Autor Thema: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?  (Gelesen 3224 mal)

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Offline Radler

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #15 am: 05.02.2020, 17:36:56 »
Dann trennt man eben diese Sparte so auf, dass es passt.

Der Sanierungsstau und die Systemfehler wiegen doch weit schwerer als die Anpassung der Rechtsform und Firmierung.

Offline MD 612

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #16 am: 05.02.2020, 17:51:26 »
Der Sanierungsstau und die Systemfehler wiegen doch weit schwerer als die Anpassung der Rechtsform und Firmierung.
Die Frage wäre aber, ob man mit einem Inhousevergabekonstrukt am Ende besser fährt. Denn wenn dadurch die Baupreise aufgrund der dann vorhandenen Monopolstellung drei Mal so teuer werden wie bisher ist auch keinem geholfen.

Gruß Peter
Menschen ohne Rückgrat sind anfällig fürs Gehen krummer Wege.
Ernst Ferstl, österreichischer Schriftsteller

Offline RoSchoLe

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #17 am: 05.02.2020, 18:19:58 »
Weil bis dato der OBM nicht (genug) aus dem städt. Haushalt dazugeben wollte. Und auch nicht bereit ist, diesen Anteil zu erhöhen. Nur durch Drängen des Stadtrats wurden aus 45 47 Mio. €.

Weil der OBM auf der Bremse steht, wenn es um den ÖPNV geht und nur durch Drängen des Stadtrats widerwillig Verbesserungen geplant werden. Und das dann auch noch mit "leichter" Verzögerung, wie bei vielen anderen Projekten. Also vier - fünf Jahre Verzögerung sind keine Ausnahme. 
Wie ich darauf komme? Man verfolge nur mal das Bemühen der Stadtratsfraktionen, insbesondere LINKE, Grüne und auch SPD, Verbesserungen herbeizuführen.
Und genau da liegt das Problem doch. Leider steht zu befürchten, dass eine in der Frage hoffnungsvolle Person, zugunsten des Oberbremsers aufgibt. Und wer das Spiel demnächst am Sonntag brav mitspielt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn es die nächsten 7 Jahre genau so weitergeht. Aber selbst der Herausforderer scheint es mit dem ÖPNV besser zu meinen, als unser Oberbremser.

Offline Radler

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #18 am: 06.02.2020, 07:10:04 »
Zitat
Die Frage wäre aber, ob man mit einem Inhousevergabekonstrukt am Ende besser fährt. Denn wenn dadurch die Baupreise aufgrund der dann vorhandenen Monopolstellung drei Mal so teuer werden wie bisher ist auch keinem geholfen.

Es wäre kein Konstrukt sondern eine Abteilung. Genauso wie es eine Planungsabteilung oder eine sonstige Abteilung gibt.

Der Systemfehler liegt u.a. darin, dass es keine Effizienzanreize gibt, für eine dauerhafte Qualität zu sorgen. Die Baupreise entstehen ja durch eine externe Leistungserbringung. Und im übrigen sind die so immens gestiegen, dass diese Frage auch nachrangig ist.

Gruß
der Radler

Offline Linie 22

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #19 am: 06.02.2020, 08:44:08 »
@Radler: So scheint es hier in Erfurt bei der EVAG zu sein, zumindest finde ich wenn ich auf die Stadtwerke Erfurt Gruppe Webseite gehe, keine Hinweise auf ein Firmenkonstrukt wie die IFTEC! Dafür habe ich mich in Erfurt bisher auch nicht interessieren müssen!
Denn bei der EVAG muss ich mir keinerlei Sorgen zu machen,  hier ist die Erneuerung der Infrastruktur weit voran geschritten und derartige Verwerfungen  oder "Steinbrüche" wie sie schon einige Zeit am Goerdelerring zu finden sind, würden diesen Zustand hier gar nicht erst erreichen!

Offline T4D-Fan

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #20 am: 06.02.2020, 11:17:58 »
So scheint es hier in Erfurt bei der EVAG zu sein, zumindest finde ich wenn ich auf die Stadtwerke Erfurt Gruppe Webseite gehe, keine Hinweise auf ein Firmenkonstrukt wie die IFTEC! Dafür habe ich mich in Erfurt bisher auch nicht interessieren müssen!
Auch in Erfurt gibt es eine Holding, die SWE Stadtwerke Erfurt GmbH. Unter ihrem Dach findet sich auch die EVAG wieder. Für die Infrastruktur ist in Erfurt die SWE Service GmbH zuständig (https://www.stadtwerke-erfurt.de/pb/die_swe/die+swe/unternehmen/konzern+stadtwerke+erfurt).
Ob dieses Unternehmen von zwei Gesellschaftern (analog IFTEC) oder anders geführt wird oder nur von der Holding, erschließt sich leider nicht.
Auch in Halle/Saale gibt es eine ähnliche Firmenstruktur wie in Erfurt und Leipzig: Eine Holding, wo der Verkehrsbetrieb zu 100% dazu gehört. Und dann irgendeine Service GmbH, die die Infrastruktur instand hält.

Der Systemfehler liegt u.a. darin, dass es keine Effizienzanreize gibt, für eine dauerhafte Qualität zu sorgen. Die Baupreise entstehen ja durch eine externe Leistungserbringung. Und im übrigen sind die so immens gestiegen, dass diese Frage auch nachrangig ist.

Effizienzanreize gibt es schon: eine langlebige Bauweise ist für das ausführende Unternehmen eine gute Referenz für die Akquise.
Und selbst wenn man die IFTEC wieder voll in den Stadtkonzern zurück holt: die Marktpreise lassen sich deshalb nicht umgehen! Klar kann man bei einem städtischen Betrieb die Lohnkosten besser steuern, aber die Materialkosten für Beton, Asphalt, Fugenverguss usw. werden immer noch vom Markt bestimmt. Und da gilt: Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach Bauprodukten hat in den letzten Jahren dank Niedrigzins dermaßen angezogen, dass man einfach seine eigene Kostenkalkulation anpassen muss. Was nützt es mir, wenn ich meine Kalkulation mit Preisen von 2010 füttere, obwohl ich eine Ausschreibung 2019 durchführe. Da kommen dann solche Abweichungen wie beim Goerdelerring raus.
Ich habe dort einen befreundeten Kommilitionen, der an der Submission teilgenommen hat. Bei der Preisvorstellung der LVB müsste ich einfach nur noch lachen (wobei weinen besser wäre). Das erklärt dann auch die Projektverschiebungen der letzten Jahre. Wenn die Baupreise einen jährlichen Zuwachs von 5% haben, muss ich dort meine Kalkulation anpassen. Das macht man aber nicht, weil beim Thema Kosten die LVB in Schockstarre verfällt.

Grüße T4D-Fan

Offline Radler

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #21 am: 06.02.2020, 14:10:16 »
Die Marktpreise und der Eigentümerstatus sind doch nachrangig, wenn es eine Jahrespauschale für Instandhaltung (Gleisnetz) gibt.  Wenn die Marktpreise steigen, dann wird halt etwas weniger repariert und stattdessen eine 1 oder 2 in die Fahrleitung gehängt.  Oder es wird weiterhin nur herkömmlicher Fugenverguss verwendet der nach kurzer Zeit quillt und bröselt mit Frostschäden und wieder kaputt. Oder die Untergründe werden nur halbherzig verdichtet und die Überwege (LEuschner-  Goedelerring) sehen so aus wie sie aussehen...   nein, die Haltbarkeit ist völlig wurscht, zu akquirieren gibt es auch nicht, weil es ja keinen Wettbewerb gibt (Geld kommt ja pauschal). 

Vergleicht doch mal die Gleisliegedauer neuer Projekte (Peterssteinweg, Könneritzstr. ...) mit den Reparaturen (alles kürzer 100m).

Gruß
der Radler

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #22 am: 06.02.2020, 15:20:13 »
Vergleicht doch mal die Gleisliegedauer neuer Projekte (Peterssteinweg, Könneritzstr. ...) mit den Reparaturen (alles kürzer 100m).
Naja, der Vergleich von gerade mal 5 Jahre alten, grundhaft erneuerten Streckenabschnitten mit Reparaturen teils hornalter Gleisanlagen ist jetzt aber auch nicht gerade seriös, abgesehen davon, dass nun 5 Jahre wahrlich keine Liegedauer für Gleise sind. Wenn dann müsste man sich die Lagequalität von vor 10-20 Jahre (grundhaft) erneuerten Abschnitten anschauen und da liegen Licht und Schatten sehr nah beieinander. Neben praktisch tadelosen Strecken gibt es auch da mehr als genug hoffnungslos zerbröselte Abschnitte, was aber auch nicht verwundert, ist doch selbst bei extern vergebenen Baumaßnahmen das einzige Vergabekriterium der Preis ... Und wer billig baut ...

Offline Radler

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #23 am: 06.02.2020, 17:18:41 »
das stimmt so nicht.

Ich beziehe das auf altersmäßig ähnliche Zeiten, z.B. Kreuzungsüberfahrten.  Ein Hauptgrund für schlechte Gleislage sind ungeeigneter Fugenverguss

Gruß
der Radler

Offline Minol-Pirol

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #24 am: 06.02.2020, 17:54:41 »
Ein Hauptgrund für schlechte Gleislage sind ungeeigneter Fugenverguss

Ein Thema, was die LVB jahrelang konsequent ignoriert haben. Und es musste wahrscheinlich immer billig sein.

Offline Tino

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #25 am: 06.02.2020, 18:31:10 »
Passt etwas zum Thema:
"...Indem das LaSuV knallharte Grenzen für Bauzeit und Förderzeitraum setzt, bringt es reihenweise Bauvorhaben in ganz Sachsen zu Fall, denn diese Fristensetzung funktioniert nicht mehr in einer Zeit, in der die Kommunen meist kurzfristig keine Bauträger finden. Und wenn sie doch noch welche finden, verlangen die meist deutlich höhere Erstattungen. Also passt die Förderung wieder nicht."
www.l-iz.de/politik/brennpunk

Offline Radler

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #26 am: 06.02.2020, 18:44:59 »
Die Kosten für langlebigen Fugenverguss könne erheblich über den "ungeeigneten" jedoch billigen liegen. Förderseitig kann es dann sein, dass nur auf fiktive Kosten des billigen gefördert wird und der ganze Rest Eigenmittel sein müssen.  Das fällt bei den Vorhaben dann schon auf, denn in der Vollkostenrechnung über 25 Jahre (so lange ist die Fördermittelbindefrist meistens) würde eine seltenere Instandhaltung greifen. Nur ist das schwierig zu beziffern, da ja eine andere Art und Weise der Leistungserbringung erfolgt (pauschaler Jahresbetrag). Damit "spart" man finanziell nichts, denn weniger LAs tauchen in keiner Finanz-Excel-Tabelle auf.

Interessant wird die Frage der Technologie, wenn die neuen Bausysteme wie RhedaCity angefasst werden müssen. Ob die IFTEC dann als Instandhalter nach außen Nachauftragnehmer binden muss?

Gruß
der Radler

Offline xXx

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #27 am: 06.02.2020, 18:48:15 »
Ich beziehe das auf altersmäßig ähnliche Zeiten, z.B. Kreuzungsüberfahrten.  Ein Hauptgrund für schlechte Gleislage sind ungeeigneter Fugenverguss
Sehe ich ein bisschen anders. Gegen einen mangelhaften Unterbau und eine ungenügende Gleisbefestigung ist auch der beste Fugenverguss machtlos. Und genauso gibt es in der Tat recht lagestabile Abschnitte mit sich verabschiedenden Fugenverguss. Ergo, solange der Gleisbau nicht im Gesamten in entsprechender Qualität abgeliefert (und dann auch entsprechend instandgehalten) wird, hilft auch ein anderer Fugenverguss nur bedingt weiter.

Offline Minol-Pirol

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #28 am: 06.02.2020, 18:52:56 »
Der erste Abschnitt mit sinnvollem Oberbau mit Asphalteindeckung war die Könneritzstraße. Alles was vorher kam, entsprach eher einer "Teppichbahn". Was zum Beispiel bei den komplexen Erneuerungen im Zuge der Fußball-WM noch später geflickt und nachgebessert wurde, passte auch auf keine Kuhhaut mehr.

Bin ja sehr gespannt, ob die Gleiskreuzung am Goerdelerring wieder nur auf die Betonplatte gespaxt wird oder ob das Geld dieses mal für richtigen Gleisbau reicht. Ich hoffe das beste, ahne aber das schlimmste.

Offline Passagier

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Re: Sanierungsstau bei den LVB - Wieso/weshalb/warum ?
« Antwort #29 am: 07.02.2020, 08:52:14 »
Der erste Abschnitt mit sinnvollem Oberbau mit Asphalteindeckung war die Könneritzstraße. Alles was vorher kam, entsprach eher einer "Teppichbahn". Was zum Beispiel bei den komplexen Erneuerungen im Zuge der Fußball-WM noch später geflickt und nachgebessert wurde, passte auch auf keine Kuhhaut mehr.

In dem Punkt liegst du mE nicht ganz richtig. Die Nacharbeiten waren, wenn ich mich recht erinnere, notwendig, weil die ausführende Firma geschludert hat. Sprich: Es waren Gewährleistungsarbeiten. Dagegen ist niemand gefeilt.