Autor Thema: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan  (Gelesen 86923 mal)

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Offline Fabi

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #390 am: 12.11.2018, 09:54:02 »
Das Thema "nicht-Anschlüsse" kenne ich noch von früher aus Ausbildungszeiten...
Wie oft war es in Thekla so, dass die 9 gerade in die Wendeschleife fuhr und die 81/82 in Richtung Portitz/Taucha fuhr genau in dem Moment los, in dem die Fahrgäste beinahe den Bus erreicht hätten. Einmal hab ich mich im Winter beim Rennen über die ungeräumte Haltestelle so richtig hingelegt - der Busfahrer fuhr aber auch da trotzdem ab.

Da ich voll Schnee und Eis war und keine 20 Minuten auf den nächsten Bus bei Minusgraden warten wollte, nahm ich eines der bereitstehenden Taxen. Als ich die Hotline auf den nicht stattgefundenen Anschluss und die ungeräumte Haltestelle ansprach kam auch nur ein verbales Schulterzucken. Ich versuchte trotzdem die Taxirechnung (müssten um die 10€ gewesen sein) einzureichen - wurde natürlich abgelehnt. Immerhin gab es aber einen 5€-LVB-Gutschein zurück - der einem Abokunden allerdings recht wenig nutzt.

Offline Sven

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #391 am: 12.11.2018, 19:35:43 »
Genau solche Schilderungen machen einen sprachlos und zeigen umso mehr, dass ein Umdenken zuerst im Verkehrsbetrieb stattfinden muss. Dazu müssen die hohen Herren mal selbst LVB fahren. Machen die wahrscheinlich nie! Wissen wahrscheinlich gar nicht wie die Welt vor der Angerbrücke aussieht. Eigentlich müssten dort alle Umsteiger zwischen der /SL.003 und /SL.007 für verpasste Anschlüsse dort gleich protestieren und Sturm klingeln.

Positives Beispiel aus Berlin: Herr Buchner fährt mit der S-Bahn ins Büro am Nordbahnhof!

Die Sprechstunden alle Jahre vom IGEB in Berlin, wo sich alle Verkehrsbetriebe präsentieren sollten wir hier auch einführen. Da kriegen die hohen Herren mal mit, was alles Sch*** läuft.

Offline LE Mon. hist.

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #392 am: 17.11.2018, 10:59:45 »
Zitat
Der Entwurf des neuen Nahverkehrsplans weist aus Ökolöwen-Sicht deutliche Defizite auf. Wir Ökolöwen fordern neben dichteren Takten und einer besseren Erschließung der Stadt ein 3-Stufen-Konzept für den Ausbau der Straßenbahn und ein neues Busnetz 2020. Damit haben wir die wichtigen Punkte aus unserer ÖPNV-Umfrage 2017 und unserem ‚Zukunftsplan für Bus und Bahn‘ eingebracht. So viel können wir schon verraten: Wenn die Stadtverwaltung den vorgelegten Entwurf nicht deutlich aufwertet, bevor der Stadtrat im Frühjahr 2019 den Nahverkehrsplan beschließen wird, ist es um die Zukunft von Bus und Bahn in Leipzig schlecht bestellt. Nimm dir Zeit für unsere Stellungnahme, lade sie runter und verbreite sie weiter.
https://www.oekoloewe.de/nachhaltige-mobilitaet-stadtentwicklung-detail/nahverkehrsplan-leipzig-stellungnahme-oekoloewe.html

Offline sfn

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #393 am: 27.11.2018, 07:37:00 »
. /BUS /BL.072 /BL.073 könnten tagsüber durchaus fünf Minuten eher von Mölkau kommen und einen Anschluss Riebeckstraße ( /SL.004/BL.070)-Listplatz erschaffen. Stattdessen muss man an  /HS Koehlerstraße immer einen Takt abwarten.
So, das Fahrplanbüro hat auf meinen Wunsch hin kurzfristig umgeplant. Die Busse  /BL.072 /BL.073 kommen jetzt (seit Montag, 26.11.) 3' später, und es ist nun möglich, geschmeidig von Riebeckstraße zum Listplatz zu kommen. Geht doch.

Wer Ironie findet, ist selber schuld.

Im LVB-Netz gibt es nur Große oder keine Anschlüsse.

Sinnlosaktionen: zweistündiger Betriebsausfall und tote FKA zur Jahreswende, Hst.-Umbenennungen in plumpe Namen, Werbeansagen, gekaufte Haltestellennamen, Vorneinstieg (gelbe Flecken schon weg), Sitztest (mit vorgeplantem "Ergebnis"),...
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Dümmliches aus Antwortmails: DFI+IBIS können um Minuten voneinander abweichen; Lösen von mehr als 3 Zonen an den mobilen FKA softwareseitig nicht möglich,...

28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline DrZott

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #394 am: 28.12.2018, 16:16:37 »
Die LVZ liefert heute einen neuen Beitrag zur Serie "immer neue unrealistische Schnapsideen, die am Bedarf vorbeiführen, nicht bezahlbar sind und von aktuellen Problemen ablenken":
http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Rueckenwind-fuer-Hochbahn-Plaene

Darin wird die Idee einer Hochbahn für die S-Bahn eines Unternehmers aus Reudnitz publiziert.
Die Trasse soll vom S-Bahnhof-Connewitz im Zuge der Schnellstraße der B2/95 bis zum Schleußiger Weg führen, von dort schnurgerade nördlich zur Red-Bull-Arena, um schließlich im Bereich Heuweg wieder an bestehende Trassen anzuschließen.

Dicht besiedelte Gebiete werden nicht berührt. Einzig die Red-Bull-Arena als Hot-Spot wird angeschlossen.

Ziel soll sein, die Innenstadt von - unter anderem - Nord-Süd-Verkehr zu entlasten.

Offline Thomas L.E.

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #395 am: 28.12.2018, 16:41:24 »
Die Trasse soll vom S-Bahnhof-Connewitz im Zuge der Schnellstraße der B2/95 bis zum Schleußiger Weg führen, von dort schnurgerade nördlich zur Red-Bull-Arena, um schließlich im Bereich Heuweg wieder an bestehende Trassen anzuschließen.

Gehörte ein Teil dieser Strecke nicht mal zu der Plagwitz-Connewitzer Eisenbahn?

Ich finde immer noch den Ost-West-Tunnel, wie ihn Frank Eritt ins Gespräch gebracht hat, am sinnvollsten. Es ist sicher die teuerste, aber auch die eleganteste Lösung.

http://www.citytunnelleipzig.info/ost-west-tunnel.php
« Letzte Änderung: 28.12.2018, 16:57:41 von Thomas L.E. »
Die (Service-) Wüste lebt!

Offline ralfix

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #396 am: 28.12.2018, 21:22:47 »
http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Rueckenwind-fuer-Hochbahn-Plaene
Dicht besiedelte Gebiete werden nicht berührt. Einzig die Red-Bull-Arena als Hot-Spot wird angeschlossen.

Ziel soll sein, die Innenstadt von - unter anderem - Nord-Süd-Verkehr zu entlasten.

Ideen sind nicht verboten. Jeder darf bunte Linien in einen Statdplan malen.

Aber wirklich sinnvoll scheint mir diese Hochbahn Idee nicht.
Eben weil es eine Hochbahn sein soll, die man nur abseits der vorhandenen Bebauung führen kann, liegen auch fast alle Stationen in der Pampa. Oder will man noch Wohngebiete im Auwald dazuprojektieren?! 
Die Gegend am Stadion wird aber leider auch nicht sinnvoll mit einem Umsteigeknoten oder einem P+R Platz verbunden. Warum sollte man da einen Zug langschicken der nix erschließt?

Wenn man Geld in das System stecken will, dann erst mal in ausreichend dimensionierte Fahrzeuge, leistungsfähigere Zugsicherung,  engere Takte und weitere Außenäste.
Wenn absehbar ist, das alles nicht reichen wird und Dosto-Triebwagen in Maximalänge in 2 min Takt durch den CTL fahren und die Einwohnerprognosen immer noch steigen, dann darf man gern den Frank-Eritt-Tunnel aus der Schublade holen...   

Eine weitere  Nord-Süd S-Bahn zur Entlastung der City ist überflüssig, außer dem wurde im Osten gerade so eine Trasse stillgelegt. 

Gruß Ralf

Offline sfn

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #397 am: 28.12.2018, 22:42:37 »
Naja, die Leipziger wollen halt ihre Heldenstadt zu einem deutschen Shanghai machen. Ich bin mir sicher, dass die von mir soeben phantasierte Idee, direkt über dem Markt eine dreidimensionale Hochkreuzung zweier Automagistralen (nämlich Gottschedstraße-Grimmaische Straße und Gerberstraße-Karli) zu errichten, auf begeisterte Zustimmung stoßen würde. Auch könnte man die Straßenbahn in der inneren Jahnallee auf einer Hochbahn führen, dann werden die Autofahrer nicht dabei gestört, wenn sie wieder mal Radfahrer dahinmetzeln wollen.

Aber seit ca. zwanzig Jahren kommen Hochtrassen aus der Mode. Man reißt Hochstraßen und Fußgängerbrücken ab und plant die Verkehrswege anders.

Allein schon die Verschandelung des Stadtbilds durch solche Hochwege. Das fällt immer erst auf, wenn es weg ist, so wie seinerzeit das Monstrum überm Goerdelerring, die selbst schon eine Monsterkreuzung ist (auf alten Stadtplänen erkennt man, dass da "mittendrin" mal eine Bebauung war und es eigentlich zwei Kreuzungen dicht hintereinander waren).

Ich hoffe, dass im Falle des Falles die Naturschützer möglichst schnell irgendeine Vogelart ausfindig machen, die durch eine Hochbahn "Clara Zetkin" zum Aussterben gebracht wird. Der Naturschutz ist in Schland leider das einzige Mittel, um Bauprojekte wirksam zu stoppen.

Insgesamt schade, dass mit solchen Fantastereien wertvolle Zeit und Muße verplempert werden. Die Leipziger Volkszeitung ist sich nicht zu blöd dafür, ihren Lokalteil mit jedem Sch... zu füllen. Die LVZ wird auch woanders gelesen. Was sollen die Leute im sächsischen Ausland von uns in Leipzig denken?



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28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig

Offline Passagier

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #398 am: 29.12.2018, 08:46:28 »
Guten Morgen. Ich finde es immer wieder zum Kotzen, wie hier von manchem respektlos rum gedisst wird und manche von vornherein als Idioten hingestellt werden. Ich wünsche mir für 2019 sachliche!!! Diskussionen, dafür schätze ich dieses Forum eigentlich.
Zum Thema. Ich finde es gut, dass Ideen öffentlich geäußert werden, um die Entscheidungsträger für die Dringlichkeit von Investitionen zu sensibilisieren. Aber hochtrassen sind in der Tat out, weshalb bei der B2 AGRA auch eine tunnellösung angestrebt wird, die deutlich teurer wird. Hier werden bei dem Vorschlag noch dazu naturschutzgebiete zerstört, im Grunde der ganze Auwald. Und die Trasse führt an den Kunden vorbei. Die Trasse muss näher an die Bürger, genau das zeichnet den CTL aus.

Offline LE Mon. hist.

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #399 am: 29.12.2018, 09:46:23 »
Dass dieser Vorschlag für eine Hochbahn am Auwaldrand völliger Quatsch ist, darüber dürften sich die meisten hier wohl einig sein. Dennoch bin ich mir sicher, dass dieser zweite nicht der letzte LVZ-Artikel dazu sein wird. Ich gehe davon aus, dass die Hochbahn in absehbarer Zeit im Stadtrat durch den Antrag einer Fraktion oder einer oder mehrerer Stadträte/Stadträtinnen Thema werden wird und unter Umständen daraus auch ein Prüfauftrag für die Stadtverwaltung erwächst. Was führt mich zu diesen Annahmen? In erster Linie der LVZ-Artikel selbst und die bisherigen Reaktionen.

Problematisch ist in meinen Augen nicht, dass sich ein 26-jähriger "Projektentwickler" etwas zusammenspinnt oder Andreas Tappert damit seine Spalten in der ereignisarmen Zeit "zwischen den Jahren" füllt, sondern dass sich die verkehrspolitische Sprecherin der Leipziger CDU-Fraktion, Stadträtin Sabine Heymann, dem Artikel zufolge für nähere Untersuchungen ausgesprochen hat. „Leipzig ist eine Großstadt und braucht endlich auch ein großstädtisches Verkehrsangebot“, erklärte sie. „Dazu gehört eine S-Bahn, die sowohl wesentliche Verkehrsquellen erschließt als auch das Umland vielfältig anbindet. Die vorgestellte Idee wird genau diesem großstädtischen Anspruch gerecht. Sie schafft keine kleine Leipzig-Lösung, sondern einen mehrfach vernetzten Ring, der den ländlichen Raum um Leipzig besser erschließen hilft. Nur so kann der Verkehrskollaps der wachsenden Stadt verhindert werden. Nur so kann Leipzigs Entwicklungsschub auch zu einem Entwicklungsschub für die Nachbarkommunen werden.“

Weiter heißt es in dem LVZ-Artikel, der Projektentwickler "tritt deshalb jetzt an alle Ratsfraktionen heran, um sie für diese Idee zu gewinnen. Sein Ziel: Sie sollen die Stadtverwaltung beauftragen, sich mit der Hochbahn zu beschäftigen und vielleicht eine Studie in Auftrag zu geben, wie es München derzeit für eine Seilbahnstrecke über den dortigen Frankfurter Ring macht."

Jetzt können wir spekulieren, welcher einzelne Stadtrat/welche Stadträtin, welche Gruppe oder welche Fraktion so einen Prüfauftrag für die Stadtverwaltung einbringen und warum sie das tun könnte. Wir können aber auch auf die Präsenz der Stadträtin Sabine Heymann (CDU) in einem bekannten sozialen Netzwerk schauen, auf der sie den Beitrag in der heutigen LVZ mit dem Kommentar teilt: "Nach dem Citytunnel braucht es eine weitere Innovation, um dem Verkehr in Leipzig und Umgebung Beine zu machen."
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=2014200618655846

Über die Motive können wir weiterhin nur spekulieren. Das habe ich getan: Ich glaube, eine wesentliche Motivation für das Sinnieren über völlig unrealistische Großprojekte wie diese Hochbahn oder einen zweiten Citytunnel ist die Hoffnung, dass beim (Straßen)-Verkehr irgendwie alles besser wird, ohne das sich für den MIV etwas verändert. Neue Straßenbahnlinien würden ja Platz für Autospuren und/oder Parkplätze wegnehmen.

LVZ-Redakteur Andreas Tappert ist ein großer Freund des Autos und des ungehinderten Autoverkehrs einschließlich vieler und breiter Parkplätze. Davon abgesehen hat die LVZ ein ganz anderes Ziel als vorausschauende und realistische Verkehrsplanung. Die will ihre letzten Leser_innen (zumindest bei den Druckausgaben mit eher hohem Durchschnittsalter) erfreuen, mit Umfragen zum Klicken animieren und so noch bei der Stange halten.

Bei den mit Verkehrsplanung befassten Mitarbeiter_innen der Stadtverwaltung ist auf jeden Fall klar, dass dieser Hochbahn-Vorschlag weder sinnvoll noch überhaupt machbar ist (Finanzbedarf, Naturschutz, Eigentum der dafür notwendigen Grundstücke, ...).

Bei manchen Kommunalpolitiker_innen bin ich mir da nicht so sicher. Und die Ziele und Zeithorizonte des eigenen Handelns sind andere. Wie gesagt, der Straßenbahnausbau müsste vergleichsweise schnell konkret werden (ab 2024) und es gibt Flächenkonkurrenzen vor allem mit dem MIV. Da fantasiert man doch viel lieber über ein "großstädtisches Verkehrsangebot", das eben nicht Straßenbahn heißt und das irgendwo im Nichts alle Probleme lösen wird. Man nimmt Bürger_innenvorschläge auf ("In der LVZ-Umfrage waren die meisten dafür."), ist innovativ, zukunftsgewandt und dreht das ganz große Rad (und hängt nicht an der Straßenbahn von vorgestern fest). Demnächst ist Kommunalwahl, da sind längere Erwähnungen in vier, fünf LVZ-Artikeln ala "Warum unternimmt der Stadtrat denn immer noch nichts in der Sache? Nur die ... setzt sich dafür ein." viel wert.

Parallel werden ja auch noch der Tunnel vor dem Hauptbahnhof, der Tunnel unter der Jahnallee zwischen Waldplatz und Färberstraße, der Tunnel Uferstraße-Nordbrücke-Parthenstraße und etwa 78 weitere Tunnel geprüft. So können sich Stadtrat und Verwaltung noch lange beschäftigen. Und die Planung der "kleinen Leipzig-Lösungen" wie vor allem neue Straßenbahntrassen verschiebt sich auf 2025, dann 2026 ... . Bei den neuen S-Bahn-Linien nach Zeitz/Gera, Grimma/Döbeln, Weißenfels/Naumburg usw. geht es ja vermutlich auch nicht viel schneller.
« Letzte Änderung: 29.12.2018, 10:01:33 von LE Mon. hist. »

Offline Passagier

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #400 am: 29.12.2018, 10:34:51 »
Nein, eine hochbahn und ein Tunnel sind nicht per se "völliger Quatsch" oder utopisch, sie sind auch nicht nicht finanzierbar. Das wäre ebenso weder ein CTL oder eine A72.durch den Leipziger Südraum.

Offline xXx

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #401 am: 29.12.2018, 11:09:29 »
^
Doch, eine Hochbahn (egal ob nun durch den Auwald ohne Verkehrsnachfrage oder mitten durchs Stadtzentrum samt Schleifung historischer Bausubstanz) kann nur als unrealistischer Quatsch bezeichnet werden, meinetwegen auch noch als Träumerei, Spielerei, Fantasterei (such dir was aus), aber nicht als realistischer Beitrag zur Lösung irgendwelcher Verkehrsprobleme.
Im Gegensatz dazu hätte ein zweiter Tunnel zumindest eine theoretische Umsetzungschance, da die Eingriffe ins Stadtbild vergleichsweise klein bleiben. Das auch dieser keineswegs die Leipziger Verkehrsprobleme lösen wird (schon gar nicht kurz- oder mittelfristig) und nur als Nebelkerze dient um *jetzt* nicht handeln zu müssen und damit möglicherweise den Autofahrern weh zu tun, ist ebenso ziemlich durchschaubar. Dieser Tunnel mag zwar nicht per se "unfinanzierbar" sein (Geld findet sich bei politischer Mehrheit und Klüngelei vielleicht irgendwann tatsächlich, aber dieses würde dann anderen wesentlich wichtigeren und erfolgsversprechenderen Projekten definitiv fehlen), aber er wäre eben in Bau und Betrieb nicht ansatzweise wirtschaftlich. Und mehr als eine isolierte Insellösung wäre er auch nicht, während zig kleinere Maßnahmen übers ganze Stadtgebiet verteilt bei wesentlich geringerem Aufwand deutlich mehr Nutzen für eine echte Verkehrswende entfalten würden. Nur scheinen diese eben nicht gewollt zu sein bzw. auch nicht prestigeträgtig genug ...

Offline LE Mon. hist.

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #402 am: 29.12.2018, 11:50:10 »
Es geht nicht grundsätzlich um Hochbahnen. Es geht konkret um den vorgeschlagenen Neubau einer Hochbahn für den S-Bahn-Verkehr in den 2020er Jahren in Leipzig am Rande des Auwaldes zwischen Connewitz und Leutzsch. Der ist völliger Quatsch, weil er - wie von anderen oben schon geschrieben - ganz abgesehen von den Kosten und dem Naturschutz nicht mal annähernd die Ziele erfüllen kann, die in dem LVZ-Artikel genannt werden, geschweige denn andere wichtigere Ziele der Leipziger Verkehrs- und speziell ÖPNV-Planung. Einmal aller zwei Wochen viele Leute zu und aus der RB-Arena hin- und wegzutransportieren geht auch anders.

Die Kosten müssen in einem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen stehen. Dabei muss dieses Verhältnis nicht das sein, was derzeit als Kenngröße an ÖPNV-Maßnahmen angelegt wird.  Im Artikel werden überschlagenene Kosten von rund 600 Millionen Euro für den Bau genannt. Die dürften sehr wahrscheinlich deutlich höher liegen, wenn Grundstückserwerb, Planungskosten, Baupreissteigerungen in den nächsten 10 bis 15 Jahren und anderes mehr hinzukommen. Eine Milliarde Euro wäre da wohl deutlich realistischer. Für 10 km Streckenlänge ergibt das (60)-100 Mio Euro pro Kilometer. Ein Kilometer neue Straßenbahnlinie kosten je nach Aufwand etc. 10 bis 30 Mio Euro pro Kilometer.
« Letzte Änderung: 29.12.2018, 12:10:18 von LE Mon. hist. »

Offline MD 612

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #403 am: 29.12.2018, 13:26:32 »
Ich finde es immer wieder zum Kotzen, wie hier von manchem respektlos rum gedisst wird und manche von vornherein als Idioten hingestellt werden.
Da Du den Spinner hier auch noch zu verteidigen gedenkst, kannst Du uns ja sicher sagen, welche Qualifikation der wirklich für dieses Thema mitbringt, wie er zu seinen Zahlen (Baukosten) kommt, woher er glaubt es gäbe keine umweltrechtlichen Probleme, welche Fahrgastprognosen er für den Verkehr abseits jedweden Aufkommens hat und wieso er glaubt, alleine mit den alle zwei Wochen auftretenden Besucherscharen eines regelmäßig weit unter seinen Kapazitäten gefüllten Zentralstadions seine Spinnerei einigermaßen volkswirtschaftlich sinnvoll betreiben zu können. Die hiesige Lokalpostille kann das ja offensichtlich nicht. Dort braucht man sich nur melden, von einem augenscheinlich schlagzeilenträchtigen Thema reden und schon hat der Praktikant seine Spalten voll. Dass man da als Journalist vielleicht auch mal wirkliche Experten (in dem Fall Verkehrsplaner) fragen kann, dass man die genannten Zahlen an anderer Stelle hinterfragen kann und am Ende auch mal zum Ausdruck bringen kann, dass nicht jede Idee realistisch ist, mit der sich der eine oder andere Dummschwätzer ins Gespräch bringen will, scheint bei der Lokalpostille jedenfalls nicht mehr Usus zu sein. Das nennt man nämlich kritischen Journalismus, und den gibt es dort nicht mehr. Wenn man den in der Lokalpostille aber wieder finden würde, hätten die vielleicht auch den einen oder anderen Abonnenten mehr...

Aber hochtrassen sind in der Tat out, weshalb bei der B2 AGRA auch eine tunnellösung angestrebt wird, die deutlich teurer wird. Hier werden bei dem Vorschlag noch dazu naturschutzgebiete zerstört, im Grunde der ganze Auwald. Und die Trasse führt an den Kunden vorbei. Die Trasse muss näher an die Bürger, genau das zeichnet den CTL aus.
Womit Du ja selbst zum Ausdruck bringst, dass das ganze nur eine hirnlose Spinnerei ist...

Gruß Peter
Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.
Winston Churchill

Offline LE Mon. hist.

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #404 am: 29.12.2018, 14:26:56 »
Andreas Tappert ist allerdings kein Praktikant, sondern schreibt seit Jahren in der LVZ über Verkehrs- und Stadtentwicklungsthemen. Er hat auch die notwendigen Kontakte, die man für eine solche Recherche bräuchte, zumal das Thema ja nun auch nicht gerade brennt, sondern seit Mitte Februar vor sich hinblubbert.
http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Eine-Hochbahn-fuer-Leipzig

Also bitte nicht immer über die unschuldige Praktikantin meckern, die im Zweifel ihren Job besser gemacht hätte.

Zum Thema kritischer Journalismus - das ist leider genau das, was Tappert und einige seiner Kolleg_innen darunter verstehen. Irgendwelche Luftschlösser ausmalen, die viele Stammleser_innen im fortgeschrittenen Alter an die Verkehrslösungen bzw. -utopien ihrer Kindheit und Jugend erinnern und die sie deshalb sehr überzeugend finden. Und danach den Oberbürgermeister, den Stadtrat und die Stadtverwaltung, in dem Falle der Verkehrsplanung, in der LVZ anzählen, warum die Spitzenidee denn nicht sofort aufgegriffen und umgesetzt werden würde. Stattdessen plant und pflanzt die Baubürgermeisterin persönlich lieber Bäumchen auf wertvollen Parkplätzen, legt irgendwo Radwege und Radfahrstreifen an oder will Straßenbahnen Vorrang vor dem MIV geben. Ein Skandal!

Und es gibt eben auch Stadträte und Stadträtinnen mit einer ganz ähnlichen Agenda.