Autor Thema: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan  (Gelesen 27748 mal)

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Offline Tilman

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #195 am: 20.11.2017, 12:20:45 »
Im neuen Mietspiegel erscheint erstmals die Straßenbahn: als Negativkriterium! Liegt eine Wohnung an einer "Straße mit Straßenbahn", sinkt der Wohnwert um monatlich 0,11 €/m² (bei eventuellen Mieterhöhungen).

Du hast die Funktionsweise des Mietspiegels missverstanden. Für die Mietspiegel wird analysiert, welche Faktoren auf die tatsächlich gezahlten Mieten einwirken. Wenn festgestellt wird, dass die Lage an einer Straße mit Straßenbahn die Quadratmetermiete im Durschnitt um 0,11€ verringert, dann landet das halt im Mietspiegel. Das ist nichts, was da mit Absicht reingeschrieben wird um das eine oder anderre Signal in irgendeine verkehrspolitische Richtung zu senden.
Kritisieren kann man das trotzdem, nämlich dass die Lage direkt an einer Straße mit Straßenbahn wahrscheinlich häufig mit der Lage an einer allgemein stark frequentierten Straße zusammenfällt, was wegen der Lärmbelastung sich auf die Miete negativ auswirkt. Weil die beiden Parameter nicht statistisch voneinander unabhängig sind, dürfen sie eigentlich nicht beide in den regressionsbasierten Mietspiegel eingerechnet werden.

Offline André Loh-Kliesch

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #196 am: 20.11.2017, 12:58:25 »
Zitat
Das ist nichts, was da mit Absicht reingeschrieben wird um das eine oder anderre Signal in irgendeine verkehrspolitische Richtung zu senden.

Glaube ich nicht. Zunächst: die Angabe ist neu, vorher gab es so was nicht. Die Relevanz ist sicher nicht erst in den letzten Jahren entstanden. - Dann: um einen Einfluss feststellen zu können, muss das Kriterium vorher abgefragt werden. Offenbar hat man nur nach Straßenbahnen gesucht, sonst wären Minderungen auch für Busse, Eisenbahnstrecken/Güterring (!), Bundesstraßen oder Luftfahrt-Start-/Landekorridore festgestellt worden - die hier aber alle nicht erscheinen. Und selbst wenn es keine Absicht wäre, das Signal kommt an.

Neutraler wäre eine Schranke gemäß Lärmkartierung der Stadt gewesen: Verkehrslärm >70 dB => -0,11 €/m² oder so. Da ist der Floßplatz genauso lila wie die Karl-Liebknecht-Straße (stadtplan.leipzig.de). Aber nur einen Verursacher zu geißeln, das geht nicht.

Offline sfn

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Re: Diskussionen rund um die Fortschreibung Nahverkehrsplan
« Antwort #197 am: 20.11.2017, 13:57:50 »
Das ist eine der subtileren Möglichkeiten, eine statistische Erhebung schon fast am Anfang zu verfälschen: Kausalitäten hineintragen, ohne eine Faktoranalyse zu machen (wie in Andrés Beitrag schon gesagt: Aufschlüsseln nach LVB-, DB- und MIV-Lärm). Und eigentlich überflüssig, denn die Lärmkartierung müsste ausreichen. Oder man rechnete das helle Quietschen der Räder und das Abklingeln für die Fahrgäste als singulär lärmerzeugend ein...

Mich wundert es jetzt direkt, dass sowas bei der Erstellung einer amtlichen(!) Liste gemacht wird. Da könnte mal ein Eigentümeranwalt ran...  ::)

Hingegen wundert es mich nicht, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe in ihrer Verfettung und ihrem Desinteresse sich ihren Lärm als direkt benanntes mietminderndes Merkmal gefallen lassen.
Im LVB-Netz gibt es nur Große oder Keine Anschlüsse.

Sinnlosaktionen: Hst.-Umbenennungen in plumpe Namen, Werbeansagen, gekaufte Haltestellennamen, Vorneinstieg (gelbe Flecken schon weg), Sitztest (mit vorgeplantem "Ergebnis"),...
Sinnlosmarketing: Fahrzeugtaufen
Dümmliches aus Antwortmails: DFI+IBIS können um Minuten voneinander abweichen; Lösen von mehr als 3 Zonen an den mobilen FKA softwareseitig nicht möglich,...

28. Oktober 2009: Schwarzer Tag für den öffentlichen Stadtverkehr in Leipzig