Autor Thema: ? in Bezug zum Bewerbertag  (Gelesen 8104 mal)

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? in Bezug zum Bewerbertag
« am: 04.01.2019, 21:14:28 »
Guten Abend!

Heute fand auf dem Augustusplatz der von den LVB beworbene Recruiting-Tag statt. Hier sollte man die Möglichkeit bekommen, sich rund um die Berufe Busfahrer, Straßenbahnfahrer und Fahrausweisprüfer zu informieren. Diese Chance wollten ein Freund und ich nutzen und besuchten also den Recruiting-Tag. Insgesamt machte der Stand keinen Eindruck, als suche man neue Mitarbeiter. Man hätte ja ruhig mit Plakaten werben können, wie "Mitarbeiter gesucht" oder sowas. Es sah eher wie ein normaler Infostand aus. Aber egal. Wir gaben am Stand an, uns für den Beruf des Straßenbahnfahrers zu interessieren. Eine Mitarbeiterin erzählte uns etwas über die Dauer der Ausbildung usw. Insgesamt waren das nur oberflächliche Informationen, so dass wir zu gewissen Sachen etwas genauer nachfragten. Ein Thema betraf die Dienstbekleidung. Man bestätigte uns, dass es bei den LVB eine Pflicht gäbe diese zu tragen. Jedoch stellte sich heraus, dass die LVB gar keine Möglichkeit bietet, sich vor Ort umzuziehen und wegzuschließen. Die Mitarbeiterin gab genervt wirkend an, dass das gar nicht ginge. Warum nicht, lies sie unbeantwortet. Das verwunderte uns jedoch, was wir ihr auch wiedergaben. Wenn man gar nicht die Möglichkeit hat sich umzuziehen, wie soll man dann Arbeitskleidung tragen? Für die Mitarbeiterin ganz einfach. So erklärte sie uns, dass man sich ja schon zu Hause die Dienstkleidung anziehen könne. Ok, sie wurde aber daran erinnert, dass laut einem Gerichtsurteil Umkleidezeit = Arbeitszeit sei. Sie versuchte sich mit "Betriebsvereinbarung" und sowas rauszureden. Ihr wurde nochmals verdeutlicht, dass das Urteil auch für die LVB gelte. Wie man das also berechne? Ob dann ab zu Hause sie Arbeitszeit starte? Die Frau wirkte irgendwie erbost solcher Fragen und nicht mehr bereit, näher darauf einzugehen. Ok, die LVB scheinen hier also geltendes Recht mit Füßen zu treten. Als nächstes fragten wir nach dem Gehalt. Ihr Info hierzu war alles andere als informativ. Wir sollten uns hierzu im Internet informieren. Wir gaben ihr zu verstehen, dass man hier doch Mitarbeiter anwerben möchte, man doch auch Informationen hierzu bereithalten sollte. Sie kramte dann doch noch ein A4 Blatt hervor, wo die Gehälter anhand von Beispielrechnungen drauf standen. Naja, man muss sich nun wirklich nicht mehr wundern, warum dort keiner mehr arbeiten möchte. Die einzelnen Beträge habe wir uns jetzt nicht mehr gemerkt ( Im Internet ist, anders wie von ihr erzählt, für Stadtbahnfahrer nichts zu finden ). Ich meine, dass man während der Ausbildungszeit ein Grundgehalt von ca. 1600€ hat. Nach erfolgreicher Ausbildung und nach 48 Monaten Betriebszugehörigkeit kamen dann etwas über 2000€ Brutto raus ( inkl., Zuschläge ). Ihr wurde verdeutlicht, dass man so keinem von Sofa locke. Beziehungsweise nur solche, die höchstwahrscheinlich Null Interesse daran haben und auch so rangehen. Man schien aber auch von Seiten der LVB nicht interessiert zu sein, auf Gehaltsvorstellungen von eventuellen Bewerber entgegen zu kommen. Stattdessen zuckte Sie mit den Schultern und gab an "Ja, dann klappt es hier nicht". Auch bei Leuten ohne Führerschein wird nichts getan. In anderen Betrieben längst normal, diesen auch den PKW Führerschein zu bezahlen. Sie gab an, dass Sie wisse dass es in anderen Bertrieben so ist. Nicht so bei den LVB. Ich frage mich wirklich, wie abgehoben man sein muss um so aufzutreten? Man hat Personalmangel, die eigenen Leute laufen einem weg und dann tritt man so auf. Da kann man sich ja ausrechnen, was in Zukunft auf uns zukommt, wenn man Leute so ausbeutet. Die Frau vor Ort wird auch nur das wiedergeben, was Sie von "Oben" vorgesetzt bekommt. Sie wirkte zudem völlig überfordert oder nur genervt. Keine Ahnung aus welcher Abteilung man sie rausgekramt hat um sie dort hin zustellen. Ahnung schien Sie jedoch nicht gehabt zu haben. Insgesamt schien die Veranstaltung nur wenig besucht. Wir sind insgesamt 3x vorbei ( und haben für jeweils für 15 Minuten beobachtet ) und nur einmal stand einer da. Aber es wundert einen auch nicht wirklich. Die Mitarbeiter vor Ort haben scheinbar auch nicht wirklich um Mitarbeiter geworben. Wenn ich Mitarbeiter suche und eine solche Aktion starte, dann gehe ich auch auf die Leute zu. Die Leute dort standen unter ihrem Zelt und waren eher mit sich selber beschäftigt. Na außer einer. Der fuhr mit einen Kinderwagen über den Augustplatz. Ob der Kleine sich für eine spätere Beschäftigung anwerben lies, ist nicht bekannt.
Insgesamt eine Aktion für die Mülltonne.

LG und ruhigen Abend :-)

Offline DAvE LE

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #1 am: 04.01.2019, 21:53:17 »
Auch wenn es leider das falsche Thema im Strang ist, möchte ich trotzdem gern dazu antworten und mich für dein Statement bedanken.

Ich habe vor zwei Tagen zum ersten Mal gehört, dass heute wieder solch ein Aktionstag stattfand. Im vergangenen Monat gab es dazu keinerlei Info. Und aufeinmal, zwei Tage vorher, läuft an der DFI, und dann auch bei Facebbook, der Lauftext zu diesem Aktionstag entlang. Klar, wer Zeit hat oder sich die Zeit frei räumen kann, der geht auch hin. Aber dieser Termin ist nun wirklich sehr kurzfristig gewesen. Dies bemängel ich bis heute bei der LVB-Kommunikationsabteilung. Dies dürfte ein großer Grund sind, weshalb nicht viele gekommen sind. Oder alle waren schon vorher da(2018)  bzw. haben sich bereits informiert.

Gut finde ich aber nach wie vor, dass die LVB solche Aktionstage macht. Mit einem Freund sah ich heute auch zwei U12 auf Fahrschule, die sich in der Industriestraße im Zuge der Linie 74 begegnet haben. Ob dies im Rahmen des Aktionstages stattfand, weiß ich nicht. Aber da die meisten keine Dienstkleidung trugen, denke ich mal schon.

Offline Tatra-Fan

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #2 am: 05.01.2019, 13:31:38 »
Guten Abend!

Heute fand auf dem Augustusplatz der von den LVB beworbene Recruiting-Tag statt. Hier sollte man die Möglichkeit bekommen, sich rund um die Berufe Busfahrer, Straßenbahnfahrer und Fahrausweisprüfer zu informieren. Diese Chance wollten ein Freund und ich nutzen und besuchten also den Recruiting-Tag. Insgesamt machte der Stand keinen Eindruck, als suche man neue Mitarbeiter. Man hätte ja ruhig mit Plakaten werben können, wie "Mitarbeiter gesucht" oder sowas. Es sah eher wie ein normaler Infostand aus. Aber egal. Wir gaben am Stand an, uns für den Beruf des Straßenbahnfahrers zu interessieren. Eine Mitarbeiterin erzählte uns etwas über die Dauer der Ausbildung usw. Insgesamt waren das nur oberflächliche Informationen, so dass wir zu gewissen Sachen etwas genauer nachfragten. Ein Thema betraf die Dienstbekleidung. Man bestätigte uns, dass es bei den LVB eine Pflicht gäbe diese zu tragen. Jedoch stellte sich heraus, dass die LVB gar keine Möglichkeit bietet, sich vor Ort umzuziehen und wegzuschließen. Die Mitarbeiterin gab genervt wirkend an, dass das gar nicht ginge. Warum nicht, lies sie unbeantwortet. Das verwunderte uns jedoch, was wir ihr auch wiedergaben. Wenn man gar nicht die Möglichkeit hat sich umzuziehen, wie soll man dann Arbeitskleidung tragen? Für die Mitarbeiterin ganz einfach. So erklärte sie uns, dass man sich ja schon zu Hause die Dienstkleidung anziehen könne. Ok, sie wurde aber daran erinnert, dass laut einem Gerichtsurteil Umkleidezeit = Arbeitszeit sei. Sie versuchte sich mit "Betriebsvereinbarung" und sowas rauszureden. Ihr wurde nochmals verdeutlicht, dass das Urteil auch für die LVB gelte. Wie man das also berechne? Ob dann ab zu Hause sie Arbeitszeit starte? Die Frau wirkte irgendwie erbost solcher Fragen und nicht mehr bereit, näher darauf einzugehen. Ok, die LVB scheinen hier also geltendes Recht mit Füßen zu treten. Als nächstes fragten wir nach dem Gehalt. Ihr Info hierzu war alles andere als informativ. Wir sollten uns hierzu im Internet informieren. Wir gaben ihr zu verstehen, dass man hier doch Mitarbeiter anwerben möchte, man doch auch Informationen hierzu bereithalten sollte. Sie kramte dann doch noch ein A4 Blatt hervor, wo die Gehälter anhand von Beispielrechnungen drauf standen. Naja, man muss sich nun wirklich nicht mehr wundern, warum dort keiner mehr arbeiten möchte. Die einzelnen Beträge habe wir uns jetzt nicht mehr gemerkt ( Im Internet ist, anders wie von ihr erzählt, für Stadtbahnfahrer nichts zu finden ). Ich meine, dass man während der Ausbildungszeit ein Grundgehalt von ca. 1600€ hat.

Geltendes Recht wird sicher nicht mit Füßen getreten. Genau solche Mitarbeiter braucht das Land...

Zu den Umkleidezeiten wurde m.W. noch keine Lösung gefunden, die allen Gerecht wird. Im übrigen musst du diese auch selber reinigen (wird pauschal vergütet). Gerichtsurteile sind übrigends keine geltenden Gesetze.
Die Bezahlung, Arbeitszeit usw. ist im Tarifvertrag Nahverkehr Sachsen "TV-N Sachsen" geregelt. Da du nicht nach dem TV-N gesucht hast, hier ein Link (gleich das erste Ergebnis bei google): http://www.arbeit.sachsen.de/download/NahverkehrSachsen1117.pdf
Da kommen übrigends noch Zuschläge dazu.

Und statt die Mitarbeiter im Nachhinein im Internet anonym vollzupflaumen, solltest du vielleicht mit einer Mail an die LVB deinen Unmut über die schlechte Bezahlung kundtun. Klar kann man mehr verdienen, aber in Sachsen halt nicht - dann musst du eben umziehen, wenn du als Straßenbahnfahrer 4000 Euro brutto willst.
« Letzte Änderung: 05.01.2019, 13:49:20 von Tatra-Fan »

Auf Grund von Feuchtigkeit im Gleisbereich, ist eine Weiterfahrt nicht möglich. Wir bitten um etwas Geduld.
LVB-Ansagen von 1994 "Andere" LVB-Ansagen von 2012
Aufstrebendes Grünau

Offline 2101

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #3 am: 05.01.2019, 15:02:07 »
Geltendes Recht wird sicher nicht mit Füßen getreten. Genau solche Mitarbeiter braucht das Land...

Wie nennst du es denn? Bitte erkläre es!
Dein Arbeitgeber verlangt von dir dass du dich zu Hause umziehst, nur weil sie offensichtlich nicht in der Lage sind ihren Mitarbeitern Umkleidemöglichkeiten zu stellen. Ich glaube sie wollen auch gar nicht. Denn Umkleidezeit=Arbeitszeit. Das will man vermeiden, denn es kostet Geld. Aber verteitige das Verhalten der LVB ruhig weiter. Solche Mitarbeiter mögen die Herren der LVB sicher gerne. Alles gefallen lassen, ja nicht kritisch hinterfragen und zu allem ja und Amen sagen.

 
Die Bezahlung, Arbeitszeit usw. ist im Tarifvertrag Nahverkehr Sachsen "TV-N Sachsen" geregelt. Da du nicht nach dem TV-N gesucht hast, hier ein Link (gleich das erste Ergebnis bei google): http://www.arbeit.sachsen.de/download/NahverkehrSachsen1117.pdf
Da kommen übrigends noch Zuschläge dazu.

 
Und statt die Mitarbeiter im Nachhinein im Internet anonym vollzupflaumen, solltest du vielleicht mit einer Mail an die LVB deinen Unmut über die schlechte Bezahlung kundtun. Klar kann man mehr verdienen, aber in Sachsen halt nicht - dann musst du eben umziehen, wenn du als Straßenbahnfahrer 4000 Euro brutto willst.

Die Mitarbeiterin hätte einem ja sagen kömnen, wo man was im Internet findet. Man geht so erstmal von der eigenen Internetseite aus. Aber ich kann dir sagen warum sie es nicht tat. Weil Sie es selber nicht wusste. Und ich sage es nochmal. Diese Frau schien keine Ahnung gehabt zu haben wovon sie redet. Aber solche Leute stellt man dort hin.
Und klar kann ich hier im Internet über das Erlebnis berichten. Warum auch nicht? Schreib du doch mal der LVB eine Beschwerde. Es interessiert schlichtweg keinen. Aber man kann mich gerne anschreiben und zu einem persönlichen Gespräch einladen. Dann sage ich denen meinen Eindruck  auch gerne ins Gesicht.
Ich wohne schon woanders. Aber vielleicht will man ja zurück. Und von 4000€ Brutto war nie die Rede. Aber 3000€ Brutto Grundgehalt darf es für diese Arbeit schon sein. Ja!!! Und zwar für alle Fahrer. Nenne mir bitte einen Grund, warum man sich unter Wert verkaufen sollte?

Offline Willy d. Baubieber

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #4 am: 05.01.2019, 17:02:58 »
Nicht vergessen, die "Neuen" steigen nicht im TVN ein, sondern im Haustarifvertrag.

Offline Mitleser

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #5 am: 05.01.2019, 17:20:41 »
... weil sie offensichtlich nicht in der Lage sind ihren Mitarbeitern Umkleidemöglichkeiten zu stellen...

Wie soll das auf Ablösepunkten im Stadtgebiet (z.B. Connewitz-Kreuz) oder unterschiedlichen Orten von Dienstanfang und Dienstende gehen? Nimmt der Fahrer dann seine Privatsachen im Trolli mit? Gleiche Orte von Dienstanfang und Dienstende sind (z.B. beim Einrücken) im Betriebsablauf nur selten möglich.

Und von 4000€ Brutto war nie die Rede. Aber 3000€ Brutto Grundgehalt darf es für diese Arbeit schon sein. Ja!!! Und zwar für alle Fahrer.

Für die Unternehmen der LVB-Gruppe existieren mit Sicherheit zwischen den Tarifparteien verhandelte und gültige Tarifverträge, nach denen die Entlohnung für alle Mitarbeiter erfolgt. Die Höhe der Entlohnung beruht somit nicht auf individuellen Gehaltsvorstellungen, welche bei Vertragsabschluss verhandelbar wären. Tarifverträge werden immer von einer Gewerkschaft mit dem Arbeitgeber oder dessen Interessenvertretung (z.B. kommunaler Arbeitgeberverband) verhandelt und für mehrere Jahre Laufzeit abgeschlossen. Kritik über die, in Mitteldeutschland vergleichsweise niedrige Entlohnung der Fahrer kann gern an diese gerichtet werden.


Offline 2198

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #6 am: 05.01.2019, 17:25:47 »
Irgendwie verstehe ich die Marschrichtung des großen L nicht ganz:

Einerseits sucht man Leute und veranstaltet im August zwei Recruting-Termine.
Die Bearbeitung der Bewerbungen zieht sich über mehrere Monate hin, weil sich sehr viele Interessenten bewerben.
Eine Ende ist nicht abzusehen, aber schon wird der nächste mehr oder weniger glücklich gestaltete Termin gestartet.
Sucht man wirklich Leute oder will man nur den Eindruck erwecken, welche zu suchen?

@ Tatra-Fan:

Gerichtsurteile sind keine Gesetze. Aber zumindest höchstrichterliche Rechtsprechung (hier LAG oder BAG) präzisiert deren Anwendung und ist daher durchaus bei deren Auslegung zu beachten.

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Offline solarisurbino

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #7 am: 05.01.2019, 17:38:00 »
Wie soll das auf Ablösepunkten im Stadtgebiet (z.B. Connewitz-Kreuz) oder unterschiedlichen Orten von Dienstanfang und Dienstende gehen? Nimmt der Fahrer dann seine Privatsachen im Trolli mit? Gleiche Orte von Dienstanfang und Dienstende sind (z.B. beim Einrücken) im Betriebsablauf nur selten möglich.



Wenn Dienstanfang und Dienstende nicht am gleichen Punkt möglich sind, ist ebend eine bezahlte Gastfahrt in den Dienst einzuarbeiten.  Dann ist das möglich. 

Offline 2101

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #8 am: 05.01.2019, 17:39:12 »
Wie soll das auf Ablösepunkten im Stadtgebiet (z.B. Connewitz-Kreuz) oder unterschiedlichen Orten von Dienstanfang und Dienstende gehen? Nimmt der Fahrer dann seine Privatsachen im Trolli mit? Gleiche Orte von Dienstanfang und Dienstende sind (z.B. beim Einrücken) im Betriebsablauf nur selten möglich.

Auszug aus dem Urteil:
Wenn ein Arbeitnehmer bei seiner Tätigkeit spezielle Dienstkleidung trägt ( bei der LVB zutreffend ), so muss er die Kleidung nicht schon zu Hause anziehen. Dies ist ihm nicht zumutbar, wenn die Kleidung wegen ihrer Gestaltung einen Rückschluss auf die Tätigkeit des Arbeitnehmers zulässt ( auch das tut es ). Umkleidezeiten müssen daher in solchen Fällen vergütet werden.

Mehr muss nicht gesagt werden. Entweder schafft die LVB an alle Ablösepunkten Umkleidemöglichkeiten, oder sie tut es an einigen wenigen Punkte und bekommt es hin, dass Arbeitsortbeginn auch das Ende ist oder, und das wäre das Einfachste, sie vergütet es den Mitarbeitern einfach, weil es ihnen zusteht, wenn sie sich zu Hause umziehen.

Offline 2198

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #9 am: 05.01.2019, 17:47:02 »
Aber mit der Vergütung des Umkleidens zu Hause bliebe ja noch der zweite Punkt bestehen: Rückschluss auf die Tätigkeit des ANs.
Keine Ahnung, welcher AN sich daran stören würde, aber diese Hürde wäre mit der Bezahlung nicht genommen.

Aber in der Sache stelle ich es mir bei mehreren Ablösepunkten schwierig vor.

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Offline MD 612

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #10 am: 05.01.2019, 18:00:52 »
Die Bezahlung, Arbeitszeit usw. ist im Tarifvertrag Nahverkehr Sachsen "TV-N Sachsen" geregelt. Da du nicht nach dem TV-N gesucht hast, hier ein Link (gleich das erste Ergebnis bei google): http://www.arbeit.sachsen.de/download/NahverkehrSachsen1117.pdf
Da kommen übrigends noch Zuschläge dazu.
Die LVB suchen dringend Fahrer und Du verteidigst den Laden noch, wenn die Mitarbeiter bei einer Bewerberveranstaltung noch nicht mal in der Lage sind Auskunft über Arbeitszeit, Urlaub, Gehalt und dgl. zu geben?? Der Laden scheint's nicht nötig zu haben.

Und nein, für neu eingestellte Fahrer gilt der TV-N nicht, denn die landen bei der extra dafür gegründeten Billigtochter LSVB, für die ein billiger Haustarifvertrag außerhalb des TV-N vereinbart wurde. Das nennt man auch Tarifflucht und wurde hier von ver.di mit Abschluss des Billig-TV auch noch unterstützt. Ich sag's doch, der Laden scheint's nicht nötig zu haben...

Wie soll das auf Ablösepunkten im Stadtgebiet (z.B. Connewitz-Kreuz) oder unterschiedlichen Orten von Dienstanfang und Dienstende gehen?
Einfach in der Nähe was anmieten, was man als Einsatzstelle nutzen kann. Oder die vorhandenen Räumlichkeiten in den Straßenbahnhöfen und im Verwaltungssitz am Augustusplatz nutzen. Dort kann man gleich noch Pausenräume und Toiletten einrichten, damit die Fahrer mal 'ne vernünftige Pause machen können und nicht auf der Parkbank rumlümmeln müssen. Das geht doch bei der Eisenbahn auch, warum nicht bei Straßenbahn und Bus??

Nimmt der Fahrer dann seine Privatsachen im Trolli mit?
Das muss er doch jetzt auch schon machen, wenn er nach dem Dienst noch ins Kino, Theater oder in die Oper will. Und noch schlimmer, der muss ja auch noch sein Auto auf den Buckel binden, wenn er früh damit zur Arbeit gefahren ist und er nicht dort Feierabend hat, wo sein Auto steht...

Gleiche Orte von Dienstanfang und Dienstende sind (z.B. beim Einrücken) im Betriebsablauf nur selten möglich.
Natürlich ist das möglich. Da wird einfach eine Gastfahrt mit Bahn bzw. Bus zum Ort des Dienstbeginns geplant, für die Arbeitszeit angerechnet wird. Das geht doch bei der Eisenbahn auch, warum nicht bei Straßenbahn und Bus??

Für die Unternehmen der LVB-Gruppe existieren mit Sicherheit zwischen den Tarifparteien verhandelte und gültige Tarifverträge, nach denen die Entlohnung für alle Mitarbeiter erfolgt. Die Höhe der Entlohnung beruht somit nicht auf individuellen Gehaltsvorstellungen, welche bei Vertragsabschluss verhandelbar wären.
Es steht dem Unternehmen trotz Tarifvertrag frei, mit dem Mitarbeiter übertariflich weitere Leistungen einzelvertraglich zu vereinbaren. Und es steht dem Unternehmen darüber hinaus frei, diese Leistungen übertariflich allen Mitarbeitern zu gewähren. Ein Anfang wäre es schonmal, auch für die Billigtochter den TV-N anzuwenden. Das wäre zwar auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber als Anfang besser als nichts. Entweder sie brauchen Fahrer oder sie brauchen keine...

Gruß Peter
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Offline Mitleser

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #11 am: 05.01.2019, 18:41:01 »
Einfach in der Nähe was anmieten, was man als Einsatzstelle nutzen kann. Oder die vorhandenen Räumlichkeiten in den Straßenbahnhöfen und im Verwaltungssitz am Augustusplatz nutzen. Dort kann man gleich noch Pausenräume und Toiletten einrichten, damit die Fahrer mal 'ne vernünftige Pause machen können...

Gibt es bereits (inkl. bezahlter Wegezeit zum Pausenort).

Das muss er doch jetzt auch schon machen, wenn er nach dem Dienst noch ins Kino, Theater oder in die Oper will. Und noch schlimmer, der muss ja auch noch sein Auto auf den Buckel binden, wenn er früh damit zur Arbeit gefahren ist und er nicht dort Feierabend hat, wo sein Auto steht...
Natürlich ist das möglich. Da wird einfach eine Gastfahrt mit Bahn bzw. Bus zum Ort des Dienstbeginns geplant, für die Arbeitszeit angerechnet wird. Das geht doch bei der Eisenbahn auch, warum nicht bei Straßenbahn und Bus??

Soweit ich weiß, gibt es keine gesetzliche Verpflichtung hierzu. Ein guter und engagierter Betriebsrat hätte hier eine lohnenswerte Baustelle für betriebliche Vereinbarungen.

Es steht dem Unternehmen trotz Tarifvertrag frei, mit dem Mitarbeiter übertariflich weitere Leistungen einzelvertraglich zu vereinbaren. Und es steht dem Unternehmen darüber hinaus frei, diese Leistungen übertariflich allen Mitarbeitern zu gewähren. Ein Anfang wäre es schonmal, auch für die Billigtochter den TV-N anzuwenden. Das wäre zwar auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber als Anfang besser als nichts. Entweder sie brauchen Fahrer oder sie brauchen keine...

Das ist schon richtig, jedoch nur bei entsprechender finanzieller Ausstattung des VU. Die Stadtverwaltung scheint meiner Meinung nach die LVV und deren Unternehmen mit immer mehr Aufgaben zu belasten, ohne die Finanzierung hierfür zu übernehmen. Früher gab es den Begriff "Melkkuh der Stadt". So wird es niemals freiwillige außertarifliche Zahlungen für Mitarbeiter der Stadtunternehmen geben können.

@MD 612 - Was persönlich interessiert - ich sehe oft Lokführer und Zugbegleiter (DB und Privatbahnen) in Dienstkleidung auf dem Weg zum Zug. Wie sind die Themen bei Euch geregelt?

Offline klm

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #12 am: 05.01.2019, 18:59:54 »

Es steht dem Unternehmen trotz Tarifvertrag frei, mit dem Mitarbeiter übertariflich weitere Leistungen einzelvertraglich zu vereinbaren. Und es steht dem Unternehmen darüber hinaus frei, diese Leistungen übertariflich allen Mitarbeitern zu gewähren. Ein Anfang wäre es schonmal, auch für die Billigtochter den TV-N anzuwenden. Das wäre zwar auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber als Anfang besser als nichts. Entweder sie brauchen Fahrer oder sie brauchen keine...

Gruß Peter

Das wird ganz sicher nicht passieren, einziger Zweck der LSVB-Gründung war es doch, den TV-N zu umgehen. Und sollte es irgendwann mal eine Gewerkschaft schaffen, den TV-N für die LSVB-Mitarbeiter durchzusetzen, nun dann wird flugs eine neue Billigtochter gegründet, mit wiederum schlechteren Bedingungen für die Neuen...

Offline MD 612

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #13 am: 05.01.2019, 20:06:54 »
Soweit ich weiß, gibt es keine gesetzliche Verpflichtung hierzu. Ein guter und engagierter Betriebsrat hätte hier eine lohnenswerte Baustelle für betriebliche Vereinbarungen.
Gesetzlich ist das nicht geregelt, das stimmt. Bei uns steht es im Tarifvertrag: "Für Arbeitnehmer beginnt und endet die Arbeitszeit am Ort des Dienstbeginns (Schichtsymmetrie)." Ausnahmen gibt es nur bei Hotelübernachtungen, wo die Schicht im Hotel endet und die neue Schicht auch dort beginnt (hier im Nahverkehr nicht relevant), sowie im Einzelfall mit Zustimmung des Betriebsrates innerhalb der politischen Gemeinde, wenn der AG die Beförderung der Kollegen zum Ort des Dienstbeginns sicherstellt. Darauf haben sich aber die wenigsten Betriebsräte eingelassen.

Die Stadtverwaltung scheint meiner Meinung nach die LVV und deren Unternehmen mit immer mehr Aufgaben zu belasten, ohne die Finanzierung hierfür zu übernehmen.
Man wird aber auch den Eindruck nicht los, als wollten die LVB aktiv an der Misere nichts ändern. So richtig einen Aufschrei, wie knapp doch die Finanzierung ist, war von dort jedenfalls noch nicht zu vernehmen.

ich sehe oft Lokführer und Zugbegleiter (DB und Privatbahnen) in Dienstkleidung auf dem Weg zum Zug. Wie sind die Themen bei Euch geregelt?
Dienstbeginn und -ende ist jeweils in einer Einsatzstelle im Bahnhof oder auch (weil ja die Gebäude oft nicht mehr der DB gehören) in Bahnhofsnähe. Dort gibt es Melderäume (für die Einsicht der Unterlagen, persönliches Postfach, Lademöglichkeiten für Diensthandys etc.) sowie Wasch- bzw. Duschmöglichkeiten und Garderobenräume mit persönlichem Spind. Die Kollegen können sich somit umziehen und bei Bedarf auch duschen. Viele nutzen diese Möglichkeiten, einige aber eben auch nicht. Und manche gehen vom Zug auch direkt zum Auto oder Heimfahrtzug und schleppen ihre Diensttasche mit allen Utensilien mit nach Hause, obwohl sie es nicht müssten. Wobei im Zug mitfahrende Kollegen in Unternehmensbekleidung nicht immer auf dem Weg von und zum Dienst sind, sie können auch auf Gastfahrt im Dienst unterwegs sein.

Das wird ganz sicher nicht passieren, einziger Zweck der LSVB-Gründung war es doch, den TV-N zu umgehen.
Es war zu hören, dass in Berlin die BVG-Billigtochter BerlinTransport den TV-N inzwischen übernommen hat und dort derzeit der Prozess der (Rück-)Überleitung der Fahrer in die Muttergesellschaft läuft. Das wäre doch mal ein Vorbild...

Gruß Peter
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Offline Tino

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Re: ? in Bezug zum Bewerbertag
« Antwort #14 am: 05.01.2019, 23:19:30 »
Aber mit der Vergütung des Umkleidens zu Hause bliebe ja noch der zweite Punkt bestehen: Rückschluss auf die Tätigkeit des ANs.
Keine Ahnung, welcher AN sich daran stören würde, aber diese Hürde wäre mit der Bezahlung nicht genommen.

Aber in der Sache stelle ich es mir bei mehreren Ablösepunkten schwierig vor.

2198
Genau so ist es, ob Gastfahrt oder private Fahrt. Beide würden in Dienstbekleidung stattfinden.
Und mal ehrlich, wie viele Fahrer würden das tatsächlich nutzen, um z.B. nach Dienstende noch mal in Dienstsachen einen Umkleideort aufzusuchen, wenn diese wahrscheinlich in viel weniger Zeit und ohne Umwege ebenfalls in Dienstsachen auf direkten Weg schon zu Hause wären.
Zur Not kann man sich auch noch eine Privatjacke auf dem Weg von oder zur Arbeit über die Dienstbekleidung ziehen, das dürfte bei einer Privatfahrt nicht verboten sein.
Ich glaube da gibt es wichtiger Dinge, als sich an solchen Kleinigkeiten hochzuziehen.
Wäre aber trotzdem mal interessant zu wissen, wie das andere Verkehrsunternehmen regeln, mit zahlreichen Ablösepunkten an verschiedenen Haltestellen und nicht identischen Anfangs- und Endpunkten des Dienstes. In einer Großstadt dürfte das äußerst schwierig sein.