Autor Thema: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena  (Gelesen 425711 mal)

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Offline Jörg.L.E.

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #345 am: 01.06.2013, 20:01:23 »
Wie kommst du auf die Idee? Wer hat sich denn mehr herbei gewünscht?

Die Type aus Siegen, denn wieder keiner gewählt hat und trotzdem wieder OBM geworden ist.

Und ist der Neubau von Schulen und Kitas also nicht weitsichtig? Schulen werden i.d.R. dann zusätzlich gebaut, wenn der aktuelle Bedarf jetzt und auch in einigen Jahren nicht ausreichen wird. Wie du auf "vorübergehend" kommst würde ich gern mal wissen.

Nur zur Info. Die fehlenden Azubis derzeit, resultierend aus dem Geburtenknick nach der Wende, sind die künftigen Eltern. Zur Zeit erleben wir den letzten Höhepunkt, der in den kommenden Jahrzehnten sukzessive zurückgehen wird.
Ich behaupte mal, jetzt wird gebaut und investiert ohne Ende und am Ende reicht doch nicht. Und wenn dieser Schwung an Kindern vorbei ist kommen die Nachwende-Eltern ins Spiel. Dann wird man feststellen, dass man gar nicht soviele Plätze braucht und wieder kräftig desinvestieren. Sobald das vollzogen ist kommen die derzeitigen Geburten/Eltern in 25 Jahren ins Spiel und schon geht die Nummer von vorne los.

Wie sehen Boomstädte denn aus? Und frage doch mal die jungen Menschen hier, was Leipzig ihnen zu bieten hat und weshalb sie sich hier niederlassen. Und weshalb die Geburtenrate hier höher als andernorts ist. Und weshalb der demografische Wandel, entgegen früherer Erwartungen, an LE und DD und J offenbar vorbei geht.

Wenn ich sehe was derzeit in Leipzig los bin ich froh, 2010 ins Umland wegegezogen zu sein.
Hier bekommt man wenigstens noch KITA-Plätze. Was nützen die besten Jobs wenn du zum zu Hause bleiben verdammt bist. Der demographische Wandel wird an keiner deutschen Stadt vorbeigehen. In den nächsten 10 Jahren gehen doppelt soviele Leute in Rente wie junge ins Erwerbsleben (statistisch gesehen). 

Im übrigen muss sich dem demographischen Problem auch RB stellen. Ich warte auf den ersten Zuschauer der völlig entkräftet oben auf der Dammkrone umkippt. Man ist das da ein Gewetze. Hoch - runter - hoch. :-) Da machen die Zuschauer mehr Sport als die aktiven auf dem Feld.

Ost-West-Tunnel: Eine Traumvorstellung, mehr nicht. Ich hatte auch mal einen Faible für Tunnelstrecken. Wenn man jetzt allerdings die Folgekosten der 70ziger-Bauten im westen betrachtet wirds haaresträubend.

Und die Stadt hat bisher nix falsches getan. Außer man sieht "nix" als falsch an. Diese Interpretation kann ich nachvollziehen und ich bin gespannt, wann der Öffentlichkeit ein Konzept präsentiert wird.

Letzteres, ich auch. Ersteres sehe ich anders. Die Stadt hat in der laufenden Saison bereits mehrere Verfehlungen angerichtet. Wie kann man den MIV immer und immer wieder bei solchen Ereignissen durch Waldstraßenviertel gewähren? Gepaart wird das ganze mit eingeschalteten Ampelanlagen die dem ganzen Verkehrsträgerbrei den Rest gibt. Sieht so ein Konzept aus? Macht da die Stadt alle richtig?
Es gibt Dinge da verlangt man nicht zuviel, außer die Stadt Leipzig steht in der Verantwortung.
Gegen ReDesignte ICE`s !!!

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WTL

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #346 am: 01.06.2013, 22:19:04 »
^ Ein paar Dinge gilt es nochmal richtig zu stellen: Es hat bislang keiner von einem U-Bahn-Netz mit Verlegung von Straßenbahnlinien in den Untergrund gesprochen, sondern einzig von einem Ost-Westtunnel mit einer ergänzenden Linie. Des Weiteren ging es um eine strategische Betrachtung, die es jedoch heute bereits zu diskutieren gilt! Deine pessimistischen Vermutungen sind für diese Stadt nichts Neues und haben ihr darauf basierend bereits in der Vergangenheit durch die massenhaften Abrisse in den ehemals prächtigen Gründerzeitvierteln bleibenden Schaden zugefügt. Auch der CTL wird von vielen Leipzigern immer noch als Unfug angesehen und in eine Reihe u.a. mit viel fragwürdigeren Projekten wie Stuttgart21 gestellt. Übrigens stimmt es nicht, dass keiner mehr "im Westen" U-Bahnen will oder braucht: Köln baut ebenso wie Düsseldorf, Stuttgart und Berlin, Hamburg hat seine U4 bereits verlängert und will diese abermals verlängern. München hat die letzten Jahre stetig gebaut und plant angesichts des nicht enden wollenden Erfolges weiter an einem Ausbau, interessanterweise gerade in den bereits mit U-Bahnen erschlossenen innerstädtischen Gebieten...weil die bestehenden überlastet sind! Und selbst Nürnberg ist in den Planungen. Wir reden hier also von wachsenden, attraktiven Städten. So wie Leipzig seit mittlerweile 8 Jahren! Klar, dass Industriestädte wie Ludwigshafen einen Strukturwandel durchmachen und damit die Tunnel nun zur Last werden. Den Strukturwandel hat Leipzig jedoch mittlerweile weitgehend hinter sich und positioniert sich nun als wirtschaftlich wiedererstarkte Schönheit mit vielfältiger Lebensqualität! Zumindest wird gerade das von Besuchern und Neuleipzigern herausgestellt und betont!

coppy

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #347 am: 02.06.2013, 02:13:36 »
...sondern einzig von einem Ost-Westtunnel mit einer ergänzenden Linie....
...Auch der CTL wird von vielen Leipzigern immer noch als Unfug angesehen und in eine Reihe u.a. mit viel fragwürdigeren Projekten wie Stuttgart21 gestellt...
Erstmal frage ich mich, was ein Ost-Westtunnel soll, solange der CTL wegen gekürzter netzergänzender Maßnahmen ein Stückwerk bleibt. Schau Dir mal Stötteritz an. Dort wird ab Dezember aller 7,5 Minuten eine S-Bahn starten, die durch den Tunnel fährt. Das ist häufiger als die Straßenbahn heute fährt. Aber wo sollen in Stötteritz die vielen Fahrgäste herkommen? Das Potential liegt weiter draußen, aber in Paunsdorf hält die S-Bahn überhaupt nicht, Anger-Crottendorf, Engelsdorf, Athen und eigentlich auch  werden mit einem 30 Minutetakt abgespeist. Das lockt, da die Bahnhöfe zu allem Überfluss auch noch ungünstig liegen, dann doch wenig Fahrgäste. Bei einem 15 Minutentakt wäre zumindest ein Nachteil behoben. Aber es geht noch weiter. So ist z.B. der Haltepunkt Marienbrunn dem Rotstift zum Opfer gefallen. Dieses hätte in seiner neuen Lage auch für die östlichen Teile von Connewitz etwas gebracht, von der S-Bahn Grimma oder Makranstädt will ich gar nicht erst anfangen. Das einzige Kaff was so richtig gut angeschlossen wird ist Markkleeberg. Dabei will man doch gar keinen Schienenverkehr haben. Nein man ist ein Dorf weit draußen mit Bussen und auch viel zu weit weg von Leipzig, sonst könnte einer noch auf die Idee kommen, dass man es eigentlich eingemeinden müsste.
Um noch mal Borsdorf zurück zu kommen. Ein Freund von mir wohnt dort und seine Frau ist eine der wenigen, die wirklich in der Innenstadt arbeitet. Seit Jahren haben sie 2 Autos, es geht wohl nicht anders. Jetzt hat sie mit erzählt, das sie doch tatsächlich mit dem ÖPNV auf Arbeit fährt. Allerdings nachdem sie ihr Auto in der Eisenbahnstraße geparkt hat. Dort kommt sie schnell mit der Straßenbahn weiter. Ein 15 Minuten S-Bahntakt in Borsdorf würde vielleicht was ändern.
Ein weiteres Problem beim CTL sehe ich darin, dass einige Linien Bereiche erschließen sollen, die eigentlich ein Fall für den Fernverkehr sind. Plauen, Hof und Zwickau sind für mich solche Kandidaten.

...durch die massenhaften Abrisse in den ehemals prächtigen Gründerzeitvierteln bleibenden Schaden zugefügt.

Nur wo Altes weicht, kann Neues entstehen. Mein Gott, nun tue doch nicht so, als ob nur in Leipzig Gründerzeithäuserquartiere gibt. Ein paar Touristen füllen die Stadtkasse nun auch nicht so toll, hochwertige Arbeitplätze schon eher. Mal ganz abgesehen davon, dass wir uns zukünftig solche KFW-350 Häuser (KFW-300 bei abgehangener Decke) zukünftig nicht mehr massenhaft leisten können.

Offline Passagier

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #348 am: 02.06.2013, 05:50:25 »
@ Jörg: Interessante Thesen. Nunja... Fakt ist im Moment, dass viele Studenten hier wohnen bleiben, Wohnraum knapper wird, die Geburtenrate hier recht hoch ist. Der demografische Wandel ist da und wird zunehmen. Ob das auf bestimmte und zum Leben atttraktive, ausgesuchte Städte zutrifft? Nicht umsonst sind hier Schulschließungen nicht mehr angesagt, im Gegenteil.

Ansonsten hat die Stadt bisher, außer nix tun und noch immer kein Konzept vorgelegt, nix falsch gemacht. Zumindest nichts Nachhaltiges, irreversibles.

@ Tony: WTLs Aussage bzgl. einer Stadionkapazitätserweiterung war wohl, wenn ich es richtig verstanden habe, eher ironisch gemeint und bezog sich auf deine Aussage
Zitat
Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sobald RB in der zweiten oder ersten Liga spielt dann jedes zweite Wochenende hier 45.000 Leute zum Stadion pilgern.

Diese Aussage geht von falschen Voraussetzungen aus, egal, ob man RB mag oder nicht. Um das mal richtig einzuordnen: Der RB-Zuschauerschnitt in Liga 4 ist der zweithöchste deutschlandweit. Und wenn es RB heute schaffen sollte, dann werden in der 3. Liga doppelt so viele im Schnitt kommen. So viele kommen andernorts nicht mal zu Zweitligaspielen. Macht also rund 15 000 - im Schnitt. D.h. bei so manchem Spiel wird es noch mehr. Dann können wir den Zweitligaschnitt auch mal hoch rechnen auf meinetwegen 20 - 22 000. Und in der ersten Liga wird der Schnitt bei mind. 30 000 liegen, dafür hat die erste Liga überregional einfach eine riesige Anziehungskraft. Insofern kann es dann durchaus sein, dass das Stadion im Schnitt gar bei 95% ausgelastet ist.

Offline Thomas L.E.

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #349 am: 02.06.2013, 10:53:45 »
Das einzige Kaff was so richtig gut angeschlossen wird ist Markkleeberg.
Das ist so nicht ganz richtig. Nach Inbetriebnahme des CTL kann z.B. man nicht mehr wie bisher von Schönefeld, Volkmarsdorf u.s.w. mit der S-Bahn Richtung Markkleeberg fahren, da man von Stötteritz und alter Messe nur Richtung Stadt bzw. Richtung Engelsdorf umsteigen kann und der Haltepunkt Leipzig-Ost weggefallen ist. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, entweder an den neu verlegten dresdner Gleisen oder an der bald elektrifizierten chemnitzer Strecke wieder einen Haltepunkt auf der Brücke über die Herrmann-Liebmann-Straße einzurichten. Das immer wieder vorgehaltene Argument, dass dieser zu dicht am Stadtzentrum liegt, kann ich nicht nachvollziehen, zumal der neue Haltepunkt an der Theresienstraße in etwa auch die gleiche Entfernung zum HBF hat.

Um noch einmal auf das Kernanliegen dieses Threads zurückzukommen: Es sind einfach zu viele Autos auf unseren Straßen unterwegs. Viel zu viele! Und solange kein Anreiz geschaffen wird, das Auto wirklich stehen zu lassen und den ÖPNV zu nutzen wird sich diesbezüglich absolut nichts ändern. Ein erster, wenn auch kleiner Schritt in diese Richtung wäre die Wiedereinführung des 30min Tickets.
« Letzte Änderung: 02.06.2013, 11:49:58 von Thomas L.E. »
Die (Service-) Wüste lebt!

coppy

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #350 am: 02.06.2013, 14:04:29 »
Ja, aber der Takt zwischen Kleckersdorf und dem Tunnel ist opulent. Wenn ich es richtig gesehen habe, sind es 6 Fahrten pro Stunde, während sich innerstädtische Bereiche mit 2 Fahrten pro Stunde und Richtung begnügen müssen und gleichzeitig wichtige Haltepunkte dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.

NVer

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #351 am: 02.06.2013, 14:26:27 »
... die einfachste Lösung liegt doch eigentlich auf der Hand? Und da braucht man keinen Tunnel.
Kreuzung am Waldplatz per Hand regeln, Parkverbot in der Jahnallee und die Autospuren von der Straßenbahn trennen. Schon hat man für die Straßenbahn freie Fahrt und kein Chaos durch Autofahrer. Ich weiß ja nicht wie es in späteren jahren noch angedacht ist die Jahnallee noch auszubauen, dass man auch zwischen Leibnitzstraße und Waldplatz getrennte Bereiche hat...

Die Autospuren von der Straßenbahn trennen?! ???

Die Idee an sich ist völlig richtig, aber an deren Umsetzung habe ich hier in Leipzig aus Erfahrung heraus so meine größten Zweifel.
Selbst schraffierte Gleisbereiche oder Sperrlinien werden zumindest in Leipzig liebend gerne "versehentlich" überfahren, vor allem, wenn sich tatsächlich dahinter eine Bahn nähert...
Bei Park- & Halteverboten ist es in der Stadt ohnehin schon "Volkssport" geworden, diese größtenteils wissentlich zu ignorieren (es sei dem, die SPD feiert sich in Leipzig ;)).

Und an eine bauliche Separierung der Straba-Trasse zwischen Leibnitzstraße und Waldplatz glaube ich längst nicht mehr; dazu ist Leipzig viel zu autoaffin. Das hätte man damals bei der Sanierung dieses Streckenabschnittes durchsetzen und realisieren müssen!
(Obwohl angesicht des größtenteils schon wieder völlig maroden Gleiszustandes zwischen Goerdelerring und Waldplatz eigentlich schon wieder eine Komplett-Sanierung nötig wäre... :o :'()

Offline Sven

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #352 am: 02.06.2013, 15:12:40 »
Servus,

Und an eine bauliche Separierung der Straba-Trasse zwischen Leibnitzstraße und Waldplatz glaube ich längst nicht mehr; dazu ist Leipzig viel zu autoaffin. Das hätte man damals bei der Sanierung dieses Streckenabschnittes durchsetzen und realisieren müssen!
(Obwohl angesicht des größtenteils schon wieder völlig maroden Gleiszustandes zwischen Goerdelerring und Waldplatz eigentlich schon wieder eine Komplett-Sanierung nötig wäre... :o :'()

das ist wohl wahr. Der Zustand in der inneren Jahnalle wird mit jedem Tag schlechter. Selbst die Gleise in der  /HS Leibnizstraße sehen gottvoll aus. Da scheint auch Pfusch am Bau vorgelegen zu haben.

Grüße
Sven

NVer

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #353 am: 02.06.2013, 15:22:17 »
...Selbst die Gleise in der /HS Leibnizstraße sehen gottvoll aus...

Vorschlag: "grottenhaft" oder "grauenvoll" 8-)

@ Sven: Ja; insbesondere die derzeitige Einfahrt in die Straßenbahn-Haltestelle "Leibnitzstraße" Richtung Waldplatz macht mittlerweile jeder Achterbahn-Fahrt heftige Konkurrenz... 8-)
Nicht mehr lange und es könnte dort aufgrund der Schaukelei ein sogenanntes "Begegnungsverbot" für Straßenbahnen geben... :o

Ich wandle mal einen altbekannten Spruch etwas um:
"Wer billig baut, baut zweimal!" :P

Offline Tino

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #354 am: 02.06.2013, 16:35:36 »
Ich schrieb dazu schon mal hier etwas.
Und damit ist die gesamte Jahnallee gemeint, begonnen an der Kuhturmstr. bis Goerdelerring einschließlich Gleiskreuzung Waldplatz, Baumängel aus dem Jahr 2005!

Ausgenommen wahrscheinlich nur das Stück, wo noch GVP aus DDR-Zeiten liegen.
« Letzte Änderung: 02.06.2013, 20:13:55 von Tino »

Offline Jörg.L.E.

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #355 am: 02.06.2013, 21:08:09 »
@ Jörg: Interessante Thesen. Nunja... Fakt ist im Moment, dass viele Studenten hier wohnen bleiben, Wohnraum knapper wird, die Geburtenrate hier recht hoch ist. Der demografische Wandel ist da und wird zunehmen. Ob das auf bestimmte und zum Leben atttraktive, ausgesuchte Städte zutrifft? Nicht umsonst sind hier Schulschließungen nicht mehr angesagt, im Gegenteil.

Ansonsten hat die Stadt bisher, außer nix tun und noch immer kein Konzept vorgelegt, nix falsch gemacht. Zumindest nichts Nachhaltiges, irreversibles.

@ Tony: WTLs Aussage bzgl. einer Stadionkapazitätserweiterung war wohl, wenn ich es richtig verstanden habe, eher ironisch gemeint und bezog sich auf deine Aussage

Wenn 26% deiner geburtenfreudigen (oder auch nicht) Studenten dem Land Sachsen den Rücken kehren wollen (nach Ende Studium) wirds wohl nix mit dem Geburtenboom. Im übrigen hält sich die Fertilitätsrate bei Akademikern im Allgemeinen in Grenzen. Der Geburtenboom ist relativiert zu betrachten. Die derzeitigen Geburtenzahlen decken die Sterbefälle in keinster Weise ab. Und mit schmalen Einkommen gestalten sich Familiengründungen eher schwierig.
Der Wohnraum ist im übrigen nur knapp, weil die Zahl der Singlehaushalte sukzessive zunimmt. Nicht ohne Grund sind kleine 2-Raum-Wohnungen derzeit in Leipzig der Renner.

@ Tony`s Aussage ist m.M. nicht ironisch gemeint. Warum nicht die Hütte auf 50.000 Zuschauern erweitern? Sehe ich nicht als Problem an. RB muss nur das Ding kaufen. Alternativ wollen die ein neues irgendwo PKW-freundlich an die Autobahn bauen (a`la Hoffenheim). Was wiederum uns ein innerstädtisches Konzept erspart.

Das beste zum Thema Stadion habe ich aber am Samstag in der LVZ gelesen. Da hatte der OBM wie folgt fomuliert:
"Leipzigs Bürger sind nicht 89 auf die Straße gegangen um viertklassigen Fußball zu sehen. Leipzig ist drittklassig.".
Wer sol einen als OBM hat braucht keine Feinde mehr. Leipzig Anspruch ist die Drittklassigkeit. Genauso ist auch das Verkehrskonzept am Stadion.

Quelle: http://www.mdr.de/mdr-info/absolventenstudie100.html
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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #356 am: 03.06.2013, 11:17:04 »
Wenn 26% deiner geburtenfreudigen (oder auch nicht) Studenten dem Land Sachsen den Rücken kehren wollen (nach Ende Studium) wirds wohl nix mit dem Geburtenboom. Im übrigen hält sich die Fertilitätsrate bei Akademikern im Allgemeinen in Grenzen. Der Geburtenboom ist relativiert zu betrachten. Die derzeitigen Geburtenzahlen decken die Sterbefälle in keinster Weise ab. Und mit schmalen Einkommen gestalten sich Familiengründungen eher schwierig.
Der Wohnraum ist im übrigen nur knapp, weil die Zahl der Singlehaushalte sukzessive zunimmt. Nicht ohne Grund sind kleine 2-Raum-Wohnungen derzeit in Leipzig der Renner.

Falls du es nicht mitbekommen hast: Leipzig hat wachsende Einwohnerzahl. Es sind auch nicht "meine geburtenfreudigen Studenten", meine schon mal gar nicht, es sind hier gebliebene Akademiker, aber auch aktuell Studierende. Die Familiengründungen kannst du nicht weg diskutieren, die steigende Geburtenrate in LE auch nicht, es sei denn, du bringst mir Belege! Leipzig ist übrigens eine bei jüngeren Leuten durchaus attraktive Stadt, die einen Anziehungspunkt bedeutet. Sie ist attraktiv und lebenswert. Und erstaunlicherweise gibt es in LE auch Arbeitsplätze.

@ Tony`s Aussage ist m.M. nicht ironisch gemeint. Warum nicht die Hütte auf 50.000 Zuschauern erweitern? Sehe ich nicht als Problem an. RB muss nur das Ding kaufen. Alternativ wollen die ein neues irgendwo PKW-freundlich an die Autobahn bauen (a`la Hoffenheim). Was wiederum uns ein innerstädtisches Konzept erspart.

Mag sein, auf 50 000 halte ich für denkbar.


Quelle: http://www.mdr.de/mdr-info/absolventenstudie100.html
[/quote]
Diese Studie ist eine allgemein auf Deutschland und auf einzelne Bundesländer bezogene. Sie hat keinen Aussagewert im Hinblick auf Leipzig, es sei denn, du zeigst mir eine entsprechende Passage.

Du hast mit einigen Beobachtungen/ Analysen ja Recht. Ich will dir auch nicht deinen Frust gegenüber der Politik nehmen. Du musst aber differenzieren. Wir sprechen gerade über Leipzig, und in Leipzig (und Dresden) läuft einiges anders und entgegen dem Trend.

Offline Radler

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #357 am: 03.06.2013, 11:44:27 »
Weil es gerade Thema geworden ist - Leipzigs Entwicklung ist nicht automatisch so glasklar wie man es gern "hätte"...

- die Geburtenzahlen gleichen die Sterbezahlen (noch) nicht aus, bis auf Schleußig und im Gegensatz zu Dresden
- Zuwachs kommt damit nur durch größeren Zuzug im Verhältnis zum Wegzug
- diese Bilanz wird vor allem durch junge Menschen getragen, von denen viele aus dem Umland stammen und das ewige Fahren für jede Art Aktivität satt haben
- Doch gerade diese Quelle wird demnächst versiegen
- Das Umland stirbt aus und ist längst ausgestorben. Von den Wegzüglern der 90er verbleiben die verrentnerten Eltern im Buschland, während deren damals zwangsevakuierten Kiddies zurück in die Großstadt strömen. Inzwischen werden diese weniger und sind bald alle. Dann ist der Zuzug wieder kleiner und muss ausschließlich durch Studenten abgefedert werden
- Die Landesregierung verdödelt aktuell sämtliches Potenzial, um universitäres Wachstum zu generieren, was wieder mehr Studenten anlockt
- Die Mindestlohnverweigerung der Landesregierung und daraus folgende Billiglohnpolitik führen dazu, dass notwendiges Fachpersonal aus anderen Ländern gleich bis in den besser entlohnenden Westen durchmarschiert
- nach wie vor werden strukturelle Kardinalsfehler geplant (B87n, A72, A14 (im Norden) usw.) Am Ende werden damit die "Fluchtwege" der Resteinwohner glattbentoniert.

--> Daraus auf die Zukunft zu schließen ist nicht so einfach, es gibt zu viele Unwägbarkeiten. Vom heutigen Ist auf ein kleines Plus zu schließen wäre nicht unseriös

Stadion:
Verwechselt bitte nicht Delta und Durchschnitt. Wenn der Durchschnitt x von irgendwas wachsen soll, so muss sehr oft der absolute Wert deutlich darüber liegen. Sprich: Durchschnittlich 7.000 Zuschauer wachsen nicht so schnell wie die absoluten gern wahrgenommenen Zahlen einzelner Spiele. Weiter oben stand mal eine Euphorie wie von Liga zu Liga der "Durchschnitt" wachsen könnte usw... Wem das zu komplex ist, der bastelt sich ans Fahrrad mal einen Fahrradcomputer zur Geschwindigkeitsermittlu ng. Dann versuche man den "Durchschnitt" von 20 km/h
--> zu schaffen
--> zu halten (also über lange Zeiträume)
--> "mal eben" auf 25 km/h anzuheben.
Viel Spaß beim Strampeln und Erkenntnisgewinnen!

Aus diesen Gründen ergänze ich meine bereits genannten Konzeptansätze um:
- keine großen Investitionen, denn min. 10 bis 20 Jahre Vorlaufzeit sind zu lang
- Notwendigkeit, alle Veranstaltungen mit mehr als 10.000 Besuchern zu zählen --> sind es mehr als 10, 20 oder 30 im Jahr (!)
- Optimierungsfplicht, das können z.B. Tatra-Fahrzeuge als Reserve sein, die ohne Sitze deutlich mehr Passagiere fassen, Massentransport als völlig hinreichender Behelf
- Schwerpunktsetzung auf Fußverkehr

Gruß
der Radler

« Letzte Änderung: 03.06.2013, 13:44:08 von Radler »

WTL

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #358 am: 03.06.2013, 16:21:57 »
Aus diesen Gründen ergänze ich meine bereits genannten Konzeptansätze um:
- keine großen Investitionen, denn min. 10 bis 20 Jahre Vorlaufzeit sind zu lang

Gemäß dieser Devise wäre der Citytunnel, den auch du ja für richtig und sinnvoll erachtest, aber ebenso nie gebaut worden. Obwohl auch damals ein großer Teil von (selbsternannten) Fachleuten meinte, es sei alles auch zukünftig mit der guten alten Bimmel machbar, man solle ja nicht zuviel Geld ausgeben. Außerdem würden die Baustellen Leipzigs Innenstadt auf Dauer schädigen usw. ...
Ich behaupte das glatte Gegenteil! Die CTL-Baumaßnahmen haben sicher hier und da Einschränkungen gebracht, wie so vieles sich eben im Laufe des Lebens zwangsläufig ändert, haben aber eben u.a. auch eine gewisse Dynamik und mediale Aufmerksamkeit für den ÖPNV und die Stadt im Allgemeinen erzeugt, welche diese Stadt nicht nur für Studenten und Arbeitnehmer sondern auch Unternehmen neben vielen weiteren Bausteinen irgendwie "spannend" und vor allem anziehend macht! Und da du ja die Einwohnerzahlen bzw. die Entwicklung ansprachst: Genau die von dir erwähnten, mehreren Hundert-Millionen-Euro-Straßenbauprojekte wurden in der Vergangenheit und werden auch immer noch mehr oder weniger einfach so durchgewunken (zumindest solange wie die Umweltschützer ihre Naturschutzbelange penibel berücksichtigt sehen...was wiederum die Kosten in noch höhere Dimensionen treibt). Auch das prägt viele Einwohner und hält die Begeisterung für das Autofahren im Vergleich zum ÖPNV hoch. Geld auch in größeren Dimensionen auf Seiten des Staates (Infrastruktur) als auch der Nutzer (PKWs) scheint also trotz allem Spargerede selbst in angeblich schwierigen Zeiten wie unserer heutigen grundsätzlich in üppigem Maße vorhanden zu sein. Es kommt vielmehr auf die Verteilung und Prioritätensetzung aufgrund politischer und medial-gesellschaftlicher Mehrheiten an.

Warum sich also gegen bloße Gedankenspiele und auch konkretere Ideen sperren? Vieles heute selbstverständliche und geniale wurde einst belächelt.

Ansonsten stimme ich natürlich voll und ganz zu, dass es logischerweise kurzfristig anderweitiger Maßnahmen bedarf. Aber wie bereits erwähnt können dauerhafte Provisiorien doch nicht der Weißheit letzter Schluss sein.

Offline Radler

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Re: Leipziger Verkehrskonzept: Zoo und Red Bull-Arena
« Antwort #359 am: 03.06.2013, 16:45:32 »
na, @ WTL, das ist doch genau der Unterschied: Der CTL brauchte nicht als kurzfristige Antwort auf irgendwas 1990ff dienen, der sorgt mittel- und langfristig für eine Grundstabilität im ÖV (innerorts als Stammstrecke, im Umland mittels Siedlungslenkung).  Am Stadion braucht es eines kurzfristigen Konzeptes, ist nicht bereits übermorgen die nächste Aktion?

Ich hatte auch nicht umsonst nach der Anzahl Veranstaltungen gefragt. Denn auch wenn es sinnvoll erscheint muss eine genormte Nutzen-Kosten-Untersuchung einen positiven Faktor ergeben. Mit 20 bis 30 Tagen wird nur 1/12 des Jahres wirtschaftlich vertretbar genutzt. Die restlichen 11/12 reißen das Ergebnis wieder nach unten oder per Zwangskannibalisierung wird Kollateralschaden im bestehenden Tramnetz gespielt. Beides keine Option. Außerdem sollten die immer raren Mittel in echte Zusatz-Projekte fließen.

Etwas nicht zu machen kann auch "genial" und zukunftsweisend sein. So ist LE nicht auf das westdeutsche Unterpflasterbahn-Folgekostenversenkungsprojekt a la 60er Jahre herein gefallen. Bravo!

Gruß
der Radler