Autor Thema: Ökolöwe startet Appell für 365-Euro-Jahresticket in LE nach Wiener Vorbild  (Gelesen 1883 mal)

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Offline LE Mon. hist.

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Der Ökolöwe hat eine (online)-Unterschriftensammlung gestartet:

"Wien hat es, Leipzig braucht es: das 365-Euro-Jahresticket - für 1 Euro am Tag mit Bus & Bahn durch die ganze Stadt. Jetzt Appell unterschreiben:"
https://www.oekoloewe.de/365euroticket.html

"Wir LeipzigerInnen brauchen endlich einen attraktiven Nahverkehr zu erschwinglichen Preisen.

Ich fordere Oberbürgermeister Jung und Ministerpräsident Kretschmer als verantwortliche Entscheider in Stadt und Land auf:
- Machen Sie Leipzig zur Pilotregion für vorbildlichen Nahverkehr in Sachsen und Deutschland.
- Führen Sie in Leipzig ein günstiges 365-Euro-Jahresticket ein, damit jede/r für einen Euro am Tag umweltfreundlich mobil sein kann.
- Organisieren Sie gemeinsam Kommunal-, Landes- und Bundesmittel für eine auskömmliche Finanzierung des 365-Euro-Jahrestickets."

Es berichten unter anderem:

LVZ, 19.02.2019
Umweltbund Ökolöwe fordert 365-Euro-Ticket für die Straßenbahn
http://www.lvz.de/Leipzig/Stadtpolitik/Umweltbund-Oekoloewe-fordert-365-Euro-Ticket-fuer-die-Strassenbahn

LIZ, 19.02.2019
365 Euro im Jahr: Ökolöwe sammelt Unterschriften für Wiener Modell im Leipziger ÖPNV
https://www.l-iz.de/wirtschaft/mobilitaet/2019/02/365-Euro-im-Jahr-Oekoloewe-sammelt-Unterschriften-fuer-Wiener-Modells-im-Leipziger-OePNV-260068

leipziginfo.de, 19.02.2019
Ökolöwe forciert Einführung des 365-Euro-Jahrestickets für Leipzig
LeipzigerInnen können Appell an Oberbürgermeister Jung und Ministerpräsident Kretschmer unterschreiben
https://www.leipziginfo.de/aktuelles/artikel/leipzig/2019/02/oekoloewe-forciert-einfuehrung-des-365-euro-jahrestickets-fuer-leipzig/

Die Forderung wird auch von der Leipziger SPD in ihrem Kommunalwahlprogramm erhoben:

LVZ, 13.02.2019
Leipziger SPD setzt auf neues Jahresticket für Bus und Bahn
http://www.lvz.de/Leipzig/Stadtpolitik/Leipziger-SPD-setzt-auf-neues-Jahresticket-fuer-Bus-und-Bahn

Christopher Zenker, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion: „Wir sollten aber keine falschen Versprechungen machen. Ohne finanzielle Unterstützung von Bund und Land können wir uns das Jahresticket als Kommune derzeit nicht leisten.“

Offline LE Mon. hist.

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Übrigens zum 365-Euro-Ticket:

"Die Stadtwerke Bonn verkaufen ab sofort das neue Klimaticket. Nur Neukunden können eines der 17.000 Abonnements abschließen. Sie sparen eine Menge Geld im Vergleich zu Bestandskunden. ... Für eine größere Zahl reicht das Geld nicht, das der Bund zur Verfügung stellt. Langjährige Bestandskunden können das neue Angebot deshalb nicht nutzen. Die Stadt hatte die Befürchtung, wenn sie jedem den Zugriff ermöglichte, würde es kaum Umsteiger vom Auto auf den Nahverkehr geben."
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/SWB-verkaufen-ab-sofort-365-Euro-Ticket-article3998244.html

Offline Tilman

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Schöne Initiative! Das Gejammer über „wir können uns das nicht leisten“ ist aber Quatsch: Wien hat die Nettoeinnahmen mit dem 365€-Jahresticket um 70% gesteigert:
https://www.tagesspiegel.de/politik/oeffentlicher-nahverkehr-jahresticket-365-euro-deutsche-staedte-moegen-wiener-modell/22751878.html

Und dann ist auch wieder Geld da zum Investieren...

Offline DrZott

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Das ist ja gut und schön mit dem 365-Ticket. Nur hat unser geliebtes L gar nicht die Kapazität, noch mehr Passagiere - vor allem schnell, bequem und pünktlich - zu befördern. In anderen Themen haben wir hier den mangelnden, scusi: fehlenden Ausbau des Netzes mehr als genug beklagt.

Offline Minol-Pirol

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Netzausbau... :D Man schafft es ja derzeit nicht mal, den normalen Fahrplan abzudecken.

Offline LE Mon. hist.

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Stimmt alles. Nur stellt sich die Frage, wie die Mammutaufgabe der fehlenden Kapazitäten (Fahrer_innen, Fahrzeuge, Taktfrequenz, Netzausbau, Haltestellenumbau z.B. am Hbf., ... ) angegangen und in der Öffentlichkeit (bis ins ferne Dresden bei der Landesregierung) präsenter gemacht werden kann. Durch beständige Klagen in verschiedenen Threads in diesem Forum? Ich bin mir nicht sicher, inwieweit das allein erfolgversprechend ist.

Offline DrZott

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Das ist ja mehr eine Tatsachenfeststellung - zumal die ständig neuen Pläne und Verlautbarungen auch genug Anlaß geben, darauf hinzuweisen, daß in Leipzig weder für intensiven noch für extensiven Ausbau investiert wird. Worauf willst Du hinaus? Daß wir nicht mehr darauf hinweisen sollen? Davon wird's erst recht nicht besser. Mißstände zu benennen, verpflichtet noch lange nicht dazu, Lösungen anzubieten.

Da die Leipziger Verwaltung weder willens noch in der Lage ist, an dem status quo etwas zu ändern, kann nur ein Politikwechsel die "Mammutaufgabe" bewältigen.

Offline Radler

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innerhalb der Verwaltung gibt es schon Interesse für besseren ÖPNV. Nur halt nicht in JEDER Ebene und ALLEN Ämtern, so dass gefühlt planlos nebenher agiert wird.

Es ist auch nicht so, dass die Kapazität IMMER und ÜBERALL im Netz die Grenzen sprengt, sondern zum einen nur auf den zentrumsnahen Abschnitten, zuzüglich einzelnen anderen auch und insgesamt auch nur zur HVZ. Auf die Zahl angebotener Sitzplatz-km ist die LVB im bundesweiten Vergleich eher mager ausgelastet.

Investitionen für mehr Angebot gibt es ja, vor kurzem haben wir noch überlegt, wofür die zahlreich ausgeschriebenen Busse alles gut sind. Auch die S-Bahn ist nicht immer und überall am Limit, im Gegenteil, Abschnitte, die für die Bimmel eher am Limit sind (Tram 4 und 15 gen Osten) sind via S-Bahn unterdurchschnittlich besetzt.

Gruß
der Radler

Offline LE Mon. hist.

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Worauf willst Du hinaus? Daß wir nicht mehr darauf hinweisen sollen? Davon wird's erst recht nicht besser. ...

Da die Leipziger Verwaltung weder willens noch in der Lage ist, an dem status quo etwas zu ändern, kann nur ein Politikwechsel die "Mammutaufgabe" bewältigen.

Selbstverständlich immer wieder und weiter auf die Probleme hinweisen, vor allem aber vor großem Publikum (Veranstaltungen, Medien, Stadtrat, ... ). Und ja, Kritik verpflichtet nicht dazu, zugleich auch mögliche Lösungen zu benennen. Aber das verstärkt die Kritik noch und macht die Debatte oft fruchtbarer.

Ich finde es durchaus bemerkenswert, welche oft bezeichnenden Reaktionen nun sehr schnell auf den Vorschlag des 365-Euro-Tickets kommen. Z.B. heute in der LVZ:

Experten: Nahverkehr würde mit 365-Euro-Ticket kollabieren
http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Experten-Nahverkehr-wuerde-mit-365-Euro-Ticket-kollabieren

Die Verkehrsexperten von Mitgliedsunternehmen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) darauf reagieren auf den Vorschlag nur mit Kopfschütteln. Denn die Fahrgastzahlen bei den LVB würden explodieren, sollte dieses extrem preiswerte Ticket eingeführt werden. [Das scheint eine wahre Horrorvorstellung für die Verkehrsexperten zu sein.] Weder die Straßenbahnen und Busse des stadteigenen Unternehmens noch dessen Netz-Infrastruktur seien für einen so rasanten Fahrgastanstieg gerüstet. Sie fürchten, dass der Run auf die LVB-Angebote werde wahrscheinlich so groß sein würde, dass ein „Kollabieren“ dieses Systems die Folge wäre.
Vor der Einführung eines solchen Tickets müsse man mehrere Jahre „massiv in Fahrzeuge und Netze investieren“. [Die Forderung ist offenbar so absurd, dass die Verkehrsexperten sie gar nicht mehr stellen, sondern nur im Konjunktiv formulieren.] Der VDV-Präsident Ingo Wortmann warnte doch im alten Jahr, dass preiswerte oder gar kostenlose Angebote keine zusätzlichen Kapazitäten schaffen.

Auch die Regierungspartei CDU kritisiert die Forderung. „Die Wiener Linien kosten jedes Jahr 1,2 Milliarden Euro, davon sind 700 Millionen Zuschüsse“, rechnet deren Landtagsabgeordneter Andreas Nowak vor. Ein 365-Euro-Ticket sei nicht finanzierbar und zöge „einen Rattenschwanz von Problemen“ nach sich. [Das ist die Partei, die z.B. die Straßenausbaubeiträge abgeschafft hat, so dass Straßenausbauten nun allein aus Steuermitteln bezahlt werden. Und die Partei, die bundesweit Milliarden Euro vor allem in den Neu- und Ausbau von Autobahnen und Umgehungsstraßen pumpt. Die sind offenbar immer finanzierbar und von „einen Rattenschwanz von Problemen“ kann man bei einer weiteren Stärkung des MIV natürlich nicht reden. In Leipzig hat die CDU z.B. mal wieder den Ausbau des Mittleren Rings aus der Versenkung geholt und in den Maßnahmekatalog der Kohlekommission geschrieben.]

Offline LE Mon. hist.

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Autoland Sachsen:

Fortschreibung des sächsischen Landesverkehrsplanes (LVP) 2030: Von heute an können Bürgerinnen und Bürger in den Entwurf des #LVP einschließlich des Umweltberichtes Einsicht nehmen und ihre Stellungnahmen und Äußerungen dazu abgeben.

Mobilität für Sachsen
Landesverkehrsplan 2030
Entwurf -zur Anhörung/Beteiligung -
Stand: Kabinettsbeschluss vom 15. Januar 2019
https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/download/datei/1076726_0/LVP+2030.pdf

Einen eigenen Thread brauchen wir dafür wohl eher nicht aufmachen, oder?

Offline nietenzähler

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Offline Sankt Georg

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Wie wäre es im ersten Schritt den Nahverkehr am Sonntag kostenlos zu machen. Da sind die Bahnen nicht ausgelastet und können die zusätzlichen Leute aufnehmen. Vielleicht kommt dabei der ein oder andere noch auf die Idee auch an anderen Tagen das Auto stehen zu lassen. Wie hoch die Einbußen bei der LVB dabei wären, kann ich nicht sagen. Aber da gibt es bestimmt ein paar Experten, die dazu Zahlen haben.

Offline Radler

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grob geschätzt 1/10, es ist zwar nur 1/7 der Woche, doch mit deutlich weniger Mengen als an Werktagen. Und "leer" sind die Bahnen nicht. Und in Euro sind das pi mal Daumen 10 Mio. Euro Weniger Ticketeinnahme

Aber:
is auf Light und Sondertarife sind alle Abo-Karten am WE mit Mitnahme für die Familie. Das IST bereits wie Gratis... Und wäre eher ein Anreiz, die 365 Euro Tickets einfach von jeden kaufen zu lassen, egal ob die ÖPNV nutzen oder nicht... Kostenlos-Mentalität hilft am Ende nicht wirklich, die macht mehr kaputt als besser.

Gruß
der Radler

Offline RoSchoLe

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Kostenlos-Mentalität hilft am Ende nicht wirklich, die macht mehr kaputt als besser.
Richtig. Auch das 365,- Euro Ticket ist Janusköpfig, denn hier muss die Stadt eine Menge Geld zuschießen. Besser wäre es doch, dass Geld für den Ausbau der Intrastruktur zu verwenden. Wir dürfen nicht vergessen, dass Leipzig eine der ärmsten Städte im Land ist.

Offline Radler

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ob das so ist, hängt von der Cleverness des Vertriebs ab. Wenn die 365 Euro tickets alles nur ersetzen trifft es teilweise zu. Wenn bisherige NieNutzer zugreifen, entsteht eine andere Bilanz. Und das ist nur das direkte Geld! Entfallene Behinderung durch entfallene PKW-Fahrten bringen auch Vorteile....

Gruß
der Radler