Autor Thema: Klimanotstand Stadt Leipzig  (Gelesen 2891 mal)

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Offline nietenzähler

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Klimanotstand Stadt Leipzig
« am: 01.11.2019, 16:58:42 »
Auf der Ratsversammlung am 30.10.19  wurde der Klimanotstand in Leipzig "ausgerufen":


Interessant wird es bei der Festlegung auf Antrag der Freibeuter:

Dürfte dann sicherlich auch die LVB bei der Neubeschaffung von Omnibussen betreffen.
Selbst die Hybridbusse dürften dann Tabu sein
Und sicherlich notwendige Dienstreisen mit Zügen ohne Dieselloks! (in der LVZ so zu lesen).
Selbst mit Bussen dürfte dann nicht mehr gefahren werden!
Also muß der Stadtrat über jede anders geartete Dienstreise entscheiden?

Und hier noch ein Link:
https://www.l-iz.de/politik/leipzig/2019/10/Der-Stadtrat-tagt-Leipzig-ruft-den-Klimanotstand-aus-Video-302157
« Letzte Änderung: 01.11.2019, 17:10:54 von nietenzähler »

Offline sfn

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #1 am: 01.11.2019, 19:06:30 »
Also ist jetzt fast buchstäblich "Bahn frei" für die guten alten O-Busse und für die neuen E-Busse?  :o

Wie soll nun kurzfristig reagiert werden? Die Stromleitungen für O-Busse oder meinetwegen irgendwelche magischen Bodenversorgungen (so ähnlich wie bei den Trams in Frankreich) müssen ja erst aufgebaut werden. Also wird man für abzustellende Altfahrzeuge erstmal E-Busse kaufen?

Eins unserer Forumsmitglieder hatte ja schon Erhellendes zum Thema E-Bus beitragen können. Vielleicht könnte es hier noch etwas Neues berichten?  :D
Im LVB-Netz gibt es nur Große oder keine Anschlüsse.

Sinnlosaktionen: zweistündiger Betriebsausfall und tote FKA zur Jahreswende, Hst.-Umbenennungen in plumpe Namen, Werbeansagen, gekaufte Haltestellennamen, Vorneinstieg (gelbe Flecken schon weg), Sitztest (mit vorgeplantem "Ergebnis"),...
Sinnlosmarketing: Fahrzeugtaufen
Dümmliches aus Antwortmails: DFI+IBIS können um Minuten voneinander abweichen; Lösen von mehr als 3 Zonen an den mobilen FKA softwareseitig nicht möglich,...

28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline RoSchoLe

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #2 am: 01.11.2019, 20:35:34 »
Da stellt sich doch einfach mal die Frage, was ist für das Klima günstiger?
Eine einzelne Person, die in einem E-Auto fahrt, dessen Ladestrom letztendlich zumindest teilweise doch mit Kohle erzeugt wurde oder wenn die Person in einem Zug sitzt, der von einer Diesellok gezogen wird?
Idelogisch ist die Antwort klar, aber wie wird so wisseschaftlich beantwortet?

Offline Passagier

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #3 am: 01.11.2019, 21:33:34 »
Da stellt sich doch einfach mal die Frage, was ist für das Klima günstiger?
Eine einzelne Person, die in einem E-Auto fahrt, dessen Ladestrom letztendlich zumindest teilweise doch mit Kohle erzeugt wurde oder wenn die Person in einem Zug sitzt, der von einer Diesellok gezogen wird?
Idelogisch ist die Antwort klar, aber wie wird so wisseschaftlich beantwortet?
Man muss kein Wissenschaftler sein, wenn man bedenkt, dass der Strom in absehbarer Zeit zu 100% aus erneuerbaren Energien gewonnen werden soll, um die Frage, die auf falschen Annahmen beruht, zu beantworten.

O-Busse? Wieso?

Offline Benedikt

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #4 am: 01.11.2019, 22:00:09 »
Da stellt sich doch einfach mal die Frage, was ist für das Klima günstiger?
Eine einzelne Person, die in einem E-Auto fahrt, dessen Ladestrom letztendlich zumindest teilweise doch mit Kohle erzeugt wurde oder wenn die Person in einem Zug sitzt, der von einer Diesellok gezogen wird?
Idelogisch ist die Antwort klar, aber wie wird so wisseschaftlich beantwortet?
Das lässt sich recht klar beantworten: Ein durchschnittlich besetzter Dieselzug oder Dieselbus ist klima-effizienter als ein E-Auto im derzeitigen Strommix, das nur mit einer Person besetzt ist.
Allerdings ist ein E-Bus (der sich am besten direkt bei der Oberleitung der Straßenbahn bedient) effizienter als ein Dieselbus.
Und Dieselzüge wird die Stadt Leipzig ohnehin nicht anschaffen, da die Anschaffung Ländersache ist.

Offline xXx

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #5 am: 01.11.2019, 22:02:37 »
Man muss kein Wissenschaftler sein, wenn man bedenkt, dass der Strom in absehbarer Zeit zu 100% aus erneuerbaren Energien gewonnen werden soll, um die Frage, die auf falschen Annahmen beruht, zu beantworten.
Selbst bei einer 100%-Ökostromquote wäre unter Berücksichtigung des immensen Resourcenverbrauchs bei der Herstellung von Autos (unabhängig ihrer Antriebsart) und der generell ineffizienten Individualmobilität der Dieselzug die weitaus ökologischere Variante. Abgesehen davon, dass auch der nicht auf ewig mit fossilen Brennstoffen fahren muss.
« Letzte Änderung: 01.11.2019, 22:15:40 von xXx »

Offline Passagier

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #6 am: 02.11.2019, 07:11:41 »
Selbst bei einer 100%-Ökostromquote wäre unter Berücksichtigung des immensen Resourcenverbrauchs bei der Herstellung von Autos (unabhängig ihrer Antriebsart) und der generell ineffizienten Individualmobilität der Dieselzug die weitaus ökologischere Variante. Abgesehen davon, dass auch der nicht auf ewig mit fossilen Brennstoffen fahren muss.
In Sachen Batterieherstellung und Recycling ist sicher noch Luft nach oben. Ja. Und Massenverkehrsmittel werden wohl immer ökologischer sein als Autos. Richtig. Und vielleicht (hoffentlich?) werden Züge mit Wasserstoffantrieb, vielleicht auch Busse?, auf dem Vormarsch sein. Dieselantriebe werden aber keine Zukunft haben. Egal, ob der Dieselkraftstoff fossil ist oder nicht.

Wie geht's eigentlich unseren E-Bussen? Man hört und sieht so wenig davon.

Offline Tino

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #7 am: 02.11.2019, 09:28:08 »
Was heißt unsere E-Busse? Wie haben noch keine. Der Göppel dürfte nach einigen Umbauten bald wieder in Leipzig auftauchen.
Ansonsten stellen im Zusammenhang mit der Fahrzeugbeschaffung die Hersteller nur kurzzeitig Testbusse zur Verfügung.
Der Begriff “Klimanotstand” hat juristisch ohnehin keine Bedeutung und verpflichtet zu gar nichts, trägt eher symbolischen Charakter.

Offline Radler

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #8 am: 03.11.2019, 19:15:35 »
so schön die ganzen E- und H und Hy und O Busse auch sind: Sowohl Anschaffung als auch Betrieb liegen gegenwärtig bei groß den dreifachen Kosten. Das heißt:
- dreifache Fahrpreis-Anteile (Busse befördern rund 20% der Fahrgäste im ÖV, preislich läge der Anteil dann bei der Hälfte!)
- dreifacher Zuschuss, damit liegen die kilometer-Kosten nicht mehr wie bisher ca 2 Euro/km sondern steigen auf Tram-Niveau von 6 Euro/km
- Drittelung des Busangebots weil die Kosten weder städtisch noch fahrgastseitig getragen werden können.

oder weiter eine zeitgemäße Dieselflotte anschaffen und ausweiten, damit stadtweit attraktive Takte und Netzdichte möglich wird und damit der MIV eine gern genutzte Alternative bekommt.

Der Klimanotstand darf also nicht in einen Mathematiknotstand münden.

Gruß
der Radler

Offline Kai-Uwe Arnold

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #9 am: 03.11.2019, 22:10:51 »
so schön die ganzen E- und H und Hy und O Busse auch sind: Sowohl Anschaffung als auch Betrieb liegen gegenwärtig bei groß den dreifachen Kosten. Das heißt:
- dreifache Fahrpreis-Anteile (Busse befördern rund 20% der Fahrgäste im ÖV, preislich läge der Anteil dann bei der Hälfte!)
- dreifacher Zuschuss, damit liegen die kilometer-Kosten nicht mehr wie bisher ca 2 Euro/km sondern steigen auf Tram-Niveau von 6 Euro/km
- Drittelung des Busangebots weil die Kosten weder städtisch noch fahrgastseitig getragen werden können.

Wie hat man denn dann nur im und nach dem Krieg, also in Zeiten höchster Not, die ganzen O-Buslinien gebaut?
Können Städte in der Schweiz, Österreich oder anderer O-Bus-Städte nicht rechnen?
Ist denn der O-Bus nur so ein Luxusverkehrsmittel?

Offline MD 612

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #10 am: 03.11.2019, 23:17:43 »
so schön die ganzen E- und H und Hy und O Busse auch sind: Sowohl Anschaffung als auch Betrieb liegen gegenwärtig bei groß den dreifachen Kosten. Das heißt: [...] oder weiter eine zeitgemäße Dieselflotte anschaffen und ausweiten, damit stadtweit attraktive Takte und Netzdichte möglich wird und damit der MIV eine gern genutzte Alternative bekommt.
Wenn Du so argumentierst, dann können wir ja jede Straßenbahnerweiterung in den Wind schreiben. Ich würde eher sagen, wenn die Stadt schon den Klimanotstand ausruft, dann wäre es Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und nicht nur ein paar Reißzwecken auszustreuen.

Schaun wir mal nach Solingen, die gehen mit gutem Beispiel voran:

Zitat rp-online.de:
Seit Donnerstag verkehren die Fahrzeuge der BOB-Generation im Regelverkehr der Linie 695.
[...]
„Die 695 war bislang unsere am stärksten frequentierte Dieselbus-Linie“, erläuterte der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken Solingen (SWS), Conrad Troullier, vor den Teilnehmern der Premierenfahrt und verdeutlichte den Fahrgästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft so schon einmal anschaulich, dass auf den BOB nach den Probefahrten der vergangenen Monate ein echter Härtetest wartet. So müssen die Busse, die ihre Batterien unter den vorhandenen Oberleitungen aufladen, ab sofort und für die Dauer von rund zweieinhalb Jahren unter Beweis stellen, inwieweit sie dem Alltagsstress gewachsen sind. Denn davon hängt am Ende ab, ob das mit 15 Millionen Euro geförderte Projekt der neuen Solinger Batterie-Obusse auch auf andere Städte übertragbar ist und einen Beitrag zum Umweltschutz beitragen kann.


rp-online.de

Noch zur Erläuterung: Die bisherige reine Dieselbuslinie 695 ist insgesamt 14,3km lang, fährt aber auf 2,8km Strecke unter der Obusfahrleitung, wo jetzt die BOB nachgeladen werden können. Ähnliches geht auch in Leipzig, wenn Fahrdrahtabschnitte für einen solchen BOB im Bereich vorhandener Straßenbahnfahrleitungen installiert werden und außerhalb der Strab-Strecken mit Batterie gefahren wird. Ähnliches war ja vor einigen Jahren schonmal für die Linien 60 und 70 angedacht, dann aber in der Versenkung verschwunden. Machbar wäre das neben den genannten auch für die Linien 80, 90 und eine ganze Reihe weiterer Buslinien, die teilweise im Bereich der Straßenbahnstrecken fahren. Man muss nur wollen und nicht nur Ausreden suchen, dann geht es auch. Wenn aber neue Dieselbusse erstmal auf dem Hof stehen, wird es mit einer Umstellung auf elektrischen Betrieb noch weitere 10 und mehr Jahre dauern.

Und was in einer Kleinstadt wie Eberswalde geht, die ihren O-Busbetrieb über all die Jahre hinweg gerettet haben, sollten wir doch in Leipzig auch hinbekommen...

Gruß Peter
Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.
Noël Coward

Offline firefox

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #11 am: 04.11.2019, 07:59:12 »
@Peter
Es ist nicht die Frage, ob wir das hinbekommen.
Da solche Projekte (hier) nicht gefördert werden, haben sie auch keine Chance auf Realisierung. Der Betrieb macht nur, was auch gefördert wird. Das ist eine völlig verfehlte Investitionspolitik, aber nicht zu ändern. Sie schaffen es ja nicht mal, die Förderquote zu 100% auszuschöpfen, weil es Verzögerungen bei der Planung gibt.
Gruß Foxi

Offline Passagier

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #12 am: 04.11.2019, 08:37:08 »
Wenn Du so argumentierst, dann können wir ja jede Straßenbahnerweiterung in den Wind schreiben. Ich würde eher sagen, wenn die Stadt schon den Klimanotstand ausruft, dann wäre es Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und nicht nur ein paar Reißzwecken auszustreuen.
Richtig. Abgesehen davon haben für mich die Hybridbusse und der E-Bus (fährt er überhaupt noch?) eher eine Alibi-Funktion. In Sachen Experimente sind Stadt und LVB eher zurückhaltend. Statt dessen improvisieren die LVB ganz in Tradition eher. Siehe Weiterverwendung NB4 und nun das Experiment eines Tatra-4er-Zuges.
@Peter
Es ist nicht die Frage, ob wir das hinbekommen.
Da solche Projekte (hier) nicht gefördert werden, haben sie auch keine Chance auf Realisierung. Der Betrieb macht nur, was auch gefördert wird. Das ist eine völlig verfehlte Investitionspolitik, aber nicht zu ändern. Sie schaffen es ja nicht mal, die Förderquote zu 100% auszuschöpfen, weil es Verzögerungen bei der Planung gibt.
Gruß Foxi
Dann schauen wir mal, was die Koalitionsverhandlungen bringen. Zum Glück sitzt die FDP ja nicht in der Runde.

Offline DrZott

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #13 am: 04.11.2019, 13:47:13 »
Dafür aber die Grünen, die im Leipziger Stadtrat schon erfolgreich die Einstellung der  /SL.009 nach Markkleeberg unterstützt haben ....  ;D

Offline Benedikt

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Re: Klimanotstand Stadt Leipzig
« Antwort #14 am: 04.11.2019, 13:55:09 »
Dafür aber die Grünen, die im Leipziger Stadtrat schon erfolgreich die Einstellung der  /SL.009 nach Markkleeberg unterstützt haben ....  ;D
Die Verkürzung nun ausgerechnet den Grünen anzulasten, ist doch albern. Eingestellt wurde der Abschnitt vorrangig deswegen, weil der Landkreis Leipzig sich weigerte, seinen Beitrag dazu zu leisten. Die Grünen hatten sich seinerzeit sogar für eine alternative Streckenführung an den Cossi eingesetzt, die jedoch nicht umgesetzt wurde.