, nicht NRW. Stammen übrigens auch aus berufenen DB Quellen  ;-). Die 80% der S-Bahn bezogen sich, wie ich notierte, auf den Oktoberzeitraum, also vor dem Teillockdown.

Der Rettungsschirm ist dennoch notwendig, denn es gibt ja keine Finanz-Puffer bei den Unternehmen, im Gegenteil - eher jahrzehntelangen Investstau.

Gruß
der Radler

Offline MD 612

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #503 am: 12.01.2021, 18:26:58 »
bitte nicht nur die Bruchstücke heraus suchen!
Ich gebe das mal zurück: Bitte nicht immer Wissen von Wahrheiten vortäuschen, wo keins vorhanden ist...

Bei 70% Fahrleistung verbrauchen die Fahrzeuge die fahren nur 70% Energie. Die übrigen Verbräuche (der Immobilien, in Werkstätten, Testfahrten usw. sind auch noch da so dass der Gesamtverbrauch nicht sooo stark absinkt wie das gefahrene Fahrplanleistungsvolumen .
Der weit überwiegende Anteil des Energieverbrauches in Verkehrsunternehmen fällt noch immer auf die Antriebsenergie. Dagegen ist der Anteil für die Beheizing der Gebäude und für den Betrieb von Maschinen und Anlagen Peanuts. Reden wir also bei 70% Verkehrsleistung von rund 80% Enegieverbrauch und damit rund ein Fünftel weniger Energiekosten.

Auch die Kurzarbeit trifft eher auf Fahrbelegschaft zu, der gesamte Personalbestand sinkt weitaus geringer ab, so dass die Einsparungen nicht so stark durchschlagen.
Weniger Fahrleistung, weniger Instandhaltung, weil ein Teil der Flotte steht. Es wäre töricht von den LVB unter diesen Umständen nicht auch die Werkstatt auf teilweise Kurzarbeit zu setzen. Mal abgesehen davon, dass der überwiegende Anteil am Personalbestand im Fahrdienst tätig sein wird.

Meine Werte und Beobachtungen betreffen den Leipziger Raum, nicht NRW. Stammen übrigens auch aus berufenen DB Quellen  ;-).
Ja, was nun, eigene Beobachtungen oder vermeintlich Angaben "berufener Quellen"?? Es werden wohl doch nur die eigenen Stichproben sein, denn die Zahlen aus den berufenen Quellen der DB hatte ich genannt. Die decken sich im Übrigen mit den anderen EVU in der Region.

Die 80% der S-Bahn bezogen sich, wie ich notierte, auf den Oktoberzeitraum, also vor dem Teillockdown.
Du notiertest am 07.01.2021: "die S-Bahnen fahren im Schnitt mit ca. 80% der üblichen Auslastung."

Du notiertest am 10.01.2021: "Da die Bahnen zu ca. 80% ausgelastet sind, seit Dezember etwas geringer,"

Ich würde sagen, der 07.01. + 10.01 liegen nicht im Oktober, ich würde auch sagen, ein Abfallen von vier Fünfteln auf die Hälfte der Vorjahreszahlen ist nicht nur "etwas geringer"...

Gruß Peter
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Offline Tilman

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #504 am: 13.01.2021, 09:19:32 »
Dass er da ist für seine Bürger, Präsenz zeigt, für seiner Stadt Verantwortung übernimmt. Hilpert in Dresden, Wiegand in Halle, Trümper in Magdeburg, Ntzsche in Jena, Frau Ludwig in Chemnitz, die alle waren da. Die haben vielleicht nicht immer alles richtig gemacht, aber sie haben überhaupt was gemacht. Jung dagegen lässt noch großkotzig ein hochriskantes CL-Spiel stattfinden, wo europaweit solche Veranstaltungen längst abgesagt wurden, und taucht dann ab, war dauerhafte Fehlanzeige.

Heute 2 Seiten Interview mit Jung in der LVZ zum Thema.

Offline Tilman

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #505 am: 15.01.2021, 12:38:59 »
Trotz / wegen / im Zuge der Baumaßnahmen an der Endschleife Gohlis fährt ab Montag auch wieder eine  /SL.4E12 bis/ab Technisches Rathaus, wie aktuellen Fahrplänen zu entnehmen ist.

Offline xXx

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #506 am: 15.01.2021, 14:24:14 »
^ Bleibt nach jetzigen Stand auch danach weiter während des "Lockdown-Fahrplans" in Betrieb. Man scheint wohl erkannt zu haben, dass die Reduzierung des HVZ-Angebots auf ein Drittel etwas zu viel des Guten war, insbesondere aufgrund der weiterhin (viel zu) hohen Mobilität.

Offline xXx

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #507 am: Gestern um 23:32:40 »
Wenn man der Fahrplanauskunft vertrauen darf, dann kehrt man ab kommenden Donnerstag (28.01.) montags bis freitags wieder zum 10-Minuten-Takt zurück und würde damit (endlich) die politische Forderung nach größtmöglicher Platzkapazität trotz hoffentlich weiterhin niedriger bzw. gar noch zurückgehender Fahrgastzahlen umsetzen.

Offline Rabbit09

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #508 am: Heute um 04:43:47 »
Dann stellt sich noch die Frage, ob die "erhoffte" Sache nicht übertrieben werden wird. Durch die "richtige" Maskenpflicht werden viele den ÖPNV erst Recht meiden.

Offline TLpz

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Re: Nahverkehr in den Zeiten der Corona
« Antwort #509 am: Heute um 07:23:03 »
Dann stellt sich noch die Frage, ob die "erhoffte" Sache nicht übertrieben werden wird. Durch die "richtige" Maskenpflicht werden viele den ÖPNV erst Recht meiden.

Sicher? Also wer bis jetzt andere Transportmöglichkeiten hatte, hat die sicher genutzt. Wer jetzt noch ÖPNV fährt, hat keine andere Möglichkeit. Einzig besseres Wetter könnte den ein oder anderen schneller zurück auf das Fahrrad treiben...