Autor Thema: Klimanotstand Stadt Leipzig  (Gelesen 2892 mal)

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Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #15 am: 04.11.2019, 16:41:00 »
Da solche Projekte (hier) nicht gefördert werden, haben sie auch keine Chance auf Realisierung. Der Betrieb macht nur, was auch gefördert wird.
Es kann ja nichts gefördert werden, wofür keine Förderung beantragt wird. Den ersten Schritt dazu muss schon der Verkehrsbetrieb oder alternativ die Stadt gehen. Oder meinst Du, den Stadtwerken in Solingen wurde die Förderung für den Batterieobus hinterhergetragen, obwohl das dort keine beantragt hat??

Zum Glück sitzt die FDP ja nicht in der Runde.
Weder FDP noch SPD, CDU und Grüne werden einen Förderantrag stellen, die sind auch nicht zuständig selbigem stattzugeben.

Gruß Peter
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Noël Coward

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #16 am: 04.11.2019, 17:26:05 »
Weder FDP noch SPD, CDU und Grüne werden einen Förderantrag stellen, die sind auch nicht zuständig selbigem stattzugeben.

Gruß Peter
Ach nicht?!  Wieder was gelernt.  ::)

Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #17 am: 04.11.2019, 17:42:39 »
Ach nicht?!  Wieder was gelernt.  ::)
Deswegen sind wir hier...  ::)

Der Förderantrag kommt von der Stadt oder dem VU oder von beiden, nicht von einer Partei. Den Bescheid stellt aber auch keine Partei aus, sondern jene Behörde, an die der Antrag gerichtet wurde und die den Fördertopf verwaltet. Das kann das Landesministerium sein, das Bundesministerium oder auch die EU. Oder mehrere davon. Sicher alle auch nach Parteiinteressen gesteuert, aber am allerwenigsten durch die FDP. Aber wie geschrieben, wer keinen Antrag stellt, kann keine Förderung erhalten. Da ist dann die Partei egal, welche gerade das zuständige Ministerium dominiert...

Gruß Peter
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Noël Coward

Offline Tino

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #18 am: 04.11.2019, 17:57:14 »
Sie schaffen es ja nicht mal, die Förderquote zu 100% auszuschöpfen, weil es Verzögerungen bei der Planung gibt.
Gruß Foxi
Welche Beispiele kannst Du dafür nennen? Die Planungen bei den LVB sind meist schon viel weiter fortgeschritten als die der Stadt und möchten gern umgesetzt werden.

Offline Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #19 am: 04.11.2019, 19:05:58 »
JA, die Städte mit O-Busbetrieb werden höhere Betriebskosten je km haben. Diese Werte sind von zig Unis und Forschern quer durch das Land ermittelt worden. Schaut doch allein die Anschaffungskosten an: Hybridbusse kosten etwa das Dreifache. Haben Diesel UND E-Komponenten an Bord, das bedeutet zwangsweise auch höhere Unterhaltskosten. Rentabel ist es halbwegs nur weil die E-Technik länger hält. Ob das unser Straßenzustand auch so sieht, werden die Solinger oder Eberswalder oder Schweizer Busse nicht wissen....

Ansonsten ja, die LVB müssen aus dem Knick kommen. Das Busnetz deckt nicht ansatzweise den Bedarf. Tramstrecken benötigen Straßenbahnen (da läuft erst mal das Tatra-Ersatz-Programm, auch auf Kante genäht) und benötigen langen Planungsvorlauf. Weder zeitlich noch personell ist da eine Lösung in Sicht. Zumal die Zuschussbegrenzung auf 45 Mio Euro plus ein paar Mio. extra im Stadtrat erstritten nicht reicht, um kostspielige Zukunftstechnik netzwirksam einzusetzen.

Aus meiner Sicht ist es aber wichtiger, Fahrgastbedürfnisse vorrangig zu befriedigen, erst danach mit der Entwicklung folgen die Abstufungen ob mit Gummi- oder Stahlrad. Denn erst wenn die Bedeutung fahrgastzahlenseitig richtig steigt, kann die Politik sich nicht mehr um Mehrkosten drücken.

P.S. bei der Eisenbahn muss man sich auch fragen, ob es unbedingt ein H oder Batteriezug nach x oder y sein muss, wenn dafür nur noch das halbe Angebot finanzierbar ist.

Gruß
der Radler

Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #20 am: 04.11.2019, 19:48:31 »
JA, die Städte mit O-Busbetrieb werden höhere Betriebskosten je km haben. Diese Werte sind von zig Unis und Forschern quer durch das Land ermittelt worden. Schaut doch allein die Anschaffungskosten an: Hybridbusse kosten etwa das Dreifache.
Elektrobusse haben eine deutlich längere Lebensdauer und weitaus niedrigere Wartungskosten, da rentiert sich der höhere Anschaffungspreis auf lange Sicht sehr wohl. Die brauchen auch keine Dieselaggregate, denn für Fahrten abseits des Fahrdrahtes gibt es Akkus. Die Straßen sind in Solingen nicht besser als hier, und trotzdem fahren die dort O-Busse sehr lange. Abgesehen davon reden wir von Klimaschutz, die Stadt sogar von Klimanotstand. Da sind wohl Dieselbusse das Letzte, was ein städtischer Verkehsbetrieb anschaffen sollte.

Aus meiner Sicht ist es aber wichtiger, Fahrgastbedürfnisse vorrangig zu befriedigen, erst danach mit der Entwicklung folgen die Abstufungen ob mit Gummi- oder Stahlrad.
Es ist nicht mehr die Zeit für Hau-Ruck-der-Wald-ist-grün-Aktionen. Nachhaltigkeit ist gefragt, auch bei der Planung von ÖPNV-Linien und der dafür notwendigen Fahrzeugbeschaffung. Und eh vorschnell Dieselbusse angeschafft werden, sollte natürlich auch geklärt sein, wer die fährt...

Und im Übrigen würde die Beschaffung von Elektrobussen für Linien, die im Einzugsbereich von Strab-Strecken und damit an der "Stromquelle" fahren, vorhandene Dieselbusse für neue Linien freilenken.

Gruß Peter
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Noël Coward

Offline RoSchoLe

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #21 am: 04.11.2019, 23:26:09 »
Die Verkürzung nun ausgerechnet den Grünen anzulasten, ist doch albern. Eingestellt wurde der Abschnitt vorrangig deswegen, weil der Landkreis Leipzig sich weigerte, seinen Beitrag dazu zu leisten. Die Grünen hatten sich seinerzeit sogar für eine alternative Streckenführung an den Cossi eingesetzt, die jedoch nicht umgesetzt wurde.
Wer die Stadtratssitzung gesehen hat, weiß welche schauriges Theater die Grünen da aufgeführt haben. Für den Erhalt der Strecke bis zur Stadtgrenze haben sich PDS, AFD und Teile der SPD eingesetzt, die Grünen - allen voran der Herr von Heide - haben für die Stilllegung gestimmt. Der PDS - Abgeordneten wurde sogar das Mikro abgedreht. 
Bei einem von mir geführten Mailaustausch - teilweise im Vorfeld - hat HvH seine Meinnung noch bekräftigt.
Die Grünen haben sich von der Stadtverwaltung und dem OBM einlullen lassen, nach dem Motto: Der Verkehr auf der Bornaischen Straße kann nur verdichtet werden, wenn die Strecke der 9 eingestellt wird (Erinnere an einst: (5),10, 11, 22, 24). Ein tolles Argument, dies kann man bestimmt wieder rausholen, wenn dann die 14 zugunsten einer Verdichtung der 15 eingestellt werden soll.
Und in Sachen Richard-Lehmann-Straße wollen sich die Grünen sich offenbar wieder so verhalten. Das ergab eine Nachfrage. (Strecke braucht man nicht, Bus ist optimal).
Das mit der Verlängerung der 9 Richtung Cossi kam nicht den Grünen sondern vom Ökolöwen, der dafür intensiv gekämpft hat, nur leider ist ihm sein natürlicher Verbündete in den Rücken gefallen.


Offline Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #22 am: 04.11.2019, 23:31:32 »
@ MD612

hier ist auf die Schnelle eine recht fundierte Arbeit zu den Kostenannahmen der verschiedenen Antriebsformen. Seite 36 fasst das zusammen:

https://www.econstor.eu/bitstream/10419/162175/1/Elektrobusse%20im%20%C3%96PNV%20final.pdf

Gruß
der Radler

Offline Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #23 am: 04.11.2019, 23:35:02 »
@RoSchoLE

Ja, das war damals ein Schmierentheater sondersgleichen. Immerhin sind die Prognosen genauso so eingetreten, also ca. 30%iger Fahrgastrückgang auf der dortigen 70.

Die Lehmannstraße sehe ich anders. Dort ist und kommt einfach nichts, was eine Strecke weder als Bus noch als Bimmel rechtfertigt. Der Bus gehört in die Tabaksmühle um den dortigen mehreren 1000 Anwohnern lange Umwege zu sparen und eine Tram potenziell auf die Semmelweisstraße, denn dort ist der S-Bahn-Umsteigeknoten.

Trost: HvH ist nicht mehr im Rennen, der neue Stadtrat darf zeigen, dass aus Fehlern gelernt wurde. Nach jahrelangem intensiven Dialog sehe ich auch eher einen Neustart als falsche Hörigkeit.

Gruß
der Radler

Offline ralfix

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #24 am: 05.11.2019, 01:01:24 »
Allerdings ist ein E-Bus (der sich am besten direkt bei der Oberleitung der Straßenbahn bedient) effizienter als ein Dieselbus.

Wie soll das praktisch funktionieren?
Ein Straßenbahnoberleitung ist einpolig, da es die Schiene als Rückleiter gibt. Für O-Bus braucht man aber 2 Drähte.
Sieht man hier schön:  https://de.wikipedia.org/wiki/Oberleitungsbus

Gruß Ralf

Offline Timotimo

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #25 am: 05.11.2019, 07:37:30 »
Wie soll das praktisch funktionieren?
Ein Straßenbahnoberleitung ist einpolig, da es die Schiene als Rückleiter gibt. Für O-Bus braucht man aber 2 Drähte.
Sieht man hier schön:  https://de.wikipedia.org/wiki/Oberleitungsbus

Gruß Ralf

Es ist sehr wahrscheinlich das "Netz" gemeint und nicht die pure Strippe. Da würde man wohl normal, zweipolig fahren, sich jedoch an das vorhandene Stromnetz der Bahn anstöpseln.

Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #26 am: 05.11.2019, 08:56:35 »
hier ist auf die Schnelle eine recht fundierte Arbeit zu den Kostenannahmen der verschiedenen Antriebsformen.
Da ist der für Leipzig infrage kommende "Teillader"-E-Bus noch nichtmal doppelt so teuer wie ein Dieselbus. Wobei die Studie ja vom Neubau der Fahrleitung samt Stromversorgung ausgeht. In Leipzig müsste dafür nur die Strab-Fahrleitung ergänzt werden. Unterwerke und Speisekabel sind durch die Straßenbahn schon vorhanden, selbst Quertragwerke und Fahrleitungsmasten könnten teilweise mit genutzt werden. Der geringe Mehraufwand sollte ein nachhaltiger Klimaschutz doch wert sein. Zumal E-Busse ja auch helfen die Feinstaub- und Stickoxidbelastung in der Stadt in Grenzen zu halten.

Ein Straßenbahnoberleitung ist einpolig, da es die Schiene als Rückleiter gibt. Für O-Bus braucht man aber 2 Drähte.
An Stellen, wo der Bus die Spur der Straßenbahn mitnutzt, könnte man die einpolige Strab-Fahrleitung durch einen Minusdraht ergänzen, der vom Stromabnehmer der Straßenbahn nicht erreicht wird. Und ansonsten kann der E-Bus zumindest die Bestandteile der Strabfahrleitungsinfrast ruktur abseits der Fahrdrähte mitnutzen, sprich Quertragwerke, Speisekabel, Unterwerke etc..

Gruß Peter
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Noël Coward

Offline 2101

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #27 am: 05.11.2019, 10:39:25 »
Ich glaube, so einfach kann der O-Bus die Oberleitung der Bahn nicht mitbenutzen. Gerade an Stellen wo der O-Bus aufbügelt, käme die Bahn mit ihrem Stromabnehmer nicht durch. Hier mal ein Video aus Wuppertal.

https://youtu.be/vXct1uC_Lfc

Offline Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #28 am: 05.11.2019, 11:48:38 »
Fahrleitungssysteme sind ein kompliziertes und komplexes Gesamtgebilde. Die Seilkräfte sind auch nicht zu unterschätzen, so dass einfach zwei mal zwei Kabel nebst Aufhängung addieren nicht überall geht. Wandanker sind nicht endlos belastbar, für jeden ist ein statischer Einzelnachweis inklusive Zustimmung der Eigner nötig. Bei Masten muss auch statisch geprüft werden, ob die Querkräfte noch tragbar sind. Funktionieren wird es, doch allein die Dauer und die Kosten der Planung erfordern einen Anfangsinvest, der angesichts der leeren Kriegskasse kaum leistbar ist. Die Fahrzeuge kommen ja auch noch als Kostenblock sofort ab Tag 1. Unterwerke gibt es 40, die Auslastung und Speisekabel haben bestimmt Reserven, doch pauschal würde ich zum Abdecken der Lücken und zur Vermeidung langer Speisewege (Streustromkorrossion) 10 weitere UW annehmen, also noch mal 10 bis 15 Mio. Euro.

Sollen die Busse wirksam mehrere Linien betreiben, dann werden mindestens 20 bis 30 Stück gebraucht, Stückpreis 1 Mio (pi mal Fensterkreuz) + 10 UW + Ing-Leistung (1 Mio. Euro mindestens) + Kabel/OL-Bau (ca. 10 Mio.) = 50 bis 60 Mio.     wow  -  das nur um den Start zu meistern.... Im Alltag kommen dann Faktoren wie Zuverlässigkeit, Einsatzstabilität usw. , welche das Niveau des gewohnten erreichen müssen. Der Testbus auf der 89 hat gezeigt, was da noch an Themen bewältigt werden muss.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Wünschenswert ist es, Fahrkomfort und Belastungen für Anwohner sinken. Doch die Hürde ist groß und das Geld DAFÜR fehlt an anderen Stellen...

Gruß
der Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #29 am: 05.11.2019, 12:15:34 »
@RoSchoLE

Ja, das war damals ein Schmierentheater sondersgleichen. Immerhin sind die Prognosen genauso so eingetreten, also ca. 30%iger Fahrgastrückgang auf der dortigen 70.
Knackpunkt war damals mE, dass alle zu spät aufgeschreckt sind und in dem Zusammenhang erst einmal gedämmert hat, dass die A.-Hofmann-Str. noch als Untersuchungsstrecke klassifiziert war. Eine Fortführung der Straßenbahn bis zur Stadtgrenze hätte symbolischen Charakter gehabt, mehr nicht.

In Sachen O-Bus wird auch geforscht: https://www.fh-zwickau.de/kft/organisation/institut-fuer-energie-und-verkehr/professoren/thein-matthias/skorpion/hauptseite/

Verrückt: Da werden Teststrecken für Oberleitungs-LKW auf Autobahnen eingerichtet... Wo die Frage steht, wie viele derartige LKW angeschafft werden und das infrastrukturell geleistet werden kann im Regelbetrieb...