Autor Thema: Klimanotstand Stadt Leipzig  (Gelesen 2895 mal)

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Offline firefox

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #30 am: 05.11.2019, 12:45:42 »
Fahrleitungssysteme sind ein kompliziertes und komplexes Gesamtgebilde. Die Seilkräfte sind auch nicht zu unterschätzen, so dass einfach zwei mal zwei Kabel nebst Aufhängung addieren nicht überall geht. Wandanker sind nicht endlos belastbar, für jeden ist ein statischer Einzelnachweis inklusive Zustimmung der Eigner nötig. Bei Masten muss auch statisch geprüft werden, ob die Querkräfte noch tragbar sind. Funktionieren wird es, doch allein die Dauer und die Kosten der Planung erfordern einen Anfangsinvest, der angesichts der leeren Kriegskasse kaum leistbar ist. Die Fahrzeuge kommen ja auch noch als Kostenblock sofort ab Tag 1. Unterwerke gibt es 40, die Auslastung und Speisekabel haben bestimmt Reserven, doch pauschal würde ich zum Abdecken der Lücken und zur Vermeidung langer Speisewege (Streustromkorrossion) 10 weitere UW annehmen, also noch mal 10 bis 15 Mio. Euro.

Gruß
der Radler

Weil in den Planungsbüros genau so gedacht und gearbeitet wird wie von Dir beschrieben, geht hier nichts voran. Schön, dass Du uns daran erinnerst.
Beim Ausbau der Unterwerke im Zusammenhang mit der 750V-Umstellung, sind die nötigen Reserven bereits mit berücksichtigt worden. Du siehst also, bei den LVB sind doch nicht alle so blöd, wie Du denkst.

Offline Benedikt

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #31 am: 05.11.2019, 12:48:37 »
In China werden derweil modernere Ansätze von Straßenbahnen erprobt:https://www.youtube.com/watch?v=RnGyaPgrGKQ - https://de.wikipedia.org/wiki/Autonomous_Rail_Rapid_Transit
Geladen wird der Stromabnehmer an der Haltestelle, eine Spurführung unter dem Asphalt sorgt für den Betrieb im autonomen Modus. Bei Falschparkern oder Unfällen kann die Bahn die Spur verlassen und eine Umleitung fahren. Für Ostasien typisch sind Bahnsteigtüren, die den Betriebsablauf beschleunigen.

Online Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #32 am: 05.11.2019, 14:15:45 »
@ firefox

bitte mit weniger Arroganz argumentieren, denn ich habe der LVB in Sachen Unterwerke eine Blödheit unterstellt. Die Leistungsreserven mögen auch alle enthalten sein. Doch wenn Busstrecken sich weiter vom Bestand an Tramschienen und Speiseleitunen entfernen, sind weitere UWs nötig. Das kann ja erst festgelegt werden, wenn ein Busnetz entsteht. Beispiel: Markkleeberg Ost wird von Dölitz aus mit Strom versorgt, die 1,6 km mit max 2 Bahnen können bewältigt werden. Bei Verlängerung zum See wäre auch in der Stromversorgung ein upgrade nötig. Bei Buslinien > 2km Entfernung vom UW wären also auch Baumaßnahmen fällig. Blöd wäre nur, wenn dies NICHT vorher bedacht werden würde.  Und Planungsbüros sollen bitteschön VORHER alle Prüfungen vornehmen, denn heraus gerissene Wandanker und unten liegendes Kabelgewirr hilft dem ÖPNV nicht weiter.

Gruß
der Radler


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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #33 am: 05.11.2019, 15:24:51 »
Knackpunkt war damals mE, dass alle zu spät aufgeschreckt sind und in dem Zusammenhang erst einmal gedämmert hat, dass die A.-Hofmann-Str. noch als Untersuchungsstrecke klassifiziert war. Eine Fortführung der Straßenbahn bis zur Stadtgrenze hätte symbolischen Charakter gehabt, mehr nicht.
Die A.-Hoffmann-Straße war 2015 schon (längst) als Straßenbahnstrecke gesichert, der entsprechende Beschluss fiel schon wesentlich eher, da man erkannt hatte, dass eine Einstellung des Straßenbahnverkehrs in der A.-Hoffmann-Straße sowohl eine Verstärkung entlang der Karli als auch eine Beibehaltung als Betriebsstrecke (Rückfallebene für die Karli) nötig gemacht hätte, man also quasi kaum etwas eingespart hätte. Eine besondere Eselei hat man sich allerdings mit der sofortigen Stillegung der südlichen A.-Hoffmann-Straße geleistet, deren Erhalt als Betriebstrecke wesentlich sinnvoller gewesen wäre als nun im Fall der R.-Lehmann-Straße ...

Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #34 am: 05.11.2019, 22:12:42 »
Fahrleitungssysteme sind ein kompliziertes und komplexes Gesamtgebilde.
Natürlich erfordert eine Umstellung auf E-Bus einigen Aufwand. Nur ist der in Leipzig durch den schon vorhandenen Strabbetrieb eben bei weitem nicht so hoch wie bei einem völligen Neuaufbau eines E-Bus-Netzes in einer Stadt ohne Straßenbahn.

Funktionieren wird es, doch allein die Dauer und die Kosten der Planung erfordern einen Anfangsinvest, der angesichts der leeren Kriegskasse kaum leistbar ist.
Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und tat es...

Soll heißen, man kann natürlich immer weiter nach Ausreden und Finanzlöchern suchen, man kann aber angesichts des Ausrufens des Klimanotstandes auch einfach mal loslegen.

Die Fahrzeuge kommen ja auch noch als Kostenblock sofort ab Tag 1. Unterwerke gibt es 40, die Auslastung und Speisekabel haben bestimmt Reserven, doch pauschal würde ich zum Abdecken der Lücken und zur Vermeidung langer Speisewege (Streustromkorrossion) 10 weitere UW annehmen
E-Busse werden in absehbarer Zeit reichlich preiswerter werden, wenn sie in Serie gehen und angesichts des Bedarfs in vielen Städten in größeren Mengen gebaut werden. Und neue Unterwerke sind kaum nötig, wenn die Ladeinfrastruktur im Bereich der Straßenbahn aufgebaut wird. Um das an Deinem Beispiel M'berg festzumachen, eine Ladestelle an der Endstelle am Bf M'berg (das Unterwerk der Straßenbahn sollte dort ja noch existieren), weiter ist dort nichts nötig. Der Bus fährt dann eine Runde ~20km im Akkubetrieb und lädt dann am Bf wieder auf. Alles möglich, wenn man will...

Gruß Peter
Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward

Online Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #35 am: 06.11.2019, 09:00:39 »
Zitat
E-Busse werden in absehbarer Zeit reichlich preiswerter werden, wenn sie in Serie gehen und angesichts des Bedarfs in vielen Städten in größeren Mengen gebaut werden.
Dann ist es ratsam, bis zur "absehbaren Zeit" mit Großserien zu warten, damit unsere klamme Leipziger Kasse nicht nur noch aus Löchern besteht.

Zitat
Soll heißen, man kann natürlich immer weiter nach Ausreden und Finanzlöchern suchen, man kann aber angesichts des Ausrufens des Klimanotstandes auch einfach mal loslegen.  +  Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und tat es...
Da freue ich mich über deinen Sinneswandel und bin mir sicher, dass dieses Argument haargenau auch für einen Verknüpfungspunkt S-Bahn / Straßenbahn in Stünz gilt. ;-)

die raue Wirklichkeit sieht in Leipzig anders aus:
15 Jahre bis zur Einführung länger haltbarer Gleistechnologie (die in Dresden längst bewährt war)
11 Jahre für die Umsetzung der simplen Haltestelle "Baaderstraße"
17 Jahre für die Einrichtung einer provisorischen Haltestelle "Am Viadukt" vor dem wichtigen Einkaufszentrum
7 Jahre bis zur Erkenntnis, dass der Bordticketautomat  mit nur Geldkartenfunktion nicht benutzt wurde

usw usw...

egangierte Grüße
der Radler

Offline Minol-Pirol

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #36 am: 06.11.2019, 13:00:42 »
11 Jahre für die Umsetzung der simplen Haltestelle "Baaderstraße"
17 Jahre für die Einrichtung einer provisorischen Haltestelle "Am Viadukt" vor dem wichtigen Einkaufszentrum
7 Jahre bis zur Erkenntnis, dass der Bordticketautomat  mit nur Geldkartenfunktion nicht benutzt wurde

Und nebenbei wundert man sich, dass nicht mehr Fahrgäste mitfahren.

Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #37 am: 06.11.2019, 18:39:01 »
Dann ist es ratsam, bis zur "absehbaren Zeit" mit Großserien zu warten, damit unsere klamme Leipziger Kasse nicht nur noch aus Löchern besteht.
Nicht abwarten, sondern planen und bestellen, so wie es andere Städte auch tun. Abgesehen davon gibt es gerade jetzt ordentlich Fördermittel für Sachen, die man mit dem Etikett des Klimaschutzes versehen kann.

Da freue ich mich über deinen Sinneswandel und bin mir sicher, dass dieses Argument haargenau auch für einen Verknüpfungspunkt S-Bahn / Straßenbahn in Stünz gilt. ;-)
Man sollte bei solchen Maßnahmen immer nach sinnvoll (E-Bus) und nutzlos (Stünzer Kreuz) unterscheiden...

die raue Wirklichkeit sieht in Leipzig anders aus:
Also Kopp in Sand und weiter so?? Schlechtes Konzept...

Gruß Peter
Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #38 am: 06.11.2019, 22:32:30 »
Zitat
sinnvoll (E-Bus)

Ohne gleich ketzerisch sein zu wollen: Batterien in dieser Größenordnung stehen im Verdacht, bei der Herstellung nicht so die beste Ökobilanz zu haben. Das Adjektiv "sinnvoll" ist dann doch mehr eine Wunschvorstellung, oder?  Und wenn du mit gleicher Genauigkeit "nutzlos" verteilst, dann hat es ja keine tiefere Bedeutung...

Gruß
der Radler

achja, den Kopp habe ich nicht in den Sand gesteckt, die Zeitbilanz ist das Entscheidungstempo der Verkehrsbetriebe.

Offline Linie 22

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #39 am: 07.11.2019, 00:10:47 »
Zitat Radler: " ...oder weiter eine zeitgemäße Dieselflotte anschaffen und ausweiten, damit stadtweit attraktive Takte und Netzdichte möglich wird und damit der MIV eine gern genutzte Alternative bekommt.

Der Klimanotstand darf also nicht in einen Mathematiknotstand münden." Zitat Ende

Wie sieht denn für dich eine "zeitgemäße Dieselflotte" aus? Mit einer Schummelvorrichtung zur Gewissensberuhigung?
Mathematiknotstand ist vor allem dann ausgebrochen wenn wichtige Faktoren in der Rechnung ausgelassen werden!
Und ein Faktor wird von Geizhälsen und Bequemlichkeitsfanatiker n nur allzu gern weg gelassen: Die Kosten für die Umwelt!
Achtung, radikale These: Wir müssten zur Abmilderung der Klimawandels schnellstmöglich alle Transport - und Mobilitätsangebote emissionsfrei organisieren und 23h-am-Tag-Platzfresser wie Privat-PKW abschaffen!

Sonst macht uns die Natur alsbald eine grausame und extrem teure Rechnung auf!

Online Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #40 am: 07.11.2019, 07:55:31 »
das ist richtig! Die Emissionen müssen schnellstmöglichst gesenkt werden. Im Verkehrssektor geht das vor allem durch Senkung des MIV. Das überwiegt im Senkungspotenzial bei weitem alle ÖPNV-internen Sparversuche oder Sparschritte. Deshalb ist rein mathematisch der größere Umwelterfolg möglich, wenn das Netz des ÖPNV massiv ausgebaut wird um somit durch Attraktivität PKW-Fahrten zu ersetzen. Deshalb ist die finanzgünstigste Erweiterungsform in Summe die Umweltfreundlichste

Gruß
der Radler

Offline Sven F

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #41 am: 07.11.2019, 09:30:03 »
In Dubai gibt es zwei Metrolinien, eine Straßenbahn durch Marina Bay und unzählige Buslinien mit Dieselmotor sowie teilweise siebenspurige "Schnellstraßen" mitten durch die City, wo kilometerlange Staus an der Tagesordnung herrschen. Dort müsste man mit Umweltpolitik zuerst anfangen, als im winzigen Leipzig. Nur interessiert das Thema dort sicher die wenigsten. Ähnliche Situation gibt es zum Beispiel auch in Bangkok.

Online Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #42 am: 07.11.2019, 09:52:22 »
^

das sehe ich anders! Anfangen müssen alle. Sonst endet es wie beim Spiel "Schraps hat den Hut verloren" und keiner beginnt.

Die immer wieder genannten 2% Deutschland-Anteil sind ja nur deshalb so niedrig, weil wir die Produktion ausgelagert haben und der Transport der Erzeugnisse noch dazu käme.

Auch geht es nicht immer um globale Auswirkungen. Lärm, Platzverbrauch, Gestank und Unfallfolgen sind lokal spürbar und lokal senkbar.

Gruß
der Radler

Online Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #43 am: 08.11.2019, 16:11:37 »
Jetzt kommt Bewegung in die Köpfe und erste kreative Anzeichen gibt es:

https://www.mdv.de/2019/11/kostenloses-pendlerticket/?fbclid=IwAR1fh-YBkAHBVk9KmHaBnt1UerF1eROZdBPXjSzqpBNcumclAAvNDdHE5QY

Gruß
der Radler


Offline Benedikt

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #44 am: 08.11.2019, 16:30:00 »
Jetzt kommt Bewegung in die Köpfe und erste kreative Anzeichen gibt es:

https://www.mdv.de/2019/11/kostenloses-pendlerticket/?fbclid=IwAR1fh-YBkAHBVk9KmHaBnt1UerF1eROZdBPXjSzqpBNcumclAAvNDdHE5QY

Gruß
der Radler
Die in der PM verlinkte Website ist nicht erreichbar...
Davon abgesehen halte ich kostenlose Fahrkarten an Autopendler nicht für den geeigneten Weg. Da läßt man halt einen Monat das Auto stehen und fährt danach wieder Auto. Nachhaltig ist eine solche Ausgabe meiner Meinung nach nicht.